Seniorenzentrum Stolberg: Möbel ziehen vom Amselweg in die Ukraine

Seniorenzentrum am Amselweg : Möbelstücke machen sich auf den Weg in die Ukraine

Das Seniorenzentrum am Amselweg ist Geschichte. Seit Ende November leben die Bewohner Auf der Liester. Doch was passiert nach dem Auszug? Die übriggebliebenen Möbel werden nun eine lange Reise antreten – und zwar in die Ukraine.

Das teilte Gabriele Makola, Geschäftsführerin der Einrichtung, glücklich mit. Die Möbel loszuwerden, sei nämlich gar nicht so einfach gewesen. „Wir haben einige Vereine angesprochen, aber die hatten erstaunlicherweise kein Interesse“, berichtet Makola. Zuerst habe man sich vorrangig auf Vereine konzentriert, die aus dem näheren Umfeld bekannt waren. Dazu gehörten auch die Johanniter und das Deutsche Rote Kreuz sowie der Lions Club. Doch keiner wollte die Möbel haben.

„Also haben wir weiter recherchiert und sind auf den Verein Brückenschlag Ukraine gestoßen“, erzählt Makola. Schnell habe man erste Kontakte aufgebaut und in einem langen Telefonat gemeinsames Interesse bekundet. Der Verein hat das Spendenangebot dankbar angenommen. „Wir sind gerade dabei, in Kovel ein Reha-Zentrum für Kriegsveteranen aufzubauen“, sagt Oleksander Mishchuk. Dort könne der Verein die Möbel gut gebrauchen. „Ganz viele funktionierende Teile sind übriggeblieben, es ist für uns ein sehr gutes Gefühl, das Mobiliar nicht entsorgen zu müssen“, freut sich Makola.

Unter anderem Betten, Schränkchen, Tische, Stühle und Sessel haben die Helfer in einem großen Lastwagen untergebracht. Bis die Möbel allerdings am Zielort in der Westukraine ankommen, kann es etwa vier bis sechs Wochen dauern. „Bei der Einführung kommen sie erst einmal unter Zollverschluss, da sie als humanitäre Hilfsgüter anerkannt werden müssen“, erzählt Mishchuk. Die Fertigstellung des Reha-Zentrums, das Kriegsveteranen sowohl aus dem Zweiten Weltkrieg als auch aus den heutigen Auseinandersetzungen in der Ostukraine aufnimmt, ist für das kommende Frühjahr geplant.

Wenn es so weit ist, will auch Geschäftsführerin Makola einen Eindruck von der Arbeit vor Ort gewinnen und sich ein Bild davon machen, wie ihre Möbel weiterverwendet werden. Für die Einweihung hat sie bereits ihren Besuch in der Ukraine angekündigt. „Wir sind auf jeden Fall sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben“, sagt sie. Und auch Mishchuk ist glücklich über die Spenden: „Wir sind dankbar, dass die Möbel bei uns ein zweites Leben bekommen.“

Vielleicht fühlen sich die Möbel in der Ukraine dann auch ein bisschen heimisch: Im Ort Kovel beginnt das Kennzeichen nämlich wie in Stolberg: mit AC. Diese kleine Anekdote erzählt Mishchuk, während er gemeinsam mit Makola den Lastwagen befüllt. Sie wiederum hat schon ein mulmiges Gefühl beim Ausräumen der Zimmer. Doch am neuen Standort sei bereits alles voll möbliert gewesen. Die Möbelstücke, die nicht in die Ukraine reisen, wurden verkauft. Der Erlös dafür wird für den Neujahrsempfang, der gleichzeitig die Einweihungsfeier am neuen Standort darstellt, verwendet.

Bis es so weit ist, stehen noch einige Arbeiten am Amselweg an. „Die restlichen Werktage vor Weihnachten sind ordentlich getaktet“, sagt Makola. Nachdem alle intakten Möbelstücke abgeholt wurden, wird drei Tage lang komplett entrümpelt. Zwischen Weihnachten und Neujahr folgt dann eine Putzaktion, schließlich muss alles besenrein übergeben werden. Im Januar ist das Kapitel „Seniorenzentrum am Amselweg“ dann endgültig abgeschlossen.

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