SPD Stolberg wählt einstimmig Patrick Haas zum Bürgermeisterkandidaten

Genossen in Kampfeslaune : Der Leistungssportler, der bei der Wahl in Stolberg gewinnen will

Spätestens, als der rhythmische Beifall der Genossen nach seiner Rede in Standing Ovations übergeht, ist die letzte Nervosität bei Patrick Haas gewichen.

Die Siegerpose will zwar noch nicht so recht rüberkommen, aber das strahlende Lächeln des 37-Jährigen verrät: Jetzt ist er auf dem Weg.

Stolbergs Sozialdemokraten stehen geschlossen hinter ihrem Bürgermeisterkandidaten. Wenig später wird er mit allen Stimmen der 32 Delegierte aus den drei Ortsvereinen einstimmig zum Bewerber um das kommunale Spitzenamt gewählt. Der Abend soll erst viel später enden, nachdem der offizielle Teil in einem Hauch aus den Rottönen der Kostüme des Showballetts der Wenkbülle und den Songs von „Gabis Kometen“ eine rauschende Krönung erfahren hat.

„Schwarzen Fleck beseitigen“: Eva Voigt Küpper, Jorma Klauss und Arno Nelles versichern Patrick Haas die Unterstützung der Genossen aus der ganzen Region. Foto: Jürgen Lange

Es ist Freitag. Um 19.30 Uhr finden sich rund 80 Genossen in Gut Kranensterz ein. Schnell müssen zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden. Es sind nicht nur die treuen Weggefährten, die immer dabei sind, wenn die älteste Partei Deutschlands ruft. Es sind eine Reihe neuer Mitglieder, die nach der Nominierung von Haas zur SPD gefunden haben. Und es sind viele altbekannte Gesichter wieder dabei, die man länger nicht mehr in dieser Riege gesehen hat. Schnell wird klar, Stolbergs Sozialdemokraten sind in Kampfeslaune.

„I wonder how, I wonder why (Ich wundere mich wie, ich wundere mich warum) ...“, stimmen mit „Lemon Tree“ von Fools Garden die Kometen Gabi Hermes, Caroline Tanghe, Josef Franken und Heinz Zakowski zum Auftakt an. Dann begrüßt MdEP Arndt Kohn („aus dem besonderen Anlass heute mit Fliege“) die Genossen, „unseren zukünftigen Bürgermeister Patrick Haas“, handelt schnell die Formalien ab und verspricht Seite an Seite  in den Wahlkampf zu gehen: um den Bürgermeistersessel für Haas und seinen Sitz im Europaparlament.

Und schon liegen sie ihm zu Füßen: Der Auftritt „seines“ Showballetts war ein Überrraschungsgeschenk von Wenkbülle-Präsident Carsten Nellißen. Foto: Jürgen Lange

Martin Schulz hat sich zwar aus familiären Gründen entschuldigen lassen und einen Wahlkampfauftritt versprochen, berichtet Kohn. MdL Stefan Kämmerling ist bei einem Seminar, Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram im Karneval bei den Blauen Funken, und auch MdB Claudia Moll fehlt. Aber das Würselener Stadtoberhaupt Arno Nelles geht gleich in die Vollen: „Ich sehe Dich im Juni bei der Bürgermeisterkonferenz“; schwärmt Nelles bereits und grenz seine Partei ab. „Die Schwarzen stehen nur für ihr Eigeninteresse“, sagt er und legt die geforderte Neutralität eines Bürgermeisters bewusst beiseite. „Wir Sozialdemokraten vertreten die Interessen der Menschen, die unsere Unterstützung brauchen. Wir sind eine systemrelevante Partei, weil man uns braucht“.

Nur wenig zurückhaltender gibt sich Jorma Klauss: „Wir wollen den schwarzen Fleck beseitigen“; sagt Roetgens Bürgermeister: „Ich habe den Eindruck, du wirst in Stolberg gewinnen“; sagt Klauss zu Haas.

Ein wenig niedrig ist die Decke für den Showtanz schon, aber das Wenkbülle-Ballett meistert die Herausforderung charmant. Foto: Jürgen Lange

Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers sieht sich gar als Glücksbringerin. Zuletzt war sie bei einer Wahlkonferenz in Würselen zu Gast, 2009. „Arno Nelles ist Bürgermeister geworden, und bei Dir wird es auch gut gehen“; verspricht Voigt-Küppers, die ihre Partei bundesweit wieder im Aufwind sieht.

