Stolberg: Sicher zum Einsatzort: Das will auch für die Feuerwehr geübt sein

Stolberg: Sicher zum Einsatzort: Das will auch für die Feuerwehr geübt sein

Stellen Sie sich vor, Sie schaffen sich ein neues Auto an. Sie steigen um: Von einem Kleinwagen auf Geländewagen. Gar nicht so einfach, schließlich muss man sich an die Handhabung erst einmal gewöhnen. So geht es auch den Mitgliedern des Löschzuges Münsterbusch der Stolberger Feuerwehr. Erst vor wenigen Wochen erhielten sie ein neues Löschfahrzeug.

Bevor dieses allerdings in Betrieb genommen werden konnte, mussten die Mitglieder des Löschzuges das neue Gefährt gemeinsam mit Marco Wolter, Fahrlehrer der Stolberger Feuerwehr, unter die Lupe nehmen. Schließlich muss ein 14-Tonner mit 3,30 Metern Höhe, acht Metern Länge und 2,5 Metern Breite erst einmal sicher durch den Straßenverkehr bewegt werden — auch in stressigen Situationen.

Wollen, dass alle Mitglieder der Feuerwehr sicher an ihr Ziel kommen: Marco Wolter (links) und Stefan Klos.

Dass das gar keine einfache Aufgabe ist, weiß auch Marco Wolter. Der Fahrlehrer der Stolberger Feuerwehr übte mit den Mitgliedern der Löschgruppe Münsterbusch am Wochenende die Fahrt im neuen Wagen. „Sicherheit steht für uns an erster Stelle. Deshalb ist es bei einem neuen Fahrzeug umso wichtiger, dass man ein Gefühl dafür bekommt“, sagt er.

Wolter und sein Kollege Thomas Heinze sind dafür verantwortlich, dass alle Einsatzkräfte, die mit Fahrzeugen in Berührung kommen, auch entsprechend geschult werden. Das Ziel: „Die Einweisungen werden gemacht, damit Mannschaft und Gerät sicher zum Hilfesuchenden kommen“, sagt Wolter.

Was die neuen Wagen von ihren Vorgänger, die teilweise noch aus den 1980er Jahren stammten, unterscheidet? Jede Menge. Dazu zählen nicht nur Größe, Länge, Höhe und Gewicht, sondern auch die technische Ausrüstung. „Die Fahrzeuge wachsen nicht nur und nehmen an Gewicht zu, auch die Technik wird immer mehr“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Konrads. Dazu gehören unter anderem eine automatische Schaltung und eine Rückfahrkamera. Eingewunken werden die Fahrzeuge allerdings trotzdem.

Zudem gibt es einen Bordcomputer und auch der Ölstand wird nicht mehr per Hand gemessen, sondern automatisch vom Wagen überprüft. Auch die Ausstattung in den Wagen sei um ein Vielfaches besser geworden. Kleine Tritte sind breiten Ein- und Ausstiegen gewichen, die auch beleuchtet sind. Für die Feuerwehrmänner, die mit ihrer Schutzausrüstung, Helm und Atemschutzmaske bekleidet sind, ein Vorteil. „Wenn man nachts raus muss, ist man einfach sicherer“, sagt Konrads. Ein weiterer Bonus: Sicherheitsgurte. Die waren in den bisherigen Fahrzeugen nämlich nicht vorhanden.

Seit Anfang 2016 ist die Feuerwehr in der Stadtverwaltung ein eigenes Amt. So kümmern sich die Feuerwehrleute auch um die Beschaffung der Fahrzeuge. Oliver Grendel, der für die Ausschreibungen zuständig ist, und Stefan Klos, Abteilungsleiter Technik, haben sich bei der Anschaffung der neuen Wagen, besonders viele Gedanken gemacht und begleiteten das Prozedere von der Entstehung der Idee zur Ausstattung bis hin zur Endabnahme in Berlin.

Angekommen in Stolberg hatten die Einsatzkräfte vier Wochen Zeit sich an die neuen Fahrzeuge zu gewöhnen. „So hatte jeder Zeit das Handwerkszeug zu erlernen, um in jeder Situation sicher fahre und das Fahrzeug bedienen zu können“, so Klos.

Beim Training mit Marco Wolter stand die Einweisungsfahrt im Fokus. Das Fahren durch enge und zugeparkte Straßen, über Landstraßen und durch leichtes Gelände musste genauso erfüllt werden wie rückwärts Einparken und das Anfahren im Berg. Ein Mal im Jahr müssen übrigens alle Mitglieder zusätzlich an so genannten Sonderrechtsfahrten teilnehmen, damit die Mitglieder der Feuerwehr im Training bleiben.

Wie wichtig das ist, wurde er vor wenigen Wochen in Coburg deutlich. Bei einer Übungsfahrt mit einem großen Tanklöschfahrzeug starb ein junger Feuerwehrmann. „Unfälle wie dieser passieren immer wieder. Deshalb müssen alle unsere Mitglieder diese Ausbildung durchlaufen.

Sie müssen das Fahrzeug unter extremen Einsatzbedingungen perfekt beherrschen. Wir müssen sie davor schützen, dass etwas passiert“, sagt Wolter. In den vergangenen Jahren habe sich in puncto Sicherheit einiges geändert. Das liegt auch an den neuen Führerscheinklassen. Wer heute bei der Feuerwehr tätig ist, muss einen Lkw-Führerschein besitzen.

Diesen besitzen auch die Mitglieder der Löschgruppe Münsterbusch. Ihr Fahrzeug bietet für neun Personen Platz, gehört mit seinen 14 Tonnen dennoch zu den kleinsten Löschfahrzeugen der Stolberger Feuerwehr. Zu jedem Fahrzeug gibt es übrigens eine Fahrzeugbegleitmappe, die von Stefan Klos entwickelt wurde. „Dieses Buch bleibt ein Leben lang beim Fahrzeug. Dadurch kann man nachvollziehen, was mit dem Wagen passiert ist, wo er gestanden hat und welche Reparaturen vorgenommen wurden“, sagt Klos.

Den Mitgliedern der Stolberger Feuerwehr ist übrigens nicht nur die Sicherheit während der Fahr enorm wichtig. „Wir legen auch Wert auf ein umsichtiges Fahren, schließlich haben wir eine Vorbildfunktion. Die Präsenz nach außen muss immer gewährt sein — auch bei der Fahrt zum Einsatz“, sagt Wolter.