Spieltag der Blindenfußball-Bundesliga im Mai in Stolberg

Sport: Kaiserplatz verwandelt sich in ein Stadion

Ein Spieltag der Blindenfußball-Bundesliga findet im Mai in Stolberg statt. Teams aus ganz Deutschland werden dann auf dem Kaiserplatz gegeneinander kicken.

Es ist ein Moment, der Fußballspieler Serdal Celebi wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Er spielt den Ball über die rechte Seite des Feldes, setzt mit dem linken Fuß zum Schuss an und der Ball fliegt in den linken Torwinkel. Jubel bricht aus. Wenige Woche später wird sein Treffer in der ARD-„Sportschau“ zum Tor des Monats gekürt. Das Besondere: Serdal Celebi ist Blindenfußballspieler und spielt beim FC St. Pauli. Im Rahmen des ersten Spieltags der neuen Saison werden die Teams der Blindenfußball-Bundesliga auch nach Stolberg kommen. Am Samstag, 11. Mai, soll der Kaiserplatz sich dann in ein großes Stadion verwandeln und es warten noch weitere Überraschungen auf die Besucher.

Seit 2008

Zum Hintergrund: Der Blindenfußball zählt zu den jungen Sportarten. Seinen Ursprung hat er in Brasilien. In Südamerika, England und Spanien wird er teilweise schon seit den 1960er Jahren gespielt. Weltmeisterschaften gibt es seit 1998. Sie finden alle zwei Jahre statt. Erst im Jahr 2006 kam die Sportart auch nach Deutschland. Im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft fand damals in Berlin das erste große internationale Turnier in Deutschland statt: der International Blind Challenge Cup (IBCC).

Die Blindenfußball-Bundesliga gibt es mittlerweile seit 2008. Sie wurde von der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes, vom Deutschen Behindertensportverband und vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband ins Leben gerufen und ist einzigartig in Europa. Damals trug man die Spiele noch in Sportschulen oder auf regionalen Fußballplätzen aus. Was zur Folge hatte, dass nur wenige Zuschauer kamen.

Seit 2011 ist die Bundesliga anders organisiert. Im Rahmen des Leitspruchs „Mit Fußball in die Mitte der Gesellschaft“ haben sich die Verantwortlichen vorgenommen, den Blindenfußball zu den Menschen zu bringen. Heute finden so genannte Stadtspieltage – zum Auftakt und zum Ende der Saison – statt. Für den Auftaktspieltag hat sich unter anderem auch Stolberg beworben – und den Zuschlag erhalten.

„Für Stolberg als Heimatstadt von Egidius Braun ist es natürlich eine große Ehre, dass wir dieses sportliche Highlight ausrichten dürfen“, sagt Robert Voigtsberger. Der Erste Beigeordnete war vor seiner Tätigkeit im Stolberger Rathaus stellvertretender Sportdirektor des Deutschen Behindertensportverbandes/ Nationalen Paralympischen Komitees und kennt sich mit dem Blindenfußball bestens aus. Er verspricht: „Der Blindenfußball bringt alles mit, was uns beim sehenden Fußball auch begeistert. Es gibt Zweikämpfe und auch Tore. Er ist eine sehr dynamische Sportart. Vor allem zeigt er, zu welchen sportlichen Leistungen Menschen mit Behinderung fähig sind.“ Doch nicht nur die Dynamik des Sports hebt Voigtsberger hervor, sondern er spricht von einer spannenden und mitreißenden Sportart. „Der Blindenfußball bringt die gesamte Freude und den Spaß mit, den man aus dem Fußball kennt“, sagt er.

Am 11. Mai soll sich der Stolberger Kaiserplatz in ein Fußball-Stadion verwandeln. Dann wird der Spieltag der Blindenfußball-Bundesliga in Stolberg ausgetragen. Foto: ZVA/Sonja Essers

Unterschiede zum bekannten Fußball gibt es dennoch. Gespielt wird mit einem Rasselball auf einem 40 mal 20 Meter großen Kunstrasenspielfeld. Es spielen jeweils vier Feldspieler und ein sehender Torwart gegeneinander. Durch Zurufe untereinander sowie von außen durch sogenannte Guides orientieren sich die Spieler auf dem Spielfeld.

Die Spielregeln: Die Spielzeit beträgt zwei Mal 20 Minuten mit einer zehnminütigen Pause. Jedem Team steht pro Halbzeit eine Auszeit von einer Minute zur Verfügung. Gemessen wird nur die effektive Spielzeit. Jeder gegnerische Spieler, der sich dem ballführenden Spieler nähert, muss „Voy“ rufen. Bleibt dieser Ruf aus, wird dies als Foul geahndet. Der Ausdruck „Voy“ stammt aus dem Spanischen und bedeutet übersetzt „Ich komme“.

Die Torhüter der Teams, die Trainer und Guides dürfen Anweisungen geben – allerdings nur in fest definierten Zonen. Werden diese Zonen nicht eingehalten, kann dies als Teamfoul gewertet werden. Zu den persönlichen Fouls zählen Grätschen, Nachtreten, Handspiel, das fehlende „Voy“, zu aggressive „Foy“-Rufe oder das zu weite Ausstrecken der Hände. Nach dem fünften persönlichen Foul eines Spielers muss dieser das Feld verlassen, darf allerdings ersetzt werden. Alle persönlichen Fouls werden auch in der Teamfoulwertung zusammengefasst. Ab dem sechsten Teamfoul gibt es einen Acht-Meter-Freistoß. In der Halbzeit eines Spiels wird die Teamfoulwertung wieder auf Null zurückgesetzt.

Unbegrenzt oft auswechseln

Bis die Teamfoulgrenze von sechs Teamfouls innerhalb einer Halbzeit erreicht ist, gibt es nach jedem persönlichen Foul einen Freistoß. Ab dem sechsten Teamfoul gibt es für jedes weitere Foul einen Freistoß aus acht Metern Entfernung. Einen Strafstoß aus sechs Metern Entfernung gibt es bei Fouls innerhalb des Strafraumes, bei Berührung des Balls außerhalb des Zwei-Meter-Raumes durch den Torwart oder wenn dieser den Torraum während eines Angriffs verlässt. Während eines Spiels darf zudem unbegrenzt oft ausgewechselt werden.

Da die Spieler meist unterschiedliche Sehbehinderungsklassen mitbringen, müssen alle so genannte Eye Pads tragen und eine Dunkelbrille aufsetzen. Zudem tragen die Sportler einen Kopfschutz, der sie vor Zusammenstößen schützen soll.

Regeln müssen auch die Besucher beachten. So gilt beispielsweise, dass während der Spielzüge Ruhe herrschen muss – ähnlich wie beim Tennis –, damit die Spieler die Anweisungen und den Ball hören. Bei Torschüssen sei Jubel natürlich nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht, sagt Robert Voigtsberger.

Kunstrasen und Tribüne

Am Samstag, 11. Mai, soll sich der gesamte Kaiserplatz in ein Fußballstadion verwandeln – Kunstrasenplatz inklusive. Und damit nicht genug. Eine Tribüne und Ausstellungsflächen, die Informationen rund um den Behindertensport anbieten, soll es ebenfalls geben. Zudem sollen die Besucher selbst ausprobieren können, wie es sich anfühlt, blind Fußball zu spielen. Und auch die Stolberger Fußballvereine sollen eingebunden werden. Wie dies geschehen könne, sei derzeit in der Überlegung. Mit der Ausrichtung der Blindenfußball-Bundesliga werde Stolberg von den Besuchern auch sicherlich als Sportstadt wahrgenommen, ist sich Robert Voigtsberger sicher.

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