Stolberg: Sprachförderung soll Flüchtlingskindern Einstieg erleichtern

Stolberg: Sprachförderung soll Flüchtlingskindern Einstieg erleichtern

Die Grundschule Hermannstraße soll bei der Sprachförderung für Flüchtlingskinder eine Vorreiterrolle übernehmen. Die Städteregion Aachen wird sie deshalb als eine von insgesamt drei Einrichtungen zur Pilotschule machen.

Ab dem 1. März und im Zuge der Erprobungsphase zunächst einmal bis zu den Herbstferien 2015 werden sogenannte Seiteneinsteiger dann tageweise eine Sprachfördergruppe besuchen. Mit dieser besonderen Unterstützung soll den Erst- bis Viertklässlern ermöglicht werden, schrittweise den Übergang in den Regelunterricht zu schaffen.

Das Pilotprojekt, an dem auch die Anna-Schule und die Grundschule Beeckstraße in Aachen beteiligt sind, resultiert aus den Beratungen, die die Städteregion mit Vertretern der Jugendhilfe, der Schulaufsicht und dem Kommunalen Integrationszentrum geführt hat. Letztgenanntes entscheidet auch über die Zuweisung an die drei Pilotschulen, wobei die Wohnortnähe erste Priorität haben soll.

Damit ist auch schon das erste Argument genannt, das für die Hermannschule spricht, schließlich ist ein Großteil der Flüchtlingsfamilien in Stolberg im Bereich der Innenstadt untergebracht. Aber es gibt noch weitere gute Gründe für die Wahl. Die „Internationale Begegnungsschule“ hat sich als eben solche in den vergangenen Jahren über die Stadtgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf erworben. Und sie kann mit ihren derzeit 225 Kindern aus 26 Herkunftsländern auf eine in vielen Bereichen sehr gelungene soziale und pädagogische Integrationsarbeit verweisen.

Entsprechend entspannt blickt Renate Krickel dem Start des Pilotprojektes entgegen. „Für uns ist das überhaupt nicht neu. Wir haben bereits im vergangenen Schuljahr acht Seiteneinsteiger aufgenommen und sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht.“ Die Schulleiterin hält nichts davon, die Aufnahme von Flüchtlingskindern reflexartig zu problematisieren. „Wir haben es oft mit hoch begabten und hoch motivierten Schülern zu tun, die sich sehr gut einfinden und zügig Fortschritte machen.“

Und um diese Aussage zu untermauern, erzählt die Leiterin von der zehnjährigen Olga (Name geändert), die 2014 zur Hermannschule kam und kein Wort Deutsch sprach. „Sie haben wir jetzt ans Gymnasium empfohlen.“

Das ist, räumt Renate Krickel ein, natürlich nicht immer der Maßstab. Und das soll auch nicht der Anspruch an die Sprachfördergruppe sein. „Ich warne vor überzogenen Erwartungen“, so Krickel. „In der Sprachfördergruppe geht es darum, den Kindern eine grundlegende Kommunikationsfähigkeit zu vermitteln und sie in die Lage zu versetzen, am Regelunterricht teilzunehmen. Die Kinder werden sicherlich nicht in kurzer Zeit ein perfektes Deutsch lernen können.“ Zumal der Aufenthalt in der Sprachfördergruppe auf sechs Monate begrenzt werden soll.

Nach den Plänen der Städteregion bietet die Gruppe in der Erprobungsphase 16 Plätze für Mädchen und Jungen im Grundschulalter an, die im Stadtgebiet Stolberg wohnen. Unterrichtet wird jahrgangsübergreifend. Dafür werden jeweils eine halbe Stelle für den Unterricht und für die Fachberatung zur Verfügung gestellt.

Bleibt die Frage, wie es im Herbst weitergehen könnte. Zwar spricht Robert Voigtsberger von einem „wichtigen Schritt auf dem Weg der Beschulung von Seiteneinsteigerkindern im Primarbereich“. Doch dem vereinbarten weiteren Prozedere will der zuständige Stolberger Beigeordnete nicht vorgreifen.

Renate Krickel jedenfalls ist guter Dinge, dass das Pilotprojekt ein Erfolgsmodell werden kann. Und dass die Sprachfördergruppe auch nach den Herbstferien weiterbestehen wird.

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