Serie „Stolberger Stadtteile“: Wie familienfreundlich ist Stolberg?

Serie „Stolberger Stadtteile“, Teil 2 : Das teuerste Pflaster im Stadtgebiet

Stolberg ist eine familiengerechte Kommune. Ende September 2017 erhielt die Verwaltung bereits die offizielle Zertifizierung. Ein Grund, sich in den einzelnen Ortsteilen im Stadtgebiet einmal genauer umzuschauen, und die Frage zu beantworten: Wie familienfreundlich ist Stolberg eigentlich wirklich?

Anhand verschiedener Kriterien waren wir zwischen Atsch und Zweifall unterwegs. Wie sieht es mit der gesundheitlichen Versorgung in den einzelnen Ortsteilen aus? Wo sind die Grundstückspreise besonders niedrig oder hoch? Und wie sieht es mit den Themen Bildung und Freizeit aus? Im Rahmen unserer neuen Serie sollen allerdings nicht nur diese Fragen geklärt werden – auch Ihre Meinung zu den einzelnen Ortsteilen ist gefragt (siehe Infobox).

Im zweiten Teil unserer Serie steht der Ortsteil Breinig im Fokus. Bevor wir allerdings einen Blick auf die Bereiche Verkehr, Gesundheit, Wohnumfeld, Freizeit und Bildung werfen, gibt es zunächst einmal einen Überblick über die Bewohner des Ortsteils – basierend auf dem statistischen Jahresbericht.

Insgesamt 4814 Menschen wohnen dort (2224 Männer und 2363 Frauen). Der Anteil der ausländischen Bevölkerung beträgt 4,27 Prozent. Davon stammen die meisten aus den Niederlanden, Belgien, der Türkei, Rumänien sowie Polen und Italien. Breinig ist zudem ein recht junger Stadtteil. Der Anteil der Bevölkerung unter 25 Jahren beträgt 23,83 Prozent. 21,47 Prozent der Menschen in Breinig sind älter als 65 Jahre. Der öffentlich geförderte Wohnraum liegt bei 3,72 Prozent, die Arbeitslosenquote konnte laut dem Sozialbericht der Stadt Stolberg allerdings nicht ermittelt werden. In den vergangenen Jahren ist Breinig einwohnermäßig übrigens leicht geschrumpft. Lebten dort im Jahr 2006 noch 4918 Menschen, so waren es 4733 im Jahr 2016. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl dann wieder auf 4814 Menschen an.

Verkehr: Gleich mehrere Buslinien – dazu gehören die Linien 15, 35, 42 und auch die Linie 61 – binden den Ortsteil in Stolbergs Süden an das Stolberger und auch an das Aachener Stadtgebiet an. Zudem soll ab Dezember auch die Euregiobahn-Strecke reaktiviert werden und bis nach Breinig fahren. Das wäre definitiv ein Pluspunkt.

Gesundheit: Sechs Allgemeinmediziner, fünf Zahnärzte und zwei Apotheken haben sich in Breinig niedergelassen. Sie sind im gesamten Stadtteil zu finden, gleich mehrere Ärzte sind in der Stefanstraße angesiedelt. In etlichen Stolberger Stadtteilen sind übrigens gar keine niedergelassenen Ärzte vorhanden. In Breinig ist zudem noch eine Tierarztpraxis angesiedelt. Diesbezüglich ist der Ortsteil gut aufgestellt.

Wohnumfeld: Wohnen, Gewerbe und Handel: Diese Raumnutzung ist in Breinig zum Großteil vertreten. Es gibt mehrere Supermärkte, eine Bäckerei und sogar zwei Baumärkte – einer davon soll allerdings zum Jahresende schließen. Auf dem Gelände soll dann ein Rewe-Markt entstehen. Auch grüne Fleckchen sind reichlich vorhanden. Südlich von Breinig umfasst das rund acht Hektar große Naturschutzgebiet Schomet einen ehemaligen Steinbruch. Grün ist es auch in Richtung Breinigerberg oder in Richtung Dorff. Doch die besondere Lage des Stadtteils hat auch ihren Preis.

