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Stolberg: Stadtverwaltung: Was sind die Konsequenzen der Befragung?

Stolberg : Stadtverwaltung: Was sind die Konsequenzen der Befragung?

„Was denken die fehlenden 60 Prozent?” Diese Frage macht Dieter Dujardin noch am meisten zu schaffen nach der mit 40 Prozent „enttäuschend geringen Beteiligung” an der Befragung unter den Mitarbeitern der Stadtverwaltung.

„Rückblickend hätten wir die Umfrage offensiver unter der Belegschaft im Vorfeld erklären müssen”, analysiert der Vorsitzende des Personalrats, der mit dem Ergebnis für die Interessenvertretung gar „nicht so unzufrieden” ist.

2,5 Prozent werteten ihr funktionieren mit sehr gut, 25 Prozent gut und 44 Prozent zufrieden stellend - „aber sicherlich kann man sich immer bessere Werte wünschen”, ordnet Dujardin das Meinungsbild der aktuellen Entwicklung in der Verwaltung zu: „In Zeiten von Stellenabbau, Kostenreduzierung und Umorganisation sind dem Personalrat bei der Mitwirkung auch oft die Hände gebunden”.

Das werde noch häufiger der Fall sein, wenn das Land wie geplant im Mai die Mitwirkungsrechte weiter einschränken werde. Mit einem kritischen Ergebnis hatte Dujardin deshalb auch gerechnet. Wer aber mit der Personalratsarbeit unzufrieden sei, könne im nächsten Jahr Konsequenzen ziehen: „Dann sind Wahlen”.

Vor dem Hintergrund der finanziellen Lage der Stadt sei der Personalrat zwar grundsätzlich bereit, Veränderungen mitzutragen, wenn sie Sinn machen, aber „wir sind nicht mit im Boot, wenn einfach unstrukturierte Veränderungen erfolgen”, verweist Dujardin auf unterschiedliche Vorstellungen zwischen Personalrat und Bürgermeister über ein Personalentwicklungskonzept.

Einigkeit bestehe zwar darin, dass es eins geben soll, jedoch nicht über die Inhalte. Die Mitarbeitervertretung legt Wert darauf, festzuhalten, welche Vorbildung, Neigung, Fortbildung und Zukunftsperspektiven es gebe. „Das ist ein erster Schritt, um die Rahmenbedingungen für die weitere Verwendung von Mitarbeitern zu verbessern und mit gezielten Fortbildungsmaßnahmen mittelfristig personelle Strukturen aufbauen zu können”, sagt Dujardin.

Ohnehin bestehe ein erheblicher Wunsch und Bedarf nach Fortbildung. Bereits seit Jahren kämpfe der Personalrat um ein breites Qualifizierungsangebot. Aber es gebe „nur einen Mini-Etat” dafür und schon gar kein vorausschauendes Angebot, das breit schmackhaft gemacht werden könne. Lediglich einzelne Maßnahmen, etwa im Zusammenhang mit SAP hätten stattgefunden.

Der konkrete Bedarf an Fortbildung soll nun ebenso hinterfragt werden, wie Maßnahmen, die das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit verbessern sollen. Dabei hatte eine Befragung der Bürger noch unter Bürgermeister Wolfgang Hennig ergeben, dass die Stolberger ihrer Verwaltung ein besseres Image bescheinigten, als dies jetzt die Mitarbeiter taten, merkt Dujardin an.

Erarbeitet werden jetzt die Rahmenbedingungen für die gewünschte Vorgesetzten-Beurteilung nach Vorbild des Kreises, „wobei ich kein Freund bin von einer Befristung von Führungspositionen”, macht der Personalratsvorsitzende klar. „Man muss im Vorfeld seine strukturellen Hausaufgaben machen”.

An der fachlichen Qualifikation habe es in den vergangenen Jahren bei der Besetzung wenig gemangelt, eher an den Führungsqualitäten. Die könne man schulen. „Wenn man sich tatsächlich einmal vergriffen haben sollte, dann muss man bereit sein, personelle Konsequenzen zu ziehen”.

Konsequenzen ziehen will der Personalrat auch aus der Klage, dass sich die Hälfte der Mitarbeiter zu häufig während ihrer Arbeit gestört sehen. Ein Call-Center nach Vorbild der Stadt Aachen, wo über die Sammelnummer eingehende Anrufe direkt bearbeitet werden können ohne dabei den Sachbearbeiter zu kontaktieren, wäre ein Lösungsansatz. „Das werden wir uns jetzt genauer ansehen und die Kosten ermitteln”.

Verbessert werden soll der Informationsfluss zu den Beschäftigten durch regelmäßige Mitteilungen. Allerdings werde der Personalrat auch dabei nicht die ganze Palette seiner Arbeit darstellen können. „Ich lehne es ab, Unruhe in die Verwaltung zu tragen”, so Dujardin, der nicht über jedes mit der Verwaltungsspitze gescheiterte Personalgespräch berichten will.

Wenn schon nicht immer Einigkeit erzielt wird, hat sich zumindest der Informationsfluss zwischen Verwaltungsvorstand und Personalrat laut Dujardins verbessert. „Über das, was angedacht ist, werden wir schon umfassend unterrichtet...”

Und wie bewertet der Personalrat das schlechte Abschneiden der Behördenleitung? „Die individuelle Beteiligung der drei Dezernenten daran wird noch einmal hinterfragt. Auf das Ergebnis bin ich gespannt”.