Exponate der Stadt Stolberg: Stadtarchivar führt Besucher durch die Bestände im alten Rathaus

Exponate der Stadt Stolberg: Stadtarchivar führt Besucher durch die Bestände im alten Rathaus

Stadtarchivar Christian Altena möchte Transparenz herstellen. Das heißt, dass die Bestände des im Alten Rathaus untergebrachten Kommunalarchiv einem interessierten Besucherkreis zugänglich gemacht werden.Dazu hatte Altena kürzlich eine Besuchergruppe zu einem Rundgang durch das Archiv eingeladen.

Der Rundgang begann im Erdgeschoss des Alten Rathauses, wo der Historiker seine Gäste im Archivbüro und Leseraum in einfache Konservierungs- und Erhaltungsmaßnahmen historischer Dokumente einführte. Denn bevor die für die dauerhafte Aufbewahrung vorgesehenen Dokumente in eine Archivmappe umgebettet werden, müssen sie von Metallen, Kunststoffen und anderen Fremdmaterialien befreit werden. Schließlich können Büroklammern rosten und Plastikfolien den Schriftstücken und Fotos nachhaltige und nicht mehr reparable Schäden zuführen.

Diese Demonstration, die Altena anhand einiger in seinem Büro bereitgelegter Materialien und Schriftstücke vorführte, vermittelte den Besuchern auch Tipps für die Aufbewahrung eigener historischer Dokumente. Schließlich besitzen viele Familien historische Unterlagen, die für die Familiengeschichte von großem Interesse sind und den Nachfahren bzw. der Nachwelt erhalten bleiben sollten.

Diese Vorführung nutzten einige Besucher auch für Fragen. So wollte eine Besucherin wissen, ob es sinnvoll sei, alte Unterlagen zu laminieren. Diese Frage beantwortete der Historiker mit einem klaren Nein. „Laminieren erscheint kurzfristig als guter Schutz. Es zerstört aber mittelfristig das Dokument und ist unumkehrbar. Deshalb: Niemals Laminieren“, so der Stadtarchivar.

In Kürze erläuterte Altena die Forschungsmöglichkeiten des Stadtarchivs. „Es gibt noch viele Geschichten zu erforschen und zu erzählen!“; betonte der Archivar und lud ein: „Kommen Sie und forschen Sie!“ Mit einem Fingerzeig auf die Archivbibliothek ergänzte er: „Zwischen jedem dieser Bücher fehlen mindestens fünf weitere, die über Stolberger Geschichte noch geschrieben werden können“. Wie man sehen konnte, sind die Forschungspotentiale nicht erschöpft, dafür aber auch durch besonders gute Quellenlage, gerade auch für die NS-Zeit, sehr gut.

Mit den Worten: „Jetzt gehen wir in die Schatzkammer“, führte Altena die Besucher in das Kellergeschoss des Altbaues, wo sich das Magazin des Stadtarchivs befindet. Dort entnahm der Historiker den vielen, in langen Reihen stehenden Regalen, einige für die Geschichte der Kupferstadt Stolberg wichtige Stücke und Exponate, um sie vorzuführen und zu erläutern. So unter anderem das Steuerregister der Unterherrschaft Stolberg von 1666, das neben einem älteren kirchlichen Geburtsverzeichnis von 1664 das älteste Stück des Stadtarchivs ist. Und so versuchten sich die Besucher ein wenig darin, die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kurrentschrift zu entziffern. Schließlich enthält das dicke, in Leder eingebundene Buch, Informationen über die Steuerabgaben und Besitztümer der damaligen Kupfermeister. „Ein Schatz“, wie Altena erklärte, „den ich gerne umfassend wissenschaftlich auswerten würde“.

Umfangreiche Zeitungssammlung

Außerdem bekamen die Besucher die umfangreiche Zeitungssammlung und einige der seit dem späten 19. Jahrhundert entstandenen Bauakten zu sehen, wo man einen Blick auf die als Blaupause erstellten Architekturzeichnungen werfen konnte. Aufbewahrt werden im Stadtarchiv auch Dokumente aus der laufenden und vergangenen Verwaltungsarbeit. So unter anderem auch die Protokollbücher aus der Arbeit des Stadtrates. Mit Erstaunen nahmen die Besucher das eher dünne Protokollbuch zur Kenntnis, das die Arbeit des Stadtrates in der Zeit von 1934 bis 1944 dokumentiert. „Demokratische Mitbestimmung war ausgeschaltet. Der Stadtrat konnte nur noch das absegnen, was zuvor in einem so genannten Beschlussausschuss geregelt worden war“, versicherte Altena.

Als Abschluss seiner Führung zeigte der Historiker den Besuchern Pläne, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden sind. Dazu gehörte auch eine aquarellierte Zeichnung einer Neubaugruppe von 1911 am Moritz-Kraus-Platz in der Klatterstraße. Die Detailtreue dieser Zeichnung fand die Bewunderung der Besucher.

Wissensdurstige Gäste

Die Gäste erwiesen sich als sehr wissensdurstig und hoch motiviert. Immer wieder musste der Historiker, dem das Interesse seiner Gäste sichtlich Spaß machte, Fragen zu den präsentierten Materialien und Unterlagen, aber auch Themen wie Digitalisierung oder Notfallmaßnahmen beantworten. Und so passierte es, dass mit rund zwei Stunden der Rundhang länger dauerte als vorgesehen. Das war dem Publikum mehr als willkommen, da man für die Informationen und auch ausdrücklich für die erstmalige Sonntagsführung sehr dankbar war.

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