Archivale des Monats Januar: Stadt der Kupferhöfe und auch Stadt der Wassermühlen

Archivale des Monats Januar : Stadt der Kupferhöfe und auch Stadt der Wassermühlen

In der Archivale des Monats Januar geht es diesmal um die Mückenplage am Scharter Weiher. Der war damals ein „sumpfartiges Terrain“.

Ämterweise stellt das Stadtarchiv Stolberg in diesem Jahr Archivalien vor, die aus den unterschiedlichen Ämtern und Abteilungen der Kommunalverwaltung überliefert sind. Das amtliche Schriftgut stellt den Kernbestand öffentlicher Archive dar und bildet somit den Hauptteil archivischer Überlieferung und historischer Forschung. Bauliche Aufgaben im Erdreich – also Brücken, Straßen, künstliche Gewässer, Kanäle und die zugehörigen technischen Einrichtungen – fallen in die Zuständigkeit des Tiefbauamtes, heute die Abteilungen 65.2 und 65.3 im technischen Dezernat.

Das damalige „Stadtbauamt“ führte die Akte „Klage Spar- & Bauverein betr. Scharter Weiher“ von 1905 bis 1907 (Akte ST 106). Dieser Weiher erstreckte sich auf einer Länge von etwa 250 Metern am südlichen Rand der Altstadt. Beginnend am Hammerberg, Höhe der Dalli-Werke, bis zum Kindergarten „Zauberkiste“. Als Stadt der Kupferhöfe war Stolberg auch eine Stadt der Wassermühlen, Wassergräben und Weiher. Der Scharter Weiher war ein Wasserreservoir für die Scharter Mühle gegenüber dem Kupferhof Schart gelegen. Mühle und Weiher existieren heute nicht mehr. Der Hof war zwischenzeitlich städtisches Eigentum und als Schule genutzt, das Weihergelände hatte einige Jahre zuvor der Spar- und Bauverein (heute WOGE Wohnungsgenossenschaft 1900 eG) erworben. Dieser war 1900 gegründet worden zur Beschaffung von Wohnungen für unbemittelte Familien, konnte aber das Areal nicht bebauen, da der moorige Untergrund ungeeignet war.

1906 hatte die Stadtverwaltung verfügt, der Weiher sei aus hygienischen Gründen zuzuschütten. Eine Mückenplage im Sommer veranlasste Geheimmedizinalrat Dr. Schmitz zu einer Begehung mit dem Stolberger Architekten Carl Peltzer. Als Anlieger der nahen Zweifaller Straße hatten er und Nachbar Fabrikdirektor Alexander Schippan kurz zuvor in einer Mitteilung festgestellt, der Weiher sei nunmehr ein „sumpfartiges Terrain“. Dr. Schmitz bestätigte dies: nach Regenfällen bildeten sich Sümpfe, im Winter werde das gefrorene Gewässer „vom Publikum zum Eislaufen benutzt“. Weiter heißt es, „am Besichtigungstag [27. Dezember 1905] herrschte warmer Sonnenschein. Trotz des bestehenden Winters tanzten und flogen […] eine Anzahl Mücken“, darunter „größere mit ausgebreiteten Flügeln, circa zwei Zentimeter messende, langbeinige Insekten“.

Das Phänomen der Mücken(plage) war in Stolberg übrigens nicht neu: Johann Wilhelm Meigen (1764 bis 1845) hatte erste wissenschaftliche Studien der Insektenkunde in Stolberg bereits hundert Jahre zuvor angestellt. 1818 beschrieb er erstmals die Anopheles-Mücke wissenschaftlich, die 1897 als Krankheitsüberträger von Malaria und Gelbfieber identifiziert wurde. Als Bewohner der Altstadt kannte er die Tierchen aus dem nahen Gewässer gut.

Und viele weitere Weiher existierten: Bastinsweiher, Bierweider Weiher, am Prattelsack und an vielen alten Kupferhöfen zwischen Atscher Mühle und Bernhardshammer. Das 19. Jahrhundert war geprägt von entsprechenden Präventionsmaßnahmen. Weiher und Gräben wurden entschlammt und wiederholt musste die Bevölkerung ermahnt werden, Abfälle und Abwässer nicht in die Weiher zu geben. Zu oft fanden Haushalts- und Grünabfälle den Weg in die Gewässer. Gefährlich wurde dies allein dadurch, dass zahlreiche oberflächennahe Brunnen im Stadtgebiet für die Trinkwasserversorgung genutzt wurden. Befragungen der Bevölkerung durch Dr. Schmitz ergaben, dass „Mücken im Sommer in jener Gegend immer beobachtet worden sind, dass sich aber die Zahl in der Nähe des Scharter Weihers vermehrt hat.“ Schließlich konnte die Ursache aber im Weiher nicht eindeutig geklärt werden, da auch das Bahnhofsgelände Hammer sowie die Vicht selbst in Betracht kamen und der Spar- und Bauverein als Eigentümer geklagt hatte gegen die Zuschüttung.

1907 wurde die Verfügung und damit die Klage der Eigentümer zurückgenommen. Einige Jahre später wurde das verlandende Gewässer dennoch planiert beziehungsweise wich teils einer Verlegung des Vichtbaches. Planierung und Überbauung war Schicksal der meisten Weiher des Stadtgebietes, nicht nur der Innenstadt, sondern beispielsweise auch in Mausbach und Büsbach.

Das Stolberger Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und darüber hinaus auch als „Gedächtnis der Stadt“ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Historische Unterlagen aus allen Stadtteilen stehen dort interessierten Bürgern für Forschung, Wissenschaft und Bildungsarbeit zur Verfügung.