Restaurant im Wahrzeichen der Stadt: Serkan Sistermanns erobert die Stolberger Burg

Restaurant im Wahrzeichen der Stadt: Serkan Sistermanns erobert die Stolberger Burg

Sein Erfolg hat ihn selbst überrascht, gesteht Serkan Sistermanns am nächsten Morgen gegenüber unserer Zeitung ein. Nach dem, was der 41-jährige gelernte Koch aus Aachen im Vorfeld in der Stolberger Gerüchteküche brodeln hört, sieht er für die Entscheidung eine Mitbewerbung vorne.

Aber es soll anders kommen. Sistermanns geht nach einem langen Abend im Rathaus als strahlender Sieger hervor. Der etablierte Vollblutgastronom sticht ehrenamtliche Rittersleut‘ ebenso aus wie die angestellte Eventmanagerin.

Als Mitarbeiterin der Abteilung für Kultur, Tourismus und Veranstaltungen – ein Job, den sie aufgegeben hätte – trägt Christina Bungenberg maßgeblich zum Erfolg der Stadtparty zwei Tage vor dem Votum bei und wird als Favoritin gehandelt gerade weil sie aktiv zur Umsetzung des touristischen Burgkonzeptes beitragen möchte. Für die Veytaler Ritter indes beschreibt Norbert von Thule eine Zeitreise für die Burg in eine mittelalterliche Welt. Währenddessen punktet Serkan Sistermanns humorvoll mit seiner gastronomischen Erfahrung. Der Betreiber des Restaurants Zinkhütter Hof und diverser Kantinen namhafter Unternehmen, der Caterer für Karlspreis, Polizei, RWTH und diverser Events wird ab 1. Januar neuer Betreiber der Gastronomie in der Stolberger Burg.

„Es ist eine gute Entscheidung des Stadtrates“, wertet Tim Grüttemeier am Morgen nach dem langen Weg zur Entscheidung am Abend. Nach teilweise intensiver Fragerunde und Abstimmungsmarathon steht der neue Pächter erst um 21 Uhr fest. „Alle drei Konzepte haben ihren Reiz“, resümiert der Bürgermeister. Ebenso eigen wie interessant seien die Vorschläge der Veytaler Ritterschaft. Christina Bungenberg lege den Schwerpunkt auf eine Weiterentwicklung der Burg durch Events, Serkan Sistermanns setzte mehr auf die Gastronomie.

... hat der Stadtrat die Verpachtung
... hat der Stadtrat die Verpachtung der Gastronomie an Serkan Sistermanns beschlossen. Foto: zva/Daniel Schaakxs

Der Stadtrat tut dies zu später Stunde nach zweieinhalbstündiger Vorstellung, Befragung, Pause und Beratung. Intensiv wird das formelle Abstimmungsverfahren erläutert – eine Erfahrung nach dem Schiffbruch bei der Beauftragung von Leitbild und Imagekonzept im Frühjahr 2015. Nachdem es seinerzeit bei der Auswahl unter drei Anbietern zu einem Patt gekommen war, fiel die Entscheidung per Los. Gegen dieses Verfahren zogen die Grünen vor Gericht und bekamen Recht. Die Entscheidung musste wiederholt werden. Dieses Risiko mag die Verwaltung bei der sensiblen Vergabe der Gastronomie in der Burg nicht eingehen. „Darüber erfolgt keine Wahl, sondern eine Abstimmung“, erklärt der Verwaltungschef. Abgestimmt wird nacheinander über die Konzepte, bis es eine eindeutige Mehrheit gibt. Mangels interfraktioneller Einigung über die Reihenfolge, stellt der Bürgermeister die Bewerbungen in Reihenfolge der Vorstellung zur Abstimmung, die geheim erfolgt.

Als erstes steht die Entscheidung über das Ritter-Konzept an. Es verfehlt klar eine Mehrheit bei zwei Ja-Stimmen, einer Enthaltung und 39 Nein-Stimmen. Als nächstes wird das Votum über Sistermanns quasi zur Finalrunde. Mit 26 Ja-Stimmen, einer Enthaltung und 15 Nein-Stimmen findet das Konzept des Gastronomen eine eindeutige Mehrheit. Damit entfällt das Votum über Christina Bungenbergs Vorschläge. Das einzige, was nach diesem spannenden Abend noch fehlt, ist der weiße Rauch, der über dem Rathaus aufsteigt.