Wohnbauflächen liegen in Breinig bei rund 320 Euro pro Quadratmeter. Damit ist der Ortsteil das teuerste Pflaster im gesamten Stolberger Stadtgebiet. Ein weiteres Neubaugebiet soll zwischen der Straße „Am Pampütz“ und der Raiffeisenstraße entstehen. Doch auch günstigen Wohnraum soll es dort geben. Das Stichwort an dieser Stelle lautet sozialer Wohnungsbau. An der Hubertusstraße sind bereits zwei Wohnungen für fünfköpfige Familien mit einem Wohnberechtigungsschein entstanden.

Freizeit: Wie können sich Klein und Groß in Breinig denn eigentlich die Zeit vertreiben? Dort gibt es gleich sechs Spielplätze. Sie befinden sich in den Straßen „An der Hoheburg“, „An der Waldschenke“, „Auf dem Schiefer“, in der Corneliastraße, am Sonnenweg und in der Stefanstraße. Eine Zweifachturnhalle, eine Mehrzweckhalle und natürlich den Sportplatz in der Schützheide – dort startet am heutigen Donnerstag, 1. August, übrigens der EVS-Cup – gibt es ebenfalls, und auch eine ganze Menge Vereine sind vorhanden.

Dazu gehören der Fußballverein – und Mittelrheinligist – Spielverein 1910 Breinig, die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Breinig – mit eigenem Vereinsheim und einem gut besuchten Vogelschuss –, Turnerbund und Tennis Club, Eifel- und Heimatverein, das Trommler- und Pfeiferkorps, die DRK Bereitschaft sowie die KG Sündenböcke, die Freiwillige Feuerwehr, das 1. Akkordeon-Orchester und der VdK Ortsverband Breinig.

Die Auswahl dürfte also keine Wünsche offen lassen. Und für Kulturinteressierte? Breinig ist darüber hinaus auch Mitglied im Arbeitskreis historischer Ortskerne NRW. Breinig diente sogar mehrfach als Filmkuslisse. Unter anderem wurden dort nämlich schon Szenen aus den Filmen „Schimanski: Sünde“, „Smaragdgrün“ und „Gotthard“ gedreht. Eine beliebte Veranstaltung ist darüber hinaus auch das Lauf-Event „Breinig läuft!“.

In diesem Jahr fand die Veranstaltung zum sechsten Mal statt und erreichte einen Rekordwert: Insgesamt haben 1374 gemeldete Aktive in den verschiedenen Läufen die Ziellinie überquert. Die Pfarre besitzt zudem das Pfarrheim „Goldener Stern“.

Bildung: Drei Kitas gibt es in Breinig. Dazu zählen die städtischen Einrichtungen in der Berthold- und Corneliastraße und der katholische Kindergarten St. Barbara. In Letzterem werden insgesamt 80 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut.

Das Familienzentrum Bertholdstraße bietet Platz für 75 Kinder, im Familienzentrum Corneliastraße sind 35 Betreuungsplätze vorhanden. Zudem gibt es in Breinig eine Grundschule. Dort spielt die Randzeitenbetreuung übrigens ebenfalls schon eine wichtige Rolle. Ab 7.30 Uhr können Eltern ihre Kinder nämlich zur Schule bringen.

Fazit: Breinig ist für die Zukunft gut aufgestellt und entwickelt sich zudem weiter – nicht nur verkehrstechnisch. An der Grundschule hat man bereits erkannt, wie wichtig das Thema Randzeitenbetreuung ist. Die Einrichtung gehört zu den wenigen in Stolberg, die berufstätigen Eltern mit ihren Öffnungszeiten ein Stück weit entgegenkommt. Auch der historische Kern des Ortsteils kann sich wirklich sehen lassen. Doch das hat seinen Preis.

Als teuerster Stadtteil in Stolberg muss man sich ein Leben in Breinig auch erst einmal leisten können. Doch das scheint kein Kriterium zu sein, das gegen den Ortsteil spricht. Im Gegenteil.

Ein weiteres Neubaugebiet zeigt, dass es weiterhin Bedarf an Grundstücken gibt. Doch es geht auch anders: Der öffentlich geförderte Wohnungsbau in der Hubertusstraße ist schon einmal ein Anfang.

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