Stolberg-Gressenich: Starke Leistungen, schwache Resonanz

Stolberg-Gressenich: Starke Leistungen, schwache Resonanz

Der Sommer zeigte sich am Samstag von seiner besten Seite. Das Wetter war wie geschaffen, um einen Familienausflug zu unternehmen, zu grillen, einen Spaziergang oder eine Radtour zu machen.

In Gressenich konnte man diese Freizeittätigkeiten „unter einen Hut bringen”, denn im 20. Jahr fand am Omerbach der BSR-Radsporttag statt. Ab 13 Uhr folgte ein Radrennen auf das nächste, kühle Getränke und duftendes Grillgut lockten, und die kleinen Besucher durften sich kostenlos auf Karussell und Hüpfburg tummeln.

Doch leider war das Interesse an dem Spektakel eher mäßig. Selbst beim Hauptrennen der Elite-Profis am Abend war lediglich der Start- und Zielbereich in der Rottstraße gut besucht, während andere Teile der Strecke nahezu menschenleer blieben. Dabei wurde in Gressenich Radsport vom Feinsten geboten. Zunächst lieferten sich Kinder, Schüler, Junioren und Amateure packende Rennen auf den anspruchsvollen und 1,2 Kilometer langen Runden.

Viele „alte Bekannte”

Und dann folgte quasi als Krönung das aus mehr als 50 Fahrern bestehende Feld der Profis, das dank der guten Kontakte von Rennleiter Reiner Sorge sehr gut besetzt war. Allein das Kupferstädter Team Eddy-Merckx-Indeland ging mit acht starken Fahrern an den Start (alle Ergebnisse siehe Infokasten).

Unter den weiteren Favoriten befanden sich zudem viele „alte Bekannte”: Markus Eichler vom Team NSP fuhr für das Pro-Tour-Team Milram 2008 den „Giro dItalia” und 2010 die Spanien-Rundfahrt „Vuelta”. Zuvor hatte das Ass von 2003 bis 2006 in den Diensten des Stolberger Profiteams gestanden. Der deutsche Bergmeister der Jahre 2005, 2006 und 2010, Robert Retschke (NetApp), hatte 2004 und 2005 ebenfalls für das Kupferstädter Team in die Pedale getreten, was auch auf Michael Schweizer zutrifft (Nutrixxion), der Sieger der diesjährigen Auflage von „Rund um Dom und Rathaus” in Aachen. Für den Niederländer Tjarco Cuppens (Fuji-Cyclingtime.com) schließlich war das Rennen in Gressenich ebenfalls ein Heimspiel. Cuppens stand von 2002 bis 2004 beim heutigen Team Eddy-Merckx-Indeland unter Vertrag. Und die Liste ließe sich noch fortführen . . .

Viele Sonderwertungen

84 Kilometer voller Spannung waren garantiert, zumal die Sponsoren für viele Sonderprämien gesorgt hatten und so die Sprints um die Zwischenwertungen das Publikum begeisterten. Als gegen 21 Uhr die Streckenbeleuchtung eingeschaltet wurde, entfaltete das dynamische Renngeschehen seinen zusätzlichen besonderen Reiz. Allerdings nur für die Zuschauer - der ständige Wechsel von hell und dunkel stellte für die Fahrer zu dem engen Kurs, der ausschließlich aus Steigungen und rasanten Abfahrten bestand, eine weitere Schwierigkeit dar.

Mit den Bedingungen am besten zurecht kam Lokalmatador Stefan Ganser, Sieger des letzten BSR-Radsporttags in Gressenich 2009. Der Stolberger Eddy-Merckx-Indeland-Fahrer zeigte sich erstmals in der 56. der 70 Runden und setzte sich in einem dramatischen Finale schließlich gegen Markus Eichler unter dem Jubel der Zuschauer durch. In der Verfolgergruppe des Spitzenduos behielt der drittplatzierte Dorffer Retschke den Lenker vor dem Aachener Michael Schweizer und dem Donnerberger Marcel Meisen vorne.

Gute Mannschaftsleistung

Während des gesamten Rennens über 84 Kilometer hatte sich zuvor das heimische Team Eddy-Merckx-Indeland kämpferisch gezeigt und dabei eine hervorragende Mannschaftsleistung geboten.

Von den vielen Kupferstädter Helfern - das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sicherte die Strecke, das Technische Hilfswerk (THW) sorgte für die Beleuchtung - zeichneten sich besonders die Mitglieder des ausrichtenden Radsportclubs Stolberg aus. Nach teilweise über zwölf Stunden auf den Beinen erbrachten auch sie körperliche Höchstleistungen: Unmittelbar nach der Siegerehrung verwandelten sie die gut präparierte Rennstrecke zurück in die beschaulichen Straßen im Stolberger Stadtteil Gressenichs.

Im kommenden Jahr wird die Radsportserie in Breinig fortgesetzt. Vielleicht wird Stefan Ganser dort versuchen, an seine Triumphfahrt anzuknüpfen.