Gepunktet mit professionellem Charme

Bereits im Vorfeld des Votums lassen Ratsvertreter quer durch alle Fraktionen kein einheitliches Meinungsbild erkennen. Letztlich soll in der Tat die Vorstellungsrunde den Ausschlag gegeben haben, ist von Teilnehmern zu vernehmen. Mit knapper Präsentation, präzisen Antworten und professionellem Charme habe Sistermanns gepunktet. Ob der Name Lück dabei mehr oder weniger hilfreich gewesen ist, bleibt Spekulation.

Jedenfalls präsentiert Serkan Sistermanns die bisherige Gastronomiepächterin Monika Lück als zukünftige Partnerin bei seinem Vorhaben, die Burg, den Zinkhütter Hof und den Kupferhof Rosental deutlich intensiver bei Veranstaltungen und Angeboten zu verknüpfen. „Im nächsten Jahr kann die Hochzeitsmesse an allen drei Orten veranstaltet werden“, nennt Sistermanns die am Sonntag im Zinkhütter Hof stattfindende städtische Veranstaltung als Beispiel.

Umgekehrt wird Anfang November der Kupferhof Rosental keine Station der Museumsnacht sein. Das soll im kommenden Jahr aber wieder der Fall sein, schwebt Sistermanns vor. „Alle drei sind tolle Locations“, betont der Aachener, der in Partnerschaft mit Monika Lück Kupferhof, Zinkhütter Hof und Burg gleichzeitig mit Veranstaltungen und Hochzeiten bespielen und dabei das City-Hotel einbeziehen will.

Mit welchen Events ganz speziell die Burg als wichtiger Angelpunkt des kupferstädtischen Tourismus in Szene gesetzt werden soll, „das werde ich jetzt in Detail planen können“, sagt Serkan Sistermanns, der die Burg von einem Besuch kennt. Die Entscheidung des Rates biete nun die Planungssicherheit dafür.

Eine erste Idee ist das in Kooperation mit dem Theater 99 im Aachener Couven-Museum angebotene Krimi-Dinner auf die Burg zu holen . „Das bietet sich an, weil das Couven-Museum ab nächstes Jahr saniert wird“, sagt der neue Pächter, der in der Stolberger Burg gewohnte Angebote in ritterlichem Ambiente weiterhin anbieten und ausbauen möchte. Mit der Stolberger Art des Brauchtums Karneval wird der 41-jährige verheiratete Vater eines Sohnes (13) und einer Tochter (9) sich nun eingehender beschäftigen. Die Inthronisierung des Stolberger Prinzen und das Burggrafenfest sind bereits gebuchte Ankerpunkte des närrischen Treibens auf der Burg.

Belange der Gäste im Mittelpunkt

Eigene gastronomische Akzente will Serkan Sistermanns dann ab März in der Burg sowie ihrer Außengastronomie setzen. Ein Punkt, der dabei dem Stadtrat besonders am Herzen liegt, ist die Rückkehr zu einem umfassenden gastronomischen Angebot zu den Öffnungszeiten der Burg. Aktuell ist die Gastronomie nur am Wochenende geöffnet.

Sistermanns überlegt als weitergehende Angebote ein Brunch, wie er es auch im Zinkhütter Hof „mit guter Resonanz“ anbietet, eine Kaffee- und Kuchenbar am Nachmittag sowie eine Ausweitung des Getränkeangebotes. An vorderster Stelle steht für den Gastronomen, „flexibel auf die Belange unserer Gäste einzugehen“.

Dazu zählt er auch ein zu jeder Veranstaltung passendes Angebot an Gerichten und Getränken – vom Mittelaltertreffen bis hin zum Weihnachtsmarkt – sowie das Catering unterschiedlicher Feiern in den Räumen der Burg.

(-jül-)