Serie „Stolberger Stadtteile“: Wie familienfreundlich ist Stolberg?

Serie „Stolberger Stadtteile“, Teil 3 : Naturnah, preiswert, aber ohne Arzt

Stolberg ist eine familiengerechte Kommune: Das ist Fakt. Ein Grund, sich in den einzelnen Ortsteilen einmal genauer umzuschauen und die Frage zu beantworten: Wie familienfreundlich ist Stolberg wirklich? Im dritten Teil unserer Serie steht der Ortsteil Breinigerberg im Fokus.

Ein kleiner Ortsteil, allerdings nicht der kleinste im Stolberger Stadtgebiet. Insgesamt 912 Menschen wohnen dort (430 Männer und 446 Frauen). Der Anteil der ausländischen Bevölkerung beträgt 3,19 Prozent. Davon stammen die meisten aus den Niederlanden und Belgien, gefolgt von Italien, Russland, Spanien und der Türkei. Breinigerberg ist zudem ein relativ junger Stadtteil.

Der Anteil der Bevölkerung unter 25 Jahren beträgt insgesamt 23,24 Prozent. 18,50 Prozent der Menschen in Breinigerberg sind älter als 65 Jahre. Der öffentlich geförderte Wohnraum beträgt 3,72 Prozent, die Arbeitslosenquote ist mit 2,0 Prozent besonders niedrig. Ein interessanter Nebenaspekt: In den vergangenen zwölf Jahren ist Breinigerberg einwohnermäßig übrigens geschrumpft. Lebten dort im Jahr 2006 noch 944 Menschen, so waren es 908 im Jahr 2016. 2017 stieg die Zahl auf 912 Menschen an.

Verkehr: Schaut man sich einmal den Fahrplan der Aseag für die Haltestelle Breiniger Berg an, gibt es dort nicht viel Auswahl. Mit der Linie 61 geht’s nach Venwegen, die Linie 42 führt entweder zur Kapelle nach Gressenich oder bis zur Hans-Böckler-Straße.

Gesundheit: Breinigerberg gehört zu den Stolberger Ortsteilen, die keinen eigenen Hausarzt besitzen. Das wurde auch durch eine Umfrage zur medizinischen Versorgung deutlich, die die Stadt Stolberg im Rahmen eines Projekts des Aktionsplans Inklusion durchführte. Für den Ortsteil Breinigerberg kam bei der Umfrage heraus, dass 95 Prozent der Befragten das Auto nutzen, um zum Arzt zu gelangen und knapp fünf Prozent die Rolle des Mitfahrers übernehmen. Die Entfernung bis zum nächsten Hausarzt beträgt für 37 Prozent zwischen vier und sechs Kilometer. Für jeweils 26 Prozent ist dieser entweder zwischen null und drei oder zwischen sechs und zehn Kilometer entfernt.

Elf Prozent der Befragten in Breinigerberg müssen bis zu ihrem Hausarzt über zehn Kilometer zurücklegen.  Man sollte annehmen, dass die gesundheitliche Versorgung ein größeres Problem darstellt. Dem ist allerdings nicht so. Denn: Ein Großteil (58 Prozent) der Befragten ist mit dem Angebot an Hausärzten in Stolberg zufrieden. Die Antwortmöglichkeit „mittelmäßig“ wählten 32 Prozent. Unzufrieden sind lediglich fünf Prozent. Beim Angebot an Fachärzten sah dies dann allerdings doch ein wenig anders aus. 58 Prozent gaben die Antwortmöglichkeit „mittelmäßig“ an. Jeweils 21 Prozent stimmten für „zufrieden“ und „unzufrieden“.

Im Rahmen der Umfrage wurden auch mögliche Lösungen vorgestellt. In Breinigerberg wurde deutlich, dass die Befragten nicht von einem verbesserten ÖPNV oder einem Fahrdienst-Service für Patienten angetan waren. Für beide Möglichkeiten sprachen sich nur 25 beziehungsweise 30 Prozent aus. Die Unterstützung durch qualifizierte Versorgungsassistenten oder die Einrichtung einer temporär betriebenen Filialpraxis hielten je 65 Prozent der Befragten für bessere Lösungen.

Wohnumfeld: Die Natur kommt in Breinigerberg wirklich nicht zu kurz. Im Osten befindet sich neben dem Stolberger Stadtwald das Naturschutzgebiet Schlangenberg, das die frühere Erzgrube Breinigerberg umfasst. Nördlich des Ortsteils liegen die aus ehemaligen Steinbrüchen entstandenen Naturschutzgebiete Auf der Rüst, Bärenstein und Brockenberg. Wohnbauflächen liegen im Gebiet zwischen Waldfriede und der Straße „Im Lohr“ übrigens bei 180 Euro pro Quadratmeter – laut dem Statistischen Jahresbericht der Stadt. Damit gehört Breinigerberg noch eher zu den günstigen Ortsteilen im Stadtgebiet. Auch Industrie ist vorhanden. So ist beispielsweise die Firma Schwermetall im Ortsteil angesiedelt. Bei Supermärkten sieht es allerdings mau aus. Die gibt es dafür – genauso wie Bäcker und Metzger – in Breinig.

Freizeit: Wie können sich Klein und Groß denn die Zeit in Breinigerberg vertreiben? Allzu viele Möglichkeiten gibt es nicht. Zumindest nicht, wenn man dem Sozialbericht der Stadt glaubt. Ein Spielplatz ist in diesem nämlich nicht aufgelistet, dafür allerdings der Jugendtreff „Remember“. Allerdings gehören der Spielplatz „An der Waldschenke“ und auch der Spielplatz „An der Hoheburg“ zum Ortsteil. Den Jugendtreff gibt es dafür nicht mehr. Auch zwei Sportplätze gibt es in dem Stadtteil. Zudem sind – laut Sozialbericht – drei Vereine vorhanden: der FC Breiniger Berg, die Karnevalisten der Jecken Berger und der Hahnenverein Breinigerberg. Die Veranstaltungen im Ort – sei es an Karneval oder zur Hahnenkirmes – sind definitiv legendär.

Bildung: Ein Kindergarten ist vorhanden. Dort ist Platz für insgesamt 45 Kinder. Es gibt 32 Plätze für Kinder ab drei Jahren und zehn Plätze für den Nachwuchs unter drei Jahren. Das deckt den Bedarf ab. Zwischen 0 und fünf Jahren waren 2016 insgesamt 38 Kinder, 34 Kinder waren zwischen sechs und zehn Jahren alt.

Fazit: Klein aber fein. Natürlich muss man die Einwohnerzahl berücksichtigen. Ein weiterer Kindergarten oder eine eigene Grundschule würden sich definitiv nicht lohnen. Ein Supermarkt und auch ein Hausarzt fehlen allerdings definitiv. Da müssten in Zukunft Möglichkeiten geschaffen werden, damit der Stadtteil auch wieder an Attraktivität zunimmt. Zumindest das Thema medizinische Grundversorgung ist schon einmal im Aktionsplan Inklusion verankert.

Mehr von Aachener Zeitung