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Stolberg: Seniorenzentrum Amselweg: Weniger Miese trotz verschobenem Umzug

Stolberg : Seniorenzentrum Amselweg: Weniger Miese trotz verschobenem Umzug

Lange war es ruhig um das Seniorenzentrum am Amselweg — bis jetzt. Dem Hauptausschuss und Stadtrat, der auch gleichzeitig als Gesellschafterversammlung der Einrichtung fungiert, stellt Geschäftsführerin Gabriele Makola am Dienstag den Jahresabschluss für 2017 und die betriebswirtschaftlichen Auswertungen zum ersten Quartal 2018 vor.

Die gute Nachricht vorweg: Auf Basis der Ergebnisse des ersten Quartals rechnet man für 2018 mit einem Gesamtdefizit von 330.000 Euro — daran ist der Zuschuss der Stadt in Höhe von 270.000 Euro bereits berücksichtigt — und liegt damit 70.000 Euro unter der Hochrechnung des bereits beschlossenen Wirtschaftsplans.

Hauptausschuss und Rat stellt Geschäftsführerin Gabriele Makola am Dienstag die Finanzpläne für das erste Quartal des Jahres vor. Foto: Sonja Essers

Zum Hintergrund: In seiner Sitzung im Dezember beschloss der Rat die Wirtschaftspläne für die Jahre 2018 bis 2021. Außerdem wurde die Bereitstellung außerplanmäßiger Haushaltsmittel in Höhe von 270.000 Euro sowie eine Kapitalrücklage der Gesellschaft in Höhe von 600.000 Euro beschlossen. Festgelegt wurde auch, dass Geschäftsführerin Gabriele Makola dem Rat jedes Quartal Auskunft über die finanzielle Situation der Einrichtung gibt. Dies geschieht nun zum ersten Mal in der Sitzung am Dienstag.

Vorausgegangen war diesen Beschlüssen eine wochenlange Diskussion über die finanzielle Situation und über Personalprobleme in der Einrichtung. Von Insolvenz, unbezahlten Überstunden sowie zahlreichen Langzeitkranken war die Rede. Nicht nur die Stolberger Politik schaltete sich ein. Auch die Mitarbeiter wandten sich in einem offenen Brief an Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier.

Das Fazit: Auf einer Mitarbeiterversammlung bezogen Betriebsrat, Mitarbeiter, Verdi und natürlich auch Makola und Grüttemeier Stellung. Die Geschäftsführerin und der Bürgermeister machten deutlich, dass die Einrichtung nicht von einer Insolvenz bedroht sei. Er habe nie gesagt, dass diese Einrichtung vor der Insolvenz stehe. Es gebe keine Insolvenzgefahr, erklärte Grüttemeier damals. Und auch Makola war sich sicher, dass es die Einrichtung auch im Jahr 2030 noch geben werde. Die Mitarbeiter forderten auf der Versammlung, dass man künftig offen und ehrlich mit ihnen umgehe.

Auf der Ratssitzung im Dezember stand allerdings nicht nur die finanzielle Situation der Einrichtung im Vordergrund. Es ging auch um den Umzug, der zum 1. August dieses Jahres stattfinden sollte. Damals zeigte Makola sich noch zuversichtlich, dass dies auch klappen würde. Auf der letzten Ratssitzung im März informierte Grüttemeier die Politik allerdings darüber, dass wetterbedingt die geplante Betriebsaufnahme der neuen Pflegestation zu diesem Termin nicht funktionieren würde. Geplant sei, dass der Umzug Anfang November stattfinde.

Belegungsstopp

Dieser Umstand macht sich auch in den Zahlen für 2018 bemerkbar. Aus dem verschobenen Umzug resultiert ein Belegungsstopp. Das bedeutet, dass maximal 48 Bewohner betreut werden dürfen, um die 80 prozentige Einzelzimmer-Quote einzuhalten. Dazu sind die Einrichtungen laut dem Wohn- und Teilhabegesetz (WTG) nämlich ab dem 31. Juli dieses Jahres verpflichtet.

In neu errichteten Einrichtungen sind nur Einzelzimmer zulässig, wobei Personen, die in einer Partnerschaft leben, auf Wunsch die Zusammenlegung von zwei Zimmern zu einer Nutzungseinheit ermöglicht werden kann. Die Nebenkosten, die für die Fachbereiche anfallen, seien derzeit durch den Investor noch nicht definiert, die Miete für die geplante Zentralküche müsse nachträglich verhandelt werden.

