Serie „Damals und Heute“: Industriegebäude und Zweifaller Straße Thema

Stolberger Ansichten | Damals und Heute : Straßen und Bachbett an der Bleihütte verlegt

Mit der Bleihütte und der Zweifaller Straße beschäftigt sich der 175. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“.

Auf dem 1972 entstandenen historischen Foto sind das damalige Verwaltungsgebäude und das Walzwerk der Bleihütte zu sehen. Im Vordergrund die Zweifaller Straße, die nach rechts abbiegend, mitten durch das Gelände der Bleihütte in Richtung Vicht führt: damals wurde dieses Teilstück als Binsfeldhammer bezeichnet. Walzwerk und Verwaltungsgebäude der Bleihütte sind 1915 entstanden. Die nach rechts abbiegende Straße war das letzte Teilstück der ursprünglichen Trassenführung der alten Zweifaller Straße.

Die alte Zweifaller Straße ist im Zeitraum zwischen 1939 und 1941 verlegt worden. Bestandteil der Baumaßnahme war auch die Verlegung der Vicht. Auf dem alten Bachbett entstand die neue Zweifaller Straße. Die Verlegung von Vicht und Straße war der dort ansässigen Industrie geschuldet, denen man Erweiterungsmöglichkeiten anbieten wollte.

Vier Jahre nach Entstehung des historischen Vergleichsfotos wurde auch die nach rechts abbiegende Straße, die durch das Gelände der Bleihütte führte, geschlossen. Links entstand 1976 eine neue Straße, die nunmehr in direkter Linienführung, ohne den Umweg durch die Bleihütte, Vicht und Zweifall anstrebte. Zuvor hatte die Straße nur der Straßenbahn als Trasse gedient. Diese Linie, die über Vicht Dreieck nach Zweifall führte, hatte man aber schon im Oktober 1966 eingestellt.

Walzwerk und Verwaltungsgebäude der Bleihütte entstanden 1915 auf historischem Grund. Zuvor hatte dort der von einem großen Garten umgebende Kupferhof Binsfeldhammer gelegen. Der Hof ist bereits im späten 15. Jahrhundert entstanden. Schon 1499 hatten Heinrich und Hans von Binsfeld dort eine Eisenhütte errichtet. Sie war der Ursprung der späteren Messingmanufaktur, deren Besitzer nachfolgend die Kupfermeisterfamilien Beck und Peltzer waren. In der Mitte des 19. Jahrhunderts siedelte sich in der Nachbarschaft des Kupferhofes die Bleihütte an.

Der Kupferhof selbst war nach 1848 im Besitz der Familie Tuckermann, die dort eine Gerberei zur Herstellung von Leder betrieb. Die Gerberei ging später in den Besitz der Familie Alff über. Als die Alffs 1911 in Nachbarschaft des Kerpenwerkes - heute Leonie-Kerpen - einen neuen Wohnsitz errichteten, wurde die Gerberei auf Binsfeldhammer stillgelegt. Der Kupferhof Binsfeldhammer wurde an die benachbarte Bleihütte verkauft. Diese beseitigte zwischen 1913 und 1915 die historischen Gebäude und errichtete dort ein Walzwerk und einen Verwaltungsbau.

Inzwischen hat sich das Bild dort völlig verändert. Das alte Verwaltungsgebäude der Bleihütte wurde abgerissen und die Überreste des früheren Walzwerkes sind unter einer grau-blauen Verkleidung verschwunden. Die Einmündung der nach rechts abbiegenden einstigen Straße dient heute der Firma Prym als Verladeplatz und Nebeneingang und ist heute durch ein mächtiges Gitter abgesperrt.

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