Stolberg: Sozialplanung: Stadt kündigt Kurswechsel an

Stolberg: Sozialplanung: Stadt kündigt Kurswechsel an

„Quartiersplanung“ ist wahrlich kein Begriff, von dem sich viele Menschen angesprochen fühlen dürften. Dabei ist das, was sich dahinter verbirgt, sehr wohl ansprechend. Und vielleicht auch bahnbrechend für Stolberg. „Quartiersplanung“ steht am kommenden Dienstag auf der Tagesordnung des Ausschusses für Soziales und Generationengerechtigkeit.

Dann wird die Verwaltung den Fraktionen erstmals umfänglich vorstellen, wie sie die gesellschaftliche Entwicklung einzelner Viertel und auch der gesamten Stadt in Zukunft steuern möchte.

„In der Vergangenheit hat es oftmals Projekte gegeben, die punktuell gewirkt haben. Zum Beispiel die Soziale Stadt Velau. Jetzt aber wollen wir erstmals eine strategische Sozialplanung vornehmen, die auf einem ressortübergreifenden Gesamtkonzept basiert“, kündigt Robert Voigtsberger an.

Für den Ersten Beigeordneten ist dies der Ansatz der Zukunft. „Ich bin überzeugt, dass es in den nächsten Jahren immer wichtiger werden wird, seine Ressourcen zu bündeln und effektiv einzusetzen.“ Dies werde auch zunehmend an Bedeutung gewinnen bei der Vergabe von Fördermitteln.

Die Vorbereitungen laufen schon seit dem vergangenen Jahr. Auf politischer Ebene hatte die SPD-Fraktion den sprichwörtlichen Stein ins Rollen gebracht mit ihrem Antrag zur Beteiligung am Projektaufruf des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie zur Erstellung eines Wohnraumbedarfsplanes für Stolberg. Im März war ein weiterer Antrag zur Quartiersentwicklung auf der Liester gefolgt. Parallel dazu wurde im Rathaus eine Arbeitsgruppe unter der Federführung von Andreas Pickhardt und Paul Schäfermeier gegründet. Die Vorlage für den Ausschuss am Dienstag präsentiert nun das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen.

In einem ersten Schritt soll — zeitlich befristet — ein Sozialplaner eingestellt werden. Seine vornehmliche Aufgabe wird die sogenannte Sozialberichterstattung sein. „Für eine strategische Planung ist zunächst einmal eine Bestandsaufnahme nötig. Dafür müssen im größeren Umfang Daten erhoben und ausgewertet werden“, erklärt der Technische Beigeordnete Tobias Röhm. Im nächsten Schritt müsse ein „integriertes Handlungskonzept“ erstellt werden. „Das ist die ganzheitliche, strategische Sozialplanung, aus der heraus wir dann einzelne Schwerpunkte entwickeln können“, sagt Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier.

Vieles von dem, was sich die Experten der Verwaltung vorgenommen haben, steht und fällt mit dem Geld. Deshalb will die Stadt unterschiedliche Fördermöglichkeiten und -töpfe nutzen. Das fängt bereits beim Sozialplaner an, für dessen Finanzierung das Land pro Jahr 75 000 Euro in Aussicht stellt. Hoffnung machen darf sich Stolberg auch auf eine Beteiligung an der Förderung durch den erwähnten Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), den Europäischen Sozialfonds (ESF) und den Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER) — wobei die Zielrichtungen der Förderungen durchaus unterschiedlich sind und von sozialen Projekten bis hin zu Baumaßnahmen reichen.

Um die diversen Anträge zu koordinieren und in Einklang zu bringen mit den Förderrichtlinien sowie dem eigenen Gesamtkonzept wird die Verwaltung auf die „NRW.ProjektSoziales GmbH“ zurückgreifen. Diese bietet der Stadt Stolberg im Rahmen eines Pilotprojektes kostenlose Unterstützung bei der Erstellung und Abwicklung von Förderanträgen an. „Diese Hilfe nehmen wir gerne an“, betont Tobias Röhm. „Denn auch wir betreten mit dem Einstieg in die strategische Sozialplanung Neuland.“

(gro)
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