Stolberg: Seniorenzentrum: „Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen“

Stolberg : Seniorenzentrum: „Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen“

„Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen“, ist der Leitspruch von Gabriele Makola. Und diese Kunst muss die neue Geschäftsführerin der städtischen Seniorenwohn- und -sozialzentrum GmbH (SWZ) nahezu täglich auf mehreren Baustellen unter Beweis stellen, auf denen es aktuell eben nur wenig zu sehen gibt.

Da ist einerseits der Neubau der Pflegestation auf dem Gelände der auslaufenden Propst-Grüber-Haupt­schule auf der Liester, wo derzeit der Abriss der ersten Gebäude sichtbare Fortschritte macht, aber am Neubau noch fleißig geplant wird. Und da ist andererseits der Altbau des Hauses am Amselweg, das in den nächsten Monaten deutlich sein Gesicht ändern soll. Gabriele Makola, die im vergangenen Oktober die Geschäftsführung von Sascha Saßen übernommen hat, hat viele Gelegenheiten, ihre Visionen sichtbar zu machen.

Die 2. SI Verwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz in Bad Langensalza, die das Gebäude Anfang 2015 von der LEG erworben hatte, investiert kräftig in das Seniorenzentrum, das in diesem Jahr das 40. Jubiläum feiern kann. „Es soll die führende Seniorenwohnanlage in Stolberg werden“, sagen Patrick Aldorf und Carsten Baye, geschäftsführende Gesellschafter des Eigentümers, als sie sich vor Ort ein Bild von den geplanten Maßnahmen machen. Gut zwei Millionen Euro werden in das Ensemble gesteckt, über 300.000 Euro sind bereits beauftragt.

Umbau in Wohnungen

Bereits im Gange sind die Umbauarbeiten der früheren Massagepraxis in den neuen Trakt für die Verwaltung, die voraussichtlich im April die bis dato genutzten Wohnungen im Hause für eine Vermietung freimachen kann. Das Team um Gabriele Makola hat mit dem zum 1. Oktober 2016 und einer Laufzeit von zunächst 22 Monaten geschlossenen Mietvertrag auch die Verwaltung der Immobilie mit ihren rund 155 Wohnungen übernommen.

Sie wird in den nächsten Wochen ein neues, frisches Gesicht erhalten: Die komplette Fassade des Hauses am Amselweg wird wo erforderlich saniert und erhält erstmals seit 40 Jahren einen Anstrich in fein abgestimmten Erdtönen nach einem ausgeklügelten Konzept. Im April, spätestens im Mai sollen die Arbeiten beginnen. Bereits saniert sind sechs Einheiten der Alten- bzw. Mitarbeiterwohnungen am Meisenweg.

Damit nicht genug. Die Überlegungen für eine neue Konzeptionierung und Gestaltung des Foyers wird in Angriff genommen. „Es soll wieder ein kommunikatives Zentrum für die Bewohner des Hauses und Besucher werden“, sagt Makola. Der Charme der 70er Jahre soll zwar einem zeitgemäßen Charakter weichen, aber anknüpfen möchte die Geschäftsführerin schon an die „alten Zeiten“, als das Seniorenzentrum auch ein Dreh- und Angelpunkt des gesellschaftlichen Lebens auf der Liester und somit ein Treffpunkt von Jung bis Alt war. Das neu gestaltete Foyer soll dann auch Impulse liefern, das Angebot an Veranstaltungen, Beschäftigungs- und Bildungsangebote sowie Ausflüge wieder vielfältiger zu gestalten. Dann soll auch der originäre Haupteingang wieder genutzt werden können, wenn er mit einem Windfang versehen worden ist.

Carsten Baye schwebt zudem vor, das Service- und Dienstleistungsangebot im Bereich des Foyers auszuweiten. Bislang bietet die Familie Lutter mit ihrem Kiosk die Basis für die Nahversorgung. Das Angebot soll ausgeweitet werden wie auf einem kleinen Marktplatz mit Café, erzählt Baye. Bis hin zu einer Poststelle und einem Reisebüro ist vieles denkbar.

In jedem Fall geplant ist eine Wiederbelebung der Kegelbahn im früheren „Liesterkeller“, die in der Blütezeit des Seniorenzentrums ein beliebter Anlaufpunkt war. Kurz nach der Jahrhundertwende musste aus Brandschutzgründen das Restaurant und damit auch die Kegelbahn die Pforten schließen. „Wie zukünftig der frühere Gastronomiebereich genutzt werden kann, ist derzeit noch offen“, sagt Gabriele Makola.

Ein neues Konzept ist auch deshalb erforderlich, weil im Bereich der heutigen Galerie vier Wohnungen entstehen sollen, sobald der ganz große Wurf ab August 2018 erfolgt ist. Dann soll die Geschäftsführerin die neue stationäre Pflege- und Tagespflege-Station nebst ambulanten Wohngruppen in der auf dem Schulgelände entstehenden Einrichtung in Betrieb nehmen können, die die GHS Immobilien GbR errichtet und an die SWZ langfristig verpachtet.

Mit der Inbetriebnahme sollen die beiden Pflegebereiche am Amselweg in weitere elf Wohnungen nebst einer ambulanten Hausgemeinschaft Demenz umgebaut werden. Welches Konzept genau dabei umgesetzt werden soll, ist noch offen. „Das ist ein großes Thema“, sagt Carsten Baye: „Wir spielen derzeit noch alle Optionen durch.“ Längst getan hat dies Gabriele Makola für „ihr“ neues Pflegeheim auf der Liester. Auf 17 Seiten aufgelistet hat sie als Anhang des Pachtvertrages eine umfangreiche Inventarliste.

Intensiv eingebunden in Neubau

Die regelt neben grundlegenden Ausstattungsdetails der Gebäude, wie rutschsichere Fliesen, Wannenlifter oder Türbreiten, auch jede Menge Kleinigkeiten: etwa Geschirr und Ausstattung der Küche. Da werden die 160 Gedecke nebst Besteck ebenso detailliert aufgelistet wie 40 Milchkännchen, 20 Salz- und Pfefferstreuer sowie die komplette Kücheneinrichtung. „Wir bekommen eine integrierte Großküche“, freut sich Makola, eine vergleichbare Anlage bereits selbst testen zu können. Von der Liester aus soll die neue Pflegestation ebenso wie das Haus am Amselweg versorgt werden. Das soll zunächst der bisherige Caterer leisten. Aber Makola schwebt letztlich eine eigene Küchenbrigade vor, um die Bewohner noch stärker einbinden und ihnen Mitmachangebote unterbreiten zu können.

„Wir werden bei dem Neubauprojekt intensiv eingebunden“, ist die SWZ-Geschäftsführerin erfreut über die Möglichkeit, ihre Visionen sichtbar zu machen.

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