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Stolberg: „Soko Duft” soll Blitzeinbrechern auf die Spur kommen

Stolberg : „Soko Duft” soll Blitzeinbrechern auf die Spur kommen

Willi Becker ist sauer. „Die Polizei sollte uns besser schützen”, sagt der Geschäftsführer der Parfümeriekette, der eine Räuberbande im Jahr ihres 115. Bestehens das Leben schwer macht. Mittlerweile zehn Mal haben die Täter immer zugeschlagen.

Sieben Filialen in der Städteregion und drei im Kreis Heinsberg waren das Ziel. Das Muster der Taten ist identisch. Drei bis vier maskierte Täter fahren mit einem zuvor gestohlen Fahrzeug vor den Laden, schlagen Türe oder Fenster auf, packen hochwertiges Parfüm aus den Regalen und brausen wieder davon. Unterwegs wird das Fluchtfahrzeug gewechselt.

In der Nacht zum Dienstag wird die Situation zum zweiten Mal brenzlig für die Bande, die zum zweiten Mal die Stolberger Becker-Filiale überfallen. Gegen 1.39 Uhr schlagen drei mit Sturmhauben Maskierte die Seitenscheibe der Eingangstüre ein - direkt neben der Holztüre, die als Ersatz für die am 18. Oktober in der Frühe zertrümmerte Eingangstüre dient. Die Räuber dringen in den Laden ein, werfen Tische um und greifen wieder gezielt zu.

Als ein Streifenwagen sich dem Tatort nährt, wirds dramatisch. Die Täter springen in ihren Auto und brausen davon. Dabei rammen sie auf der Rathausstraße den Streifenwagen, mit denen die Beamten ihnen den Fluchtweg abschneiden wollten. Als sie dann auf die Polizisten zufuhren, die ihr Fahrzeug bereits verlassen hatten, greifen die Beamten zur Waffe und schießen - „auf die Reifen”, sagt Polizeisprecherin Sandra Jansen. Erkenntnisse, dass dabei Personen getroffen wurden, liegen nicht vor.

Aber den Tätern gelingt die Flucht. Über die Rathausumfahrt führt ihr Weg in Richtung Büsbach. Später finden die Polizisten das Fluchtfahrzeug in Höhe des Hauses Büsbacher Berg 46 - leer, zumindest das zuvor erbeutete Parfüm können sie sicherstellen. Das Auto war bereits am 23. Oktober in Herzogenrath gestohlen worden.

Zunächst flüchten die Täter zu Fuß weiter, aber ihre Spur verliert sich schnell. Auch der angeforderte Polizeihubschrauber kann sie mit seiner Infrarotkamera nicht mehr entdecken. Lange kreist die „Hummel” über den Dächern des Ortes - beobachtet von zahlreichen Büsbachern, die aus dem Schlaf gerissen werden.

Bereits in der Frühe des 30. Oktobers hatten Beamte der Heinsberger Polizei die Täter greifbar nah vor der Nase nach einem Einbruch in die Becker-Filiale in Hückelhoven. Auf der Flucht sichtete eine Streifenwagenbesatzung das Tatfahrzeug am Ende der Autobahn A 46. Als der Fahrer die Beamten bemerkte, wendete er und fuhr als „Geisterfahrer” zurück in Richtung Hückelhoven. Erneut verlor sich die Spur der Räuber im Dunkeln der Nacht.

Mittlerweile hat die Heinsberger Kreispolizeibehörde eine eigene Ermittlungskommission eingerichtet. Nach der Tat in Stolberg wird vermutlich das Aachener Polizeipräsidium die Federführung bei der „Soko Duft” übernehmen.

Sie versucht anhand des Strickmusters und von Zeugenhinweisen den Täter auf die Spur zu kommen, die möglicherweise vom benachbarten Holland aus operieren. „Mit der Grenznähe hat mir die Polizei die Einbruchserie erklärt”, sagt Willi Becker. 18 Filialen betreibt er alleine in der Städteregion sowie in den Kreisen Heinsberg und Düren. Überfallen wurden sieben, die beiden in Herzogenrath sowie die Stolberger Niederlassung bereits mehrfach.

Nicht zum Aktionsradius der Täter zählen bislang das Dürener Kreis- und Aachener Stadtgebiet. Auch die drei Filialen des Mitbewerbers Douglas in Eschweiler, Düren und Aachen bleiben bis dato verschont.

„Auf einen sechsstelligen Betrag summiert sich der Schaden mittlerweile alleine schon bei der Ware”, sagt Becker. Hinzu kommen die angerichteten Schäden in den Läden. Was die Täter mit ihrer umfangreichen Beute machen, weiß die Polizei noch nicht genau. Sicher gilt, dass es einen Abnehmer und einen Markt für das duftende Diebesgut gibt.

Die zehn Einbrüchein Becker-Filialen

Bereits am 10. April 2010 ereignet sich ein erster Blitzeinbruch in Herzogenrath. Dann geht die Serie erst am 24. August 2012 weiter in Kohlscheid. Die nächsten Tatorte sind am 3. Oktober in Kohlscheid, am 4. Oktober in Geilenkirchen sowie am 5. Oktober in Herzogenrath. Dann scheint eine fast zweiwöchige Pause einzutreten.

Am 18. Oktober schlägt die Bande erstmals in Stolberg zu, am 23. Oktober in Wegberg, am 30. Okotober in Hückelhoven und in Baesweiler. Erneut folgt eine Pause bevor am Montag in der Früh erneut die Stolberger Filiale das Ziel der Täter ist.

In der Regel liegen alle Tatzeiten zwischen 1 und 3 Uhr; nur der Überfall in Hückelhoven erfolgte vor Mitternacht. Stets wurden zuvor entwendete Autos bzw. Kennzeichen verwendet.