Stolberg-Gressenich: Staubiger Spaß beim Finallauf

Stolberg-Gressenich: Staubiger Spaß beim Finallauf

Dem Staub kann man nicht entgehen. Er wird von den Reifen der Trial-Maschinen aufgewirbelt, die sich auf dem Kalvarienberg in Gressenich zum Endlauf um den Euro-Cup für Klassik-Solomotorräder und Seitenwagen eingefunden haben.

Bei den Solomotorrädern wird zudem zwischen Twin-Shock und Maschinen, die vor 1965 gebaut worden sind, unterschieden. „Das könnte man im Automobilbereich mit dem Unterschied zwischen Oldtimer und Youngtimer vergleichen”, erklärt Arno Jahn, Vorsitzender der ausrichtenden Motorrad-Sport-Interessengemeinschaft Gressenich (MSIG).

Zwei Tage lang dröhnen auf dem Kalvarienberg die Motoren. Es ist heiß, der Boden ist trocken, und darum staubt es eben mächtig. Die rund 25 Helfer der MSIG, die an der Strecke, aber auch in der Küche und in der Wettkampfzentrale im Einsatz sind, ertragen das mit stoischer Gelassenheit. Das gute Wetter ist aus sportlicher Sicht nicht so attraktiv wie Regen. „Bei schlammigem Untergrund ist doch bestes fahrerisches Können gefordert”, erklärt Jahn.

90 Fahrer am Start

90 Fahrer stellen sich der Herausforderung, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bietet. Unter den Teilnehmern sind auffallend viele Niederländer. Ein Schweizer ist ebenfalls am Start. „Angenehm, Walter Leemann”, stellt er sich vor. Der Liebhaber klassischer Motorräder ist nicht wie die meisten mit Wohnmobil oder Zelt angereist, sondern mit seiner betagten Ente. Mit ihr transportiert er auch seine Kreidler Florett (50 ccm) aus den 70er Jahren.

Von der Leidenschaft für Trial-Motorräder ist auch der elfjährige Raphael Crott beseelt. Allerdings begeistert sich der Junge für moderne Trial-Maschinen, „die sind leichter, wendiger. Mit denen kann man mehr machen als mit den Klassik-Maschinen”, findet der Sportbegeisterte, der an einem Geröllbett als Helfer eingeteilt ist. Sein Vater steht oberhalb und ist einer der Punktrichter.

Fahren und helfen

Wer fahren will, der muss auch mithelfen. Für Raphael ist die Sache glasklar. Diese Einstellung haben aber nicht alle im Verein. „Wir hätten ein paar Helfer mehr gut gebrauchen können”, klagt Arno Jahn. Für Raphael ist hingegen klar: Er ist Mitglied im Club, also hilft er, weil auch andere ihm helfen, wenn er bei einem Wettbewerb startet. Erst kürzlich war der Elfjährige bei der Deutschen Meisterschaft für Jugendliche mit von der Partie. Die unterste Kategorie ist die für Neulinge. Raphael ist bereits eine Stufe höher geklettert und durfte in der Klasse für Anfänger (Schwarz) mitfahren. Konkurrenten können durchaus älter sein, denn die Klasse ist für Fahrer bis 18 Jahre zugelassen. Raphael fährt seit sechs Jahren Trial, aber dieses Mal hatte er Pech und landete auf dem letzten Platz.

Einige Hügel weiter freut sich unterdessen Sven Dohmen (24 Jahre) über das Mittagessen, das Arno Jahn in einer großen Kiste anschleppt. Als einer der Punktrichter darf er ja nicht weg, sondern muss alles im Auge behalten. Dohmen hat es sich auf einem großen Felsen gemütlich gemacht. Auch er ist aktiver Fahrer und startet in der zweithöchsten Klasse der Deutschen Meisterschaft (moderne Trialmaschinen). Wie bei Raphael ist es auch für ihn nicht gut gelaufen - bisher zumindest. Durch die verpatzten Läufe sei er chancenlos, was eine gute Platzierung betrifft. „Da bin ich doch lieber hier und helfe meinem Verein”, sagt Dohmen ehrlich. „Außerdem kann ich die Zeit prima zum Trainieren nutzen. Und das macht schließlich eine Menge Spaß.”