Stolberg: Sozialkaufhaus feiert großes Jubiläum im Zinkhütter Hof.

Stolberg : Sozialkaufhaus feiert großes Jubiläum im Zinkhütter Hof.

„Es könnte schlimmer sein, aber es könnte auch sehr viel besser sein“, fasst der Geschäftsführer des Vereins Wabe, Alois Poquett, die Situation vieler Langzeitarbeitslosen zusammen, die im Sozialkaufhaus in Aachen eine Beschäftigung gefunden haben.

„Es könnte mehr Ärger und Perspektivlosigkeit geben, aber auch eine bessere Zukunftsperspektive und mehr Zuversicht“, sagte er bei der Jubiläumsfeier im Zinkhütter Hof.

Als Anlass diente das zehnjährige Bestehen des Sozialkaufhauses. Dafür haben die Verantwortlichen die 105 Mitarbeiter und ihre Familien, sowie die Kooperationspartner bei der Stadt Stolberg und dem Jobcenter eingeladen, das Jubiläum gemeinsam mit der Geschäftsführung, den fünf Anleitern und den vier Mitarbeitern des Sozialdienstes zu feiern.

Große Herausforderungen

Der feierliche Anlass wurde von den Veranstaltern nicht nur dafür genutzt, sich bei den Förderern des Vereins und den Kooperationspartnern zu bedanken, sondern auch dafür, langzeitarbeitslosen Menschen eine Stimme zu geben.

Bereits zu Beginn der Veranstaltung sprach Moderatorin Svenja Pesch auf der Bühne mit einigen Mitarbeitern der Wabe, Bürgermeister Tim Grüttemeier (CDU), dem Geschäftsführer der Wabe, Alois Poquett, und der Leiterin für Arbeit und soziale Integration der Wabe, Dagmar Offermann. Der Fokus dieser lockeren Diskussionsrunde lag auf der Frage, wie die Situation der Langzeitarbeitslosen verbessert werden könne. Immerhin sei die Arbeitslosenquote mit 7,4 Prozent die höchste in der gesamten Städteregion, die Situation in Stolberg also besonders prekär, sagte Pesch. Bürgermeister Tim Grüttemeier (CDU) richtete in diesem Zusammenhang klare Worte an die anwesenden Gäste.

Für den sozialen Arbeitsmarkt

„Wir brauchen einen sozialen Arbeitsmarkt. Die bisherigen Angebote reichen da einfach nicht aus“, sagte Grüttemeier. Er erkannte eine problematische Entwicklung. „Früher hatte ein Großteil der Langzeitarbeitslosen keinen Schulabschluss. Nun gelten 45 Prozent der Bürger mit Hauptschulabschluss auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar.“

Im Gegensatz zu den Ansätzen der Arbeitsmarktpolitik, die vor allem versuche, den Fachkräftemangel für die Unternehmen abzuschwächen, sei nur ein geringer Teil der Langzeitarbeitslosen für solche Stellen qualifizierbar. Daher begrüßte er den im Koalitionsvertrag von CDU und SPD geplanten sozialen Arbeitsmarkt, der mit öffentlichen Mitteln gefördert werden soll. „Der Entwurf der großen Koalition muss möglichst schnell umgesetzt werden“, wünschte sich Grüttemeier. Sowohl die anwesenden Gäste als auch die Mitarbeiter von Wabe und Sozialkaufhaus belohnten dieses Statement mit lautem Applaus.

Ein kurzer Rückblick von Moderatorin Svenja Pesch führte den Gästen nochmals die Entwicklung des Sozialkaufhauses vor Augen: In den vergangenen zehn Jahren ist das Sozialkaufhaus deutlich gewachsen. Aus einem kleinen Raum in der Ellermühlenstraße sind inzwischen drei große Filialen hervorgegangen. Das ursprüngliche Gebäude gehört dem Verein und steht den Mitarbeitern als Verkaufsfläche, Lager, Schreinerei, Küche und Werkstatt zur Verfügung. Wo zu Anfangszeiten nur vier bis fünf Möbelstücke zum Verkauf standen, finden zehn Jahre später täglich 150 Kunden mit einem entsprechenden Berechtigungsschein etwas passendes für Kinder, Familie oder Wohnung.

Entspannte Stimmung

Viele Mitarbeiter des Sozialkaufhases haben einen Migrationshintergrund, ebenso wie zwei Drittel der Kunden. Zusammen mit ihren deutschen Kollegen haben sie im Zinkhütter Hof bei türkischer Linsensuppe und deutscher Bratwurst vom Grill zusammen auf das große Jubiläum angestoßen.

Die Anleiter Ralph Kreitz, Manfred Peters und Holger Kaminski waren mit dem Aufgebot im festlich geschmückten Zinkhütter Hof zufrieden. Musikalisch begleitet wurde die Feier von dem berühmten Newa-Quartett aus dem russischen Sankt Petersburg.

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