Stolberg: Sportler sollen die alte Kluft überwinden

Stolberg: Sportler sollen die alte Kluft überwinden

Der Auftakt der Mission war erfolgsversprechend: Als Günter Poick jetzt die Sportvereine, die das Stadion Glashütter derzeit nutzen oder in Zukunft nutzen möchten, zu einem Treffen eingeladen hatte, wurde am Ende folgender denkwürdige Satz als Fazit ausgesprochen: „Endlich mal kein Streit.”

Das ist doch schon mal etwas angesichts des zerrütteten Verhältnisses zwischen Fußballern und Leichtathleten, das so niemand bestätigen will und von dem doch viele in Stolberg wissen.

Poick hat keine offizielle Funktion, darauf legt er Wert, lässt sich aber die Bezeichnung „Koordinator” gefallen. Als solcher versucht er, die Mitglieder der verschiedenen Vereine mit ihren unterschiedlichen Interessen nicht nur an einen Tisch, sondern auch auf eine Linie zu bringen. Denn eins steht für den 80-Jährigen fest: „Nur wenn wir uns als Sportler einig sind, haben wir eine Chance, bessere Rahmenbedingungen in Stolberg zu erreichen.” Das Ziel seiner Bemühungen hat er entsprechend formuliert: „Wenn ich mit meinem Einsatz erreiche, dass die Kluft zwischen den Sportarten und den Vereinen überwunden wird, habe ich meinen Auftrag erfüllt.”

Zwei Klubs weisen aus seiner Sicht den richtigen Weg: „Der Zusammenschluss von SC Münsterbusch und FC Stolberg ist beschlossene Sache und wird umgesetzt, sobald die Stadt bestimmte Anforderungen erfüllt.” Diese wiederum liegen aus Sicht der fusionswilligen Klubs in der Bereitstellung einer zeitgemäßen Sportanlage. Will heißen: Das Stadion Glashütter Weiher soll modernisiert werden. Und nicht nur das: Einigkeit, so Poick, müsse auch über die eventuelle Hinzunahme eines weiteren Sportvereins erzielt werden. Und nicht zuletzt müsse es gelingen, einen Konsens zur Nutzung der Anlage zwischen Fußballern und Leichtathleten zu finden.

Der Koordinator, den man vielleicht doch besser Vermittler nennen sollte, genießt in jedem Fall ein hohes Ansehen auf beiden Seiten. 65 Jahre Mitgliedschaft im SV Stolberg (jetzt FC Stolberg) und sogar 69 Jahre Zugehörigkeit zur Stolberger TG lassen keine Zweifel an seiner Neutralität aufkommen.

In einer solch anerkannten Stellung kann man es sich auch erlauben, unbequeme Dinge an- und auszusprechen. „Alle Beteiligten werden Kompromisse schließen müssen”, erklärt das Stolberger Urgestein und fügt hinzu: „Es wird viel weniger Geld in die Sportstätten fließen als mancher Sportler sich das im Moment noch vorstellt.”

Auch deshalb will Günter Poick, und hier wird er wieder sehr deutlich, nicht von der Idee ablassen, dass die Außenanlage des Goethe-Gymnasiums von den Vertretern der technischen Leichtathletik-Disziplinen genutzt werden darf. „Angesichts der leeren Kassen wäre es doch widersinnig, ein solch schönes und geeignetes Gelände außer Acht zu lassen.” Den Hinweis der Stadtverwaltung, der Bebauungsplan lasse lediglich eine schulische Nutzung zu, weist der ehemalige Kreisverwaltungsdirektor zurück: „Dann müssen wir den Bebauungsplan eben ändern und mit Ausnahmeregelungen versehen.”

Diese Forderung will der Koordinator auch am 5. November vorbringen, wenn die große Koalition aus SPD und CDU die Vereinsvertreter zum Gespräch empfängt. „Bis dahin brauchen wir dringend eine Einigung unter den Klubs”, steht für Poick fest. Und noch etwas hat er diesen beim gemeinsamen Treffen als Hausaufgabe mit auf den Weg gegeben: „Fußballer und Leichtathleten müssen der Politik genau sagen, was sie wollen und brauchen. Dazu bedarf es eines klaren Konzeptes.”

Trotz der Finanzprobleme biete die aktuelle politische Koalition mit ihrer breiten Mehrheit die große Chance, etwas in Stolberg zu bewirken. „Dafür muss es aber Zielformulierungen der Vereine geben.” Ein Kunstrasenplatz im Stadion beispielsweise gehöre zweifellos dazu, „und auch eine Tartanbahn für die Leichtathleten muss auf die Liste”. Was dann letztlich wann realisiert werden könne, müsse mit den Fraktionen abgeklärt werden und hänge auch von den Eigenleistungen ab, die die Sportler einbringen können.

Neue Vereinsstrukturen, neue Sportstätten: Günter Poick sieht darin die beiden Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft. „Es wird immer schwieriger, Helfer für die Vorstände zu finden. Und den Vereinen laufen die Jugendlichen weg, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Der FC Stolberg liefert da das beste Beispiel.”

Nach den Herbstferien wollen sich die Vereinsvertreter wieder zusammensetzen. Dann sollen erste konkrete Resultate erzielt werden - ganz ohne Streit.

Forum unserer Zeitung am 18. Oktober in Büsbach

Wie es um die Sportstätten im Stadtgebiet und die Zukunft der Stolberger Vereine bestellt ist, wird auch Thema des Forums sein, das unsere Zeitung am Donnerstag nächster Woche, 18. Oktober, im Saal von Angies Bistro in Büsbach (Konrad-Adenauer-Straße 140) veranstaltet.

Ab 18.30 Uhr werden Vertreter aus Politik, Verwaltung und Vereinen zunächst im Gespräch mit unserer Redaktion und danach in der Diskussion mit dem Publikum Stellung beziehen.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.