In den Verträgen mit dem Investor wurden bei Verzug der Fertigstellung ab der Bodenplattenlegung nach dem 1. August Schadensersatzforderungen vereinbart. Heißt: Für jeden Tag Verzug werden 3000 Euro fällig. Aufgrund des verschobenen Umzugs hat die stationäre Pflege vorsorglich eine Mietvertragsverlängerung bis zum 31. Dezember abgeschlossen. Der zusätzliche Monat sei nötig, um das Haus zu räumen und an den Vermieter zu übergeben.

Die Umzugskosten — egal, ob dieser am 1. August oder am 1. November stattfindet — betragen in beiden Fällen rund 25000 Euro. Die Miete ohne Nebenkosten für den Neubau beträgt — bei einem Umzug am 1. August — für die restlichen fünf Monate des Jahres 83.000 Euro. Bei einem Umzug am 1. November würden für zwei Monate Kosten in Höhe von 34.000 Euro entstehen. Die Miete beinhaltet die Tagespflege, die ambulanten Wohngemeinschaften, die stationären Wohnbereiche und die Zentralküche.

Und die Miete im Amselweg? Nach einem Umzug zum 1. August würden dort noch 27.000 Euro anfallen. Bei einem späteren Umzug würden die Mietkosten auf insgesamt 135.000 Euro ansteigen.

Momentan werde übrigens mit einem Verzug von 122 tagen gerechnet. Das bedeutet, dass — bei einem Tagessatz von 3000 Euro — ein Betrag von insgesamt 366.000 Euro zusammenkommen würde.

Hausmeisterkosten

Durch geringere Hausmeisterkosten konnten im Bereich Immobilienverwaltung 40000 Euro gespart werden, durch eine Langzeiterkrankung liegt zudem der Personalaufwand 30.000 Euro niedriger. Die Umsatzerlöse in der vollstationären Pflege sind um 230.000 Euro geringer als im Wirtschaftsplan angesetzt. Das liege unter anderem am verzögerten Umzug, die geplanten Mehrerträge im vierten Quartal 2018 könnten aufgrund des Belegungsstopps nicht erzielt werden.

Eine höhere Rückvergütung von Ausbildungsvergütungen durch den LVR sorgten dafür, dass die sonstigen betrieblichen Erträge um 24.000 Euro über dem Plan liegen. Beim Materialaufwand wurden mehr Aufwendungen für Catering im Wirtschaftsplan berücksichtigt, als aktuell anfallen. Das mache 16.000 Euro weniger in der Hochrechnung aus. Der hochgerechnete Personalaufwand liegt um 222.000 Euro unter dem Planansatz.

In der Tagespflege sind bis Ende März Beratungskosten in Höhe von 5000 Euro angefallen. Dabei ging es um die Beratung für Wirtschaftlichkeitsberechnung durch den Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. Im Bereich Tagespflege schließen Hochrechnung und Wirtschaftsplan mit einem Defizit von 103.000 Euro ab. Im Bereich ambulante Wohngemeinschaften sind noch keine Kosten entstanden. Hier wird mit einem Minus von 29.000 Euro für 2018 gerechnet.

In der ambulanten Pflege liegt der Umsatz um 25.000 Euro unter dem Planansatz, da derzeit nicht alle notwendigen Stellenvakanzen nachbesetzt werden können und der Umsatz — trotz guter Nachfrage — nicht steigerbar sei. Das liege vor allem am Personalmangel auf dem Markt. Das Ergebnis weist in diesem Bereich zum 31. März ein Plus von 66.000 Euro gegenüber einem Planergebnis von minus 11.000 Euro aus.

Neben dem Ausblick auf das laufende Jahr, steht auch die Prüfung des Jahresabschlusses für 2017 auf der Tagesordnung. Das Geschäftsjahr wird mit einem sogenannten Jahresfehlbetrag von 264.000 Euro abgeschlossen. Darin ist der Zuschuss der Stadt in Höhe von 270.000 Euro enthalten. Ohne diesen läge das Defizit bei 534.000 Euro.

Nach derzeitigem Stand sei die Gesellschaft bis zum 2020 auf Zuschüsse der Verwaltung in der bisherigen Größenordnung angewiesen, um die Zahlungsfähigkeit aufrecht erhalten zu können. Die Planung sah vor, dass 2020 ein Jahresabschluss von plus/minus Null herauskommen sollte. Die schwarze Null soll auch am Ende 2021 — in dem es von der Stadt keinen Zuschuss mehr geben soll — stehen. Makola hat weiterhin die Aufgabe, die Defizite ab dem Jahr 2020/2021 zu reduzieren.