Seniorenzentum auf der Liester

Wirtschaftlichkeitsanalyse : Alle Hebel sind auf Neuanfang gestellt

Es wird einen Neuanfang geben im Neubau des Seniorenheims auf der Liester. Zehn Monate nach dem Einzug in das auf 25 Jahre angemietete Gebäude auf dem Gelände der früheren Propst-Grüber-Schule sprechen Bürgermeister Patrick Haas und die Geschäftsführerin der städtischen Seniorenwohn- und Sozialzentrum GmbH (SWZ), Gabriele Makola, über eine einvernehmliche Auflösung des Vertrages.

Bereits am Dienstag wird sich der Stadtrat, der zugleich der Gesellschafterversammlung des SWZ entspricht, mit dem Ergebnis beschäftigen.

Unmittelbar nach der Entscheidung des Stadtrates soll mit einer Interimsgeschäftsführung der Neuanfang der Einrichtung eingeleitet werden, bestätigte Haas gegenüber unserer Zeitung. Pflegedienstleitung und Mitarbeiter des Seniorenheims waren am Donnerstag über die Entwicklung informiert worden, nachdem zuvor die Kölner Unternehmensberatung Rosenbaum Nagy im Rathaus die Ergebnisse ihrer sieben Wochen währenden Analyse vorgestellt hatte. „Das vorgelegte Gutachten zeigt transparent die aktuellen Defizitquellen, -höhen und -ursachen“, berichtet der Bürgermeister.

Im Einvernehmen mit der Verwaltungsspitze und in Absprache mit den Vorsitzenden der Ratsfraktionen hat Patrick Haas die Konsequenz gezogen und das vertrauensvolle Gespräch mit Gabriele Makola gesucht.

Dass bei dem städtischen Seniorenheim Konsequenzen ins Haus stehen, war spätestens seit der Sitzung des Stadtrates im Juli nur eine Frage der Zeit. Einstimmig wurde Makola die Entlastung für das Geschäftsjahr 2018 verweigert. Die zuvor von ihr vorgestellte Wirtschaftsplanung für das laufende und folgende Jahr war für die politischen Vertreter nur schwer bis gar nicht verdaulich. Sie schickten eine Unternehmensberatung ins Seniorenzentrum auf der Liester.

1,18 Millionen Euro Defizit

Das entwickelte sich unter Makolas Leitung immer weiter zu einem Faß ohne Boden. Die 600.000 Euro, die die Stadt 2017 bereits zusätzlich zur Wahrung der Liquidität in die SWZ gepumpt hatte, waren längst aufgebraucht. Alle Prognosen überholten sich schneller, als es einem Kämmerer lieb sein kann.

„Anfang diesen Jahres sah der genehmigte Wirtschaftsplan für 2019 noch einen Zuschussbedarf von 300.000 Euro durch die Stadt vor“, berichtet Haas. „Im April war dieser bereits auf eine Höhe von 1,185 Millionen Euro angewachsen.“ Es bestand dringender Handlungsbedarf, unterstreicht der Bürgermeister den Ernst der Situation sowohl für die städtischen Finanzen wie auch für des Renommee des Heims selbst und für dessen Bewohner.

„Dabei kommt Rosenbaum Nagy durchaus zu dem Ergebnis, dass das SWZ grundsätzlich wirtschaftlich zu betreiben ist“, erläutert Haas das Gutachten. Allerdings wird man nicht von heute auf morgen das Ruder umwerfen können. „Die nun notwendige Sanierung wird sich über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren hinziehen und bedarf eines Schulterschlusses aller Beteiligten“, sagt Haas als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung.

Mit Geschäftsführerin Gabriele Makola spricht Bürgermeister Patrick Haas über eine einvernehmliche Vertragsauflösung. Foto: Jürgen Lange

Die nachhaltige Betriebssicherung könne nur dann gelingen, wenn die Geschäftsführung, die operativen Leitungen, die Mitarbeiter sowie der Betriebsrat ihren Beitrag im Gesamtprozess leisten. Das ist zumindest der Ratschlag des Kölner Unternehmens, das auch die Interimsgeschäftsführung stellen soll. Während der Sanierungsphase werde sich die Stadt sowohl finanziell wie inhaltlich weiter einbringen müssen.

Gleichwohl zeigt sich Partick Haas zuversichtlich für einen Neustart des Seniorenzentrums auf der Liester, das (fast) nichts mehr mit dem alt bekannten „Haus am Amselweg“ zu tun hat. Dort betreut nur noch der mobile Pflegedienst der GmbH einen Großteil der Bewohner der Appartments. „Die Analyse hat gezeigt, dass das SWZ wirtschaftlich zu betreiben ist und es dafür umsetzbare Maßnahmen gibt“, ist der Bürgermeister optimistisch, dass „die wichtige Einrichtung langfristig und mit hohen Qualitätstandards so für die Kupferstadt langfristig sichern zu können – bald ohne eine nicht weiter tragbare Belastung des kommunalen Haushaltes.“

Die Gutachter hätten aufgezeigt, wie die Rückkehr in die schwarzen Zahlen nachhaltig erreicht werden könne. Aber es geht dem Bürgermeister dabei nicht nur um Zahlen. Die Unzufriedenheit der Belegschaft im Seniorenheim, der Krankenstand, die Belegungsquote und ungenutzte Potenziale zeigten deutlich, wo der Schuh drücke. Ziel müsse es sein, dass das Heim seinen einst ausgezeichneten Ruf zurück erlange. Mit dem Neubau auf dem alten Schulgelände und vielen guten Pflegekräften sei der Boden dafür bereitet.

Vier Handlungsfelder

„Das nun gestartete Konzept der Neuausrichtung basiert daher auch nicht primär auf reine Kosteneinsparungen, sondern umfasst Maßnahmen, die aus vier Handlungsfeldern bestehen“, erklärt Haas: Führung, Marketing und Vertrieb, Steuerung sowie Unternehmenskultur. Kernelemente der Sanierung sind demnach die Erhöhung der Zufriedenheit der Mitarbeiter, die Verbesserung der Personalsteuerung, eine Optimierung der Fremddienstleistungseinsätze in Pflege und Hauswirtschaft sowie die Erhöhung der Auslastung in allen Leistungsbereichen.

Dies gilt auch für den mobilen Pflegedienst, der weitere Aufgaben intensiv akquirieren werde. Zwei Drittel mache bislang die Pflege von rund 130 Bewohnern im „Haus am Amselweg“ aus. Dort hat als Eigentümer mittlerweile die 2. SI den Pflegedienst Visitatis als konkurrierendes Unternehmen verpflichtet.

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