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Stolberg: Soziales lag Käthe Reinartz am Herzen

Stolberg : Soziales lag Käthe Reinartz am Herzen

Das soziale Engagement von Käthe Reinartz (1915 - 1995) kannte keine Grenzen. Um der notleidenden Bevölkerung zu helfen, gründete sie 1945 gemeinsam mit ihrer Mutter Anna Lude den Kupferstädtischer Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Nahrungsmittel wurden organisiert, Kleiderspenden verteilt und Weihnachstfeiern für die Kinder veranstaltet. Später war Käthe Reinartz auch als Schöffin am Aachener Landgericht und Ende der 60er Jahre als Ratsmitglied tätig. Davor war die engagierte Sozialdemokratin als sachkundige Bürgerin im Schul- und Sozialausschuss aktiv. 1990 wurde Käthe Reinartz neben vielen anderen Ehrungen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die Wurzeln ihres sozialen Engagements liegen in der Vorkriegszeit. Schon früh lernte Käthe Reinartz Widerstand, Verfolgung und soziale Not kennen. Als einzige Tochter des Kaufmanns (Philipp) Ludwig Lude und seiner Ehefrau Anna Lüth wurde sie am 28. Februar 1915 in der Kupferstadt geboren. Anna Katharina (Käthe) Lude wuchs in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus auf.

Ihr Vater Ludwig Lude, der in der Nachbarschaft der ehemaligen Zinkhütte Birkengang ein so genanntes Kolonialwarengeschäft betrieb - verkauft wurden Lebensmittel und Schreibwaren -, befand sich im Widerstand zum seit 1933 herrschenden NS-Regime. Bei der Verteilung von politischen Schriften, dem Aufbau einer Verbindungsstelle und der Flucht bedrohter Sozialdemokraten ins Ausland half auch Tochter Käthe.

Illegale Parteiarbeit

Sie war in die illegale Parteiarbeit (die SPD war 1933 verboten worden) einbezogen. Als Vater Ludwig Lude 1936 verhaftet und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, übernahm sie, um das Überleben der Familie zu sichern, die Leitung des Geschäftes an der Wiesenstraße.

Für Käthe Lude, die 1943 den Kaufmann und Maschinenschlosser Hans Reinartz heiratete, hatte die Geschäftsübernahme Konsequenzen. Sie verließ das Aachener Gymnasium. Wegen der politischen Tätigkeit ihres Vaters, der im März 1945 zum ersten Regierungspräsident des damaligen Regierungsbezirkes Aachen ernannt wurde, war sie in den 30er Jahren vom Stolberger zu einem Aachener Gymnasium gewechselt.

Doch Käthe Lude ließ sich nicht einschüchtern. Obwohl sie wusste, das die Geheime Staatspolizei (Gestapo) sie beobachtete, half sie politisch Verfolgten, jüdischen Mitbürgern und russischen Zwangsarbeiten. Sie versorgte die bedrängten und verfolgten Menschen mit Lebensmittel aus dem familieneigenen Laden an der Wiesenstraße.

Nach dem Zusammenbruch des verbrecherischen Nazi-Regimes hatte der Einsatz für soziale Gerechtigkeit weiterhin Priorität. Zahlreiche kommunale Maßnahmen im Sozialbereich sind der Initiative und der Idee von Käthe Reinartz zu verdanken. Die engagierte Sozialdemokratin starb am 31. Juli 1995.