Stolberg-Mühle: Stein auf Stein zur Inselwelt

Stolberg-Mühle: Stein auf Stein zur Inselwelt

Damit hatte Renate Krickel nicht gerechnet, erst recht nicht an einem nass-kalten Samstagmorgen: Statt der fünf Helfer, die sich angemeldet hatten, blickt die Leiterin der Grundschule Hermannstraße in 50 erwartungsfrohe Gesichter.

Gut eingepackt in dicken Anoraks und Gummistiefeln schnappen sich Erwachsene und Kinder die Harken und beginnen, die rund 45 Kubikmeter Rindenmulch zu verteilen.

„Eine Handvoll Freiwilliger hatte auf unseren Aufruf, heute hier zu helfen, reagiert. Dass jetzt so viele kommen, obwohl auch dieses ungemütliche Regenwetter herrscht, sehe ich als Riesenerfolg für unsere Schule”, sagt die 52-Jährige und bezieht sich damit nicht auf das Projekt an sich.

Gemeinschaftssinn

Es ist der Gemeinschaftssinn, der Zusammenhalt, der die Arbeit leicht von der Hand gehen lässt, obwohl es eigentlich eine Plackerei ist. Das Anlegen eines Wäldchen ist einer von drei Bausteinen im Rahmen eines großangelegten Projektes, um den alten Schulhof zu modernisieren. Ihn so umzugestalten, dass er den kindlichen Bedürfnissen nach heutigen pädagogischen Erkenntnissen gerecht wird.

Eines der drei Module ist bereits installiert: Die Grundschüler haben einen eigenen kleinen Fußballplatz. Das Wäldchen ist Baustein Nummer zwei. Die groben Arbeiten sind an diesem Vormittag getan. Was noch fehlt, sind Buschwerk, Bambuspflanzen und ähnliches.

Laufen und Toben

„Im Wäldchen können die Kinder laufen, toben und spielen. Es werden gezielt natürliche Materialien wie Holz zum Spielen zur Verfügung gestellt.” Damit könnten die Jungen und Mädchen beispielsweise einen „Piratenposten” errichten, manchmal brauche es eben nicht mehr als ein kleines Fleckchen Wald, Holz und Fantasie.

Der dritte Baustein wird eine „Friedensinsel” sein. Das ist ein geschützter Ort auf dem Schulhof, der - so sieht es das Konzept vor - künstlerisch gemeinsam mit den Schülern gestaltet wird. „Die Insel bietet Rückzugsmöglichkeiten. Es kann sein, dass ein Kind Kummer oder sich geärgert hat und einfach ein bisschen Zeit für sich allein braucht. Oder es will einfach so in Ruhe gelassen werden”, spielt die engagierte Schulleiterin unterschiedliche Situationen durch. So oder so - „die Insel ist ein Ort der Entschleunigung”, fasst die 52-Jährige zusammen.

Streng genommen sind es vier Module, denn es wird noch ein Spielgerät aufgestellt. Es sei ein besonderes Spielgerät. Eines, das speziell zum Balancieren und Klettern konzipiert ist und einen Fallschutz überflüssig macht, was finanziell eine erhebliche Kosteneinsparung bedeutet. Gespendet wird es vom Hilfswerk „Menschen helfen Menschen” unserer Zeitung.

Aber das Hilfswerk ist nur eines der Spender auf der Liste. „Diese Hilfsbereitschaft von Firmen und Bürgern ist einfach toll”, bedankt sie sich.

30 Nationen

30 Nationen sind an der Schule vertreten. Das hat klare Vorteile, „fast alle unsere Kinder sind zweisprachig und haben durch das tägliche Miteinander eine ganz andere Sichtweise in fremde Kulturen”, erklärt Krickel.

Doch eine solche Schule wie die im Stadtteil Mühle hat auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Zumal die Lage in einem Problemviertel es nicht gerade einfacher für die Schule macht. Gerade vor diesem Hintergrund freut sich Krickel ganz besonders über diese „geballte Engagement von Förderverein, Eltern und Schülern. Ein paar Kinder sind sogar ohne Eltern hier, Sie finden es wichtig zu helfen und sind aus eigenem Antrieb heute Morgen hierher gekommen”, erzählt die Schulleiterin beeindruckt.

Die offizielle Einweihung des Gesamtprojektes ist am 16. Juni. Dann wird ein großes Fest gefeiert, um den neuen Schulhof einzuweihen.

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