Stolberg: Seniorenzentrum auf der Liester: Wirtschaftspläne vorgestellt

Stolberg: Seniorenzentrum auf der Liester: Wirtschaftspläne vorgestellt

Im Seniorenzentrum am Amselweg ging es hoch her: Auf der Mitarbeiterversammlung Mitte November tauschten sich Angestellte, Geschäftsführung, Bürgermeister, Verdi und Vertreter des Rates der Stadt schließlich aus und sprachen nicht nur über die finanzielle Lage der Einrichtung, sondern auch über die Zukunft.

Dem Rat, der auch gleichzeitig als Gesellschafterversammlung der Einrichtung fungiert, wird Geschäftsführerin Gabriele Makola die aktuelle wirtschaftliche Situation der Einrichtung vorstellen. Das Jahr 2017 werde das Seniorenzentrum auf der Liester voraussichtlich mit einem Defizit von 376.000 Euro abschließen. Zum Vergleich: 2016 lag dieses Minus bei 101.000 Euro.

Was sich geändert hat? Der Umsatz ist gesunken. Von fast 3,7 Millionen Euro auf 3,1 Millionen Euro. Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier schlug deshalb bereits auf der Mitarbeiterversammlung vor, eine Kapitalrücklage von 600.000 Euro für die GmbH zu bilden. Diese könne aus dem investiven Haushalt finanziert werden und die Defizite der kommenden Jahre könnten so kompensiert werden.

Nach den derzeitigen Prognoserechnungen sei davon auszugehen, dass die Zuzahlung in die Kapitalrücklage in Höhe von 600.000 Euro bereits Ende des Jahres 2018 aufgezehrt sein werde. Aus Sicht der Verwaltung sei es allerdings dennoch sinnvoll eine Zuzahlung in die Kapitalrücklage in der vorgeschlagenen Höhe vorzunehmen, da die Prognoserechnungen, eine Reihe von derzeit nicht vollständig kalkulierbaren Sachverhalten enthalten.

Das bezieht sich vor allem auf die wirtschaftlichen Veränderungen auf der Liester ab dem 1. August 2018. Ab diesem Zeitpunkt wird das Leistungsangebot des Seniorenwohn- und Sozialzentrums um zwei weitere Fachbereiche erweitert: eine Tagespflege mit 20 Plätzen und eine ambulante Wohngemeinschaft mit 24 Plätzen. 18 bis 24 Monate benötige die Tagespflege, um die angenommene und realistische Auslastung von 90 Prozent zu erzielen.

Umzug zum 1. August

Mit dem Umzug der stationären Pflege zum 1. August ändert sich der Standort. Entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen müssen dann auch neue Versorgungsverträge und Pflegesatzverhandlungen abgeschlossen werden.

In diesem Jahr bezuschusste die Stadt das Senioren- und Sozialzentrum bereits mit insgesamt 270.000 Euro. Wird das Jahr 2018 voraussichtlich noch mit einem Minus von insgesamt 400.000 Euro abgeschlossen, so soll dieses im Jahr 2019 auf ein Minus von 169.000 Euro schrumpfen. Im Jahr 2020 soll dann ein Jahresabschluss von plus/minus Null herauskommen. Die schwarze Null soll auch am Ende des Jahres 2021 — in dem es von der Stadt keinen Zuschuss mehr geben soll — stehen. Gabriele Makola hat die klare Aufgabe, die Defizite ab dem Jahr 2020/2021 zu reduzieren.

Auch personell soll sich in der Einrichtung einiges tun. Derzeit sind gleich mehrere Stellen ausgeschrieben. Darunter eine Verwaltungsleitung, eine Pflegeleitung, Personalsachbearbeiter, eine Immobilienfachkraft und Pflegekräfte. Diese Stellen existieren im Stellenplan bereits müssen allerdings nachbesetzt werden. Ab dem 1. August 2018, also mit dem Umzug, werden dann neue Stellen geschaffen. „Besonders im Bereich Pflegedienst und Sozialdienst werden wir Stellen ausbauen, weil die Pflegestation wächst“, sagt Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier auf Nachfrage unserer Zeitung.

Derzeit gibt es 40,1 Stellen in der Einrichtung. Der Wirtschaftsplan sieht vor, dass diese bis 2021 auf 59,6 Stellen aufgestockt werden. Im Pflegedienst und Sozialdienst gibt es momentan 31,3 Stellen, die auf 48,6 Stellen im Jahr 2021 steigen sollen. Im Verwaltungsdienst soll die Anzahl der Stellen von 4,9 in diesem Jahr auf 7,0 in 2018 ansteigen und dann bis 2021 konstant bleiben. An der Stellenplanung der Geschäftsführung — eine Stelle — und des Hausmeisters — drei Stellen — ändert sich nichts.

Und was tut sich in Sachen Analyse der Arbeitsmarktbelastung? In der Mitarbeiterversammlung hatte man sich darauf verständigt, mit einer Analyse der Arbeitsplatzbelastung, die ein externer Anbieter durchführen soll, die Situation vor Ort darzustellen. Betriebsrat und Mitarbeiter sowie die Geschäftsführung hatten die Aufgabe, einen entsprechenden Fragenkatalog zusammenzustellen. Erste Gespräche darüber soll es im Januar geben, erklärte Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier.

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