"Skywalk" im Stolberger Hauptbahnhof

„Skywalk“ am Hbf Stolberg nicht fertig : Jetzt reißt selbst Röhm der Geduldsfaden

Wenn die Züge der Deutschen Bahn so verlässlich verkehren würden, wie sie die Personenüberführung im Stolberger Hauptbahnhof baut, dann würden die Reisenden wohl mit mindestens dreijäriger Verspätung ans Ziel kommen.

Nachdem die DB noch am 18. März gegenüber unserer Zeitung erklärte, „die Personen-Überführung wird voraussichtlich Ostern 2019 für Fußgänger in Betrieb genommen werden“, ist die Bauwerk auch vier Wochen nach den Feiertagen für eine Nutzung nicht freigegeben – nicht einmal provisorisch.

Denn die Montage der beiden Aufzüge, die den „Skywalk“ letztlich barrierefrei machen, hatte die DB im Vorjahr für Mitte 2019 versprochen. Im vergangenen Herbst hatte sie die neuerliche Verzögerung mit „nicht ausreichenden Sperrpausen für den Zugverkehr auf der viel befahrenen Hauptstrecke“, die wegen der Auswirkungen auf den Fern-, Regional- und Güterverkehrs nur schwer zu bekommen seien, begründet. Sperrzeiten muss die DB Station & Service bei der „Konzernschwester“ DB Regio beantragen.

Dabei sieht die Überführung mit Ausnahme der Aufzüge nahezu vollendet aus. Bei näherem Hinsehen scheinen nur noch die Stromanschlüsse der Beleuchtung zu fehlen, denn an den Streben der Laternen liegen noch Kabel auf dem Boden. Dabei werkelten seit Februar – mit kurzen Unterbrechungen – kontinuierlich Mitarbeiter eines Fachunternehmens an dem Bauwerk.

Jetzt ist selbst dem geduldigen und Herausforderungen aufgeschlossenem Technischem Beigeordneten der Geduldsfaden gerissen. In einem Schreiben an den  Projektverantwortlichen bei DB Station & Service in Düsseldorf macht Tobias Röhm seinem Unmut Luft: „Ich möchte sie bitten, die Personenüberführung mit Nachdruck fertigzustellen und zur Benutzung freizugeben“. Sie sei augenscheinlich mit Ausnahme der noch einzubauenden Aufzüge fertiggestellt, schreibt Röhm: „Insofern stellen wir und viele Bahnkunden fest, dass sie dennoch nicht zur Benutzung freigegeben ist“. Unabhängig vom Zeitpunkt des Einbaus der Aufzüge möge die DB den provisorischen „filigranen Laufsteg“ sperren und die neue Treppenanlage kurzfristig in Betrieb nehmen.

Der „Skywalk“ im Stolberger Hauptbahnhof ist längst zu einer „never ending story“ geworden. Dabei begann die unendliche Geschichte überaus pünktlich im Januar 2017 mit der Errichtung des „filigranen Laufstegs“. Den hievten die Experten des Bahnbauspezialisten Albert Fischer minutengenau während der Sperrzeiten über die Bahngleise und bauten den Mittelbahnsteig aus. Dann aber zerplatzen alle Träume einer für den Herbst 2017 angekündigten Fertigstellung des Projektes. Die DB hatte es versäumt, die Nutzung des EVS-Bahnsteigs für Stützpfeiler vertraglich zu sichern. Die Fertigstellung des Pro jektes wurde auf 2018 verschoben.

Tatsächlich liefen im Juni 2018 die Arbeiten an für die neuen Treppentürmen an. Als im Oktober die Brücke über den Gleisen montiert wurde, kündigte die DB bereits an, erst Mitte 2019 die Aufzüge einzubauen. Im Dezember 2018 wurden die beiden Treppentürme installiert, die immer noch nicht benutzt werden dürfen.

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