1. Lokales
  2. Stolberg

Stolberg: Sportstätten auf dem Prüfstand

Stolberg : Sportstätten auf dem Prüfstand

Eine Entscheidung zur Beteiligung an den Bewirtschaftungskosten der städtischen Sporteinrichtungen werden die Vereine in diesem Jahr nicht unter dem Weihnachtsbaum finden.

Derzeit ist die Verwaltung wieder am Zug, sich Gedanken zu Details einer Umsetzung zu machen, während die politischen Standpunkte im Rat weiterhin auseinander liegen.

„Wir haben die Verwaltung gebeten, sich Gedanken zu den Anregungen der Vereine zu machen”, bezieht sich Jürgen Kleinen auf das Gespräch, das die CDU-Fraktion mit dem Stadtsportverband und seinen Mitgliedern geführt hat. Einerseits sei den Vereinen eine aktualisierte Berechnungsgrundlage zugegangen; andererseits werde geprüft, wie die unterschiedlichen Strukturen gerecht geregelt werden können.

„Wenn ein Verein etwa in eine neue Heizungsanlage investiert, muss das ebenso Berücksichtigung finden wie das unterschiedliche Alter von Gebäuden und Heizungsanlagen”, erläutert der CDU-Fraktionsvorsitzende. Über solche Details werde auch mit den Vereinen wieder gesprochen, wenn die Verwaltung konkrete Aussagen vorgelegt habe.

Das bedeute aber nicht, dass die Fraktion vom Haushaltssicherungskonzept abrücken werde. Die Beteiligung an den Bewirtschaftungskosten (Energie, Wasser, Abwasser, aber keine Sanierungskosten) in Höhe von 25 Prozent mache lediglich „ein Viertel von einem bestimmbaren Anteil” aus . Die Berechnungsbasis von rund 600000 Euro sei nur ein Bruchteil der tatsächlich enstehenden Kosten, die weit über 2 Millionen Euro liegen.

„Wir mussten jetzt die Steuersätze anheben und in allen Bereichen wird gespart. Es kann nicht ein Teil der Nutzer städtischer Einrichtungen außen vor bleiben”, setzt Kleinen auf Gleichberechtigung. „Wenn ich zu Hause dusche, muss ich das zu 100 Prozent bezahlen”, halte es die CDU für eine angemessene Beteiligung, dass Erwachsene 25 Prozent der Kosten übernehmen, wenn sie in der Sporthalle duschen.

Ausgleich und Jugendförderung sei die Pro-Kopf-Ausschüttung von einem Drittel der Einnahmen an alle Vereine mit Jugendlichen. Damit solle sichergestellt werden, dass Jugendliche nicht in dem Maß zu Kosten herangezogen werden wie Erwachsene.

Gänzlich anders wertet die SPD die Lage. „Das von der CDU beschlossene Haushaltssicherungskonzept sieht eine Reduzierung der Kosten im Sportbereich durch eine Sportsteuer in Form einer Kopfpauschale vor”, erklärt Hildegard Nießen. Diese Vorgehensweise lehne die SPD-Fraktion heute wie auch in der Vergangenheit ab. Aber „auch wir sehen die Notwendigkeit in allen Bereichen über Kosteneinsparungen nachzudenken”, grenzt Nießen ab: „Aber nicht wie von der CDU geplant auf dem Rücken der Sportvereine”.

Es gebe jedoch mit Sicherheit Möglichkeiten. „Hierzu muss zuerst die Ausgangslage bekannt sein”, nennt die Fraktionsvorsitzende Beispiele. „Jede Turnhalle, jedes Sportheim und jeder Sportplatz hat andere Voraussetzungen in Bezug auf Unterhaltung, Energiekostenaufwand oder Reinigung”. So gebe es Sportheime mit 30 Jahre alten Heizungen und ohne Thermopane-Glas. „Wie soll der Nutzer einer solchen Halle sparen?”

„Nach einer fachgerechten Bestandsaufnahme müssen in vertrauensvollen Gespräche mit den Vereinen individuelle kostensenkende Maßnahmen erarbeitet werden”, ist die SPD „gegebenenfalls auch zu notwendigen Investitionen bereit”, die einen langfristigen Spareffekt mit sich bringen würden. „Bei Erreichung der Einsparpotenziale kommt dann die Einsparsumme sowohl der Stadt als auch den Vereinen zugute”, verwiest die Landtagsabgeordnete beispielhaft auf das Bonusmodell, dass sich in Herzogenrath bewähre.

Dort wurden jüngst 50 Prozent der erzielten Energieeinsparungen in Schulen an die Einrichtungen überreicht, während die andere Hälfte ins Stadtsäckel wanderte.

Derweil diskutieren Bündnis 90 / Die Grünen noch über eine Linie in Sachen Bewirtschaftungskosten. „Es ist ein schwieriges Thema, bei dem es gilt, die jeweiligen Besonderheiten zu berücksichtigen”, erklärte Rita Bürger.

„Sparen ist bitter, aber bitter nötig”, sieht sich dagegen die FDP in die Pflicht des gegen ihre Stimmen verabschiedeten Haushaltssicherungskonzeptes genommen. „Wenn Stolberg die genehmigten Korridore nicht einhält, wird die Kommunalaufsicht den Hahn ganz zudrehen”, erklärte Bernd Engelhardt.

Hätte man früher auf die Forderungen der Liberalen zum Sparen gehört, wären heute die Einschnitte nicht so gravierend. „Wir werden um die Beteilugung an den Bewirtschaftungskosten nicht herumkommen”, sieht der Fraktionsvorsitzende eine verfehlte Finanzpolitik der CDU mit einem bewusst nicht genehmigungsfähigen Haushalt als eigentliche Ursache.