Stolberg: Stadtrat berät über veränderte Friedhofssatzung

Stolberg: Stadtrat berät über veränderte Friedhofssatzung

Friedhöfe — Orte der Trauer und Besinnung, Orte mit Erholungsfunktion und Orte, die Kosten verursachen. Seit 2013 wählt die Kupferstadt den Weg, die Bestattungs- und Nutzungsentgelte in etwa auf dem Stand des Jahres 2010 einzufrieren, um einem Bestattungstourismus aufgrund steigender Kosten zu begegnen.

Etwa eine halbe Million Euro aus allgemeinen Haushaltsmitteln lässt sich das die Stadt kosten, die sich immerhin 16 Friedhöfe leistet. Auf einem, dem jüngsten an der Buschmühle, werden aus hydrologischen und Kosten-Gründen keine neuen Bestattungen mehr vorgenommen. Aufgrund anstehenden Wassers sind auch die Friedhöfe Atsch, Büsbach, Donnerberg und Münsterbusch für Erdbestattungen tabu, was auch weiterhin der Fall sein soll. Gleichwohl geht die Pflege der Anlagen ins Geld.

Einen weiteren Schritt, den finanziellen Aufwand für das Bestattungswesen in Grenzen zu halten, soll der Stadtrat auf seiner Sitzung am 12. September mit der Überarbeitung der Friedhofssatzung vornehmen. Das Bestattungswesen ist in der Kupferstadt ein so sensibles Thema, dass es vor der Beschlussfassung auf öffentlicher Ratssitzung in einem kleinen Arbeitskreis aus Mitgliedern von Verwaltung und Fraktionen intern vorbesprochen wird. Die Ruhe der Toten soll nicht zu einem politischen Auseinandersetzung führen.

Berücksichtigt werden nun neue gesetzliche Vorgaben ebenso wie aktuelle Erfahrungen. So soll nun weniger Friedhofsfläche bewirtschaftet werden. „Durch den seit Jahren anhalten Trend zur Urnenbestattung ist der Flächenverbrauch rückläufig“, sagt Tobias Röhm. Fast 90 Prozent aller Bestattungen sind Urnenbeisetzungen, so der Technische Beigeordnete.

Dort, wo es sinnvoll machbar erscheint, sollen frei werdende Flächen zusammengefasst und lediglich noch parkähnlich angelegt werden. „Das verursacht einen geringeren Aufwand als bei einer pflegeintensiven Friedhofsnutzung“, sagt Röhm. Auf dem Friedhof Bergstraße ist dies bereits vor sieben Jahren geschehen. Dies soll dort nun ausgeweitet werden und zudem auf den Friedhöfen Atsch (die südlichen Flure an der Hammstraße), Büsbach (der gesamte westliche Bereich zum Tiefental hin) und Münsterbusch (alle Flurstücke östlich des Pfarrer-Werr-Wegs) praktiziert werden.

Zudem wird Angehörigen ein neues Bestattungsmodell unterbreitet: Urnengemeinschaftsanlagen — ein Friedgarten, bei dem das Beisetzungsfeld von einer Stele dominiert wird. Auf dieser werden Steinplatten befestigt, welche eine Gravur mit Namen, Geburts- und Sterbejahr oder Namen oder keinen Hinweis des dort beigesetzten Verstorbenen aufweisen. Angedacht ist eine Umsetzung auf dem überdimensionierten Breiniger Friedhof. Das Nutzungsrecht soll zunächst auf 2200 Euro festgesetzt werden.

Zusätzlich zum Friedhof Bergstraße sollen nun auch in Gressenich muslimische Grabstätten sowohl als Reihen- wie auch als Wahlgräber angeboten werden. Eingearbeitet werden soll in die Satzung eine eindeutige Regelung, laut der Umbettungen anonym bestatteter Verstorbener zum Schutz seines letzten Willens nicht mehr zulässig sind. Aufgehoben werden nun auch offiziell die Bestattungsbezirke, so dass die seit Jahren praktizierte freie Friedhofswahl in der Satzung verankert wird, die zudem redaktionell überarbeitet wurde.

(-jül-)
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