Die Stunde des Martin Peters

Jetzt schlägt die Stunde des Martin Peters. Der Unterbezirksvorsitzende schafft es, dass Patrick Haas noch einmal nach Worten suchen muss: Im sympathisch-lustigen Interview wird der Lebenslauf des Bürgermeisterkandidaten skizziert – getreu seinem Motto „Wir müssen reden“. Privat wie beruflich, politisch, karnevalistisch und sportlich. Vom Beginn der Parteikarriere, als Peters 2007 in der „Muckibude“ seinen Freund zum Engagement bewegt, über die schnelle Karriere bei den Genossen bis zum Bekenntnis, dass schon vor der Kandidatur Grüttemeiers als Städteregionsrat für Haas klar ist, Bürgermeister werden zu wollen.

Das ist für den Trainer der Bundesliga-Judoka von Hertha Wahlheim erst recht eine sportliche Herausforderung. Haas will siegen, wie auf der Judo-Matte so auch an den Wahlurnen. Verlieren hat er zwar „auch gelernt“, aber dass er auf beiden Bühnen siegen kann, hat er bewiesen, sagt Peters und hat eine lange Liste von Beispielen parat: Meisterschaften, Olympia-Stützpunkt, Wahlkreis, und so fort. Haas als Judoka ist Einzelkämpfer und Teamplayer zugleich: „Kannst Du Chef?“, fragt Peters. „Ja, ich kann“, antwortet Haas. Auch weil er als Trainer aus unterschiedlichen Individuen eine geschlossene Mannschaft formen kann. Beim Judo wie „loyal und verlässlich“ im Rathaus.

„Mein Herz als Genosse wiegt schwerer“: Wenkbülle und Jugendfeuerwehrleiter Carsten Nellißen (l.). Foto: Jürgen Lange

Und warum ausgerechnet Patrick Haas als Bürgermeister? „Weil mir Stolberg am Herzen liegt“, sagt Haas. Weil er Ziele hat, Visionen. Weil er etwas bewegen möchte.

Das ist das Stichwort für die Rede des Kandidaten. Klar ist sie ein Appell an die Genossen zur Geschlossenheit, zur intensiven Mitarbeit und ihn durch die Stadt zu tragen. Dann „kann ich diese große Chance“ auch ergreifen. „Bewegen wir Stolberg“ ist sein Motto.

Erste Teilbereiche reißt er an. Die Stadt soll das dritte Jahr finanzieren, damit die letzten drei Jahre in der Kita vor der Einschulung beitragsfrei sind. Das soll „junge Familien entlasten“ und Stolberg „attraktiv für den Zuzug“ machen. Mit dem Integrierten Handlungskonzept will Haas „mindestens 100 Langzeitarbeitslose in Lohn und Brot bringen“, „weitere Quartiersplätze schaffen“ und mit einem Konzept für mehr „sozialen und bezahlbaren Wohnraum“ sorgen. Zum Klimaschutz soll bei Planung und Bau „Radverkehr mit oberster Priorität mitgedacht“ und ein „Verkehrsplaner eingestellt“ werden. Zudem er steht wieder oben auf der Liste der SPD: der „Windpark in der Nähe von Raffelsbrand“. Nicht zu vergessen der Sport: Erstklässler sollen einen Gutschein für eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft in den Sportvereinen erhalten.

Am Anfang fällt die Siegerpose noch etwas schwer, aber bei den Ovationen der Genossen ist klar: Stolbergs Genossen stehen geschlossen hinter Patrick Haas. Foto: Jürgen Lange

Applaus, Jubel, Optimismus – Aufatmen und zwei überdimenionale Torten: Die Stolberger SPD sieht sich gewappnet zum Sturm auf das Bürgermeisterzimmer. Und als „sein“ Showballett tanzt, bekennt Sozialdemokrat, Feuerwehrmann und Wenkbülle-Präsident Carsten Nellißen: „Ich bin zwar auch Leiter der Jugendfeuerwehr, aber mein Herz als Genosse hat die Oberhand.“