Stolberg-Büsbach: Seit mehr als 70 Jahren dem Gesang verschrieben

Stolberg-Büsbach: Seit mehr als 70 Jahren dem Gesang verschrieben

Am letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Christkönigssonntag, singt der Kirchenchor St. Hubertus Büsbach im Rahmen seines 150-jährigen Jubiläums ein Fest-Hochamt in der Pfarrkirche. Aufgeführt wird die „Missa Brevis D-Dur“ von Wolfgang Amadeus Mozart mit kleinem Orchester und Solisten.

Die älteste Sängerin im Chor ist Helma Drees, die seit mehr als siebzig Jahren singt und davon mehr als fünfzig Jahre im Büsbacher Kirchenchor. Wie die Aachenerin auf den Kirchenchor St. Hubertus aufmerksam wurde, welches Repertoire ihr besonders gefällt und was sie an dem Chor schätzt, hat sie im Interview mit Marie-Luise Otten erzählt.

In welchem Alter haben Sie mit Singen angefangen und wo?

Drees: Angefangen habe ich im Schulchor an St. Leonhard in Aachen, später dann in den Kirchenchören St. Elisabeth und St. Martin. Im letzteren Chor habe ich 1952 meinen Mann Hubert Drees kennengelernt, der dort seine 1. Kantorenstelle antrat. Zehn Jahre später übernahm er die Organistenstelle in St. Hubertus Büsbach, pendelte aber noch ein Jahr zwischen Büsbach und Aachen.

Wie sind Sie persönlich auf den Kirchenchor St. Hubertus gestoßen?

Drees: Im Dezember 1963 folgte der Umzug nach Büsbach, und seit 1964 singe ich hier ununterbrochen im Kirchenchor mit.

In welcher Stimmlage?

Drees: Ich sang zunächst in der Soprangruppe, wechselte aber dann später in den Tenor, weil es dort an Stimmen mangelte.

Erklären Sie einem Nichtsänger den Unterschied zwischen Sopran und Tenor!

Drees: Singstimmen werden in Musikstücken nach der Tonhöhe in vier Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass aufgeteilt. Alt und Bass sind die tiefen Stimmen, Sopran und Tenor die hohen. In den Chören ist es durchaus üblich, das tiefe Frauenstimmen auch Tenorlage singen können.

Welche Voraussetzungen waren bei Ihrem Eintritt in den Chor nötig, z.B. Notenkenntnisse, gutes Gehör, ein Instrument zu spielen?

Drees: Vorsingen musste keiner, um in den Chor aufgenommen zu werden. Die Freude am Tun reichte schon. Hilfreich sind natürlich Notenkenntnisse und ein gutes Gehör.

Was schätzen Sie an der Kirchenmusik besonders? Welche Stücke sprechen Sie an?

Drees: Mir persönlich gefallen die Messen und Motetten gut, die jeweils für die einzelnen Anlässe gedacht sind. Denn die geistliche Musik lässt die Widrigkeiten des Alltags vergessen und lenkt den Blick auf Höheres und Überzeitliches.

Wie sieht ein Probe-Abend aus?

Drees: Nach den Einsingeübungen werden die Stücke, die für die nächste Aufführung anstehen, stimmenweise einstudiert, dann zwei-, drei- und vierstimmig zusammengefügt.

Was schätzen Sie an diesem Chor sonst noch?

Drees: Den Zusammenhalt und die Geselligkeit. Wir feiern Namenstage und das Cäcilienfest und unternehmen jährlich einen Chorausflug. Daneben gibt es eine Gruppe von Frauen innerhalb des Chores, die so genannten „Kaffeetanten“, die sich sporadisch treffen und etwas gemeinsam machen.

Unter wie vielen Dirigenten haben Sie gesungen?

Drees: Unter acht: meinem Mann, Alfons Müller, Günter Jansen, Joachim Neugart, Heinz Becker, Holger Kolodziej, Hermann-Josef Schulte und jetzt Franz Körfer.

Welche Ansprüche hatten die verschiedenen Chorleiter?

Drees: Alle pflegten die traditionelle Kirchenmusik mit Motetten und Messen der Renaissance, Klassik und Romantik . Und auch der gregorianische Choral wie die Rockmesse „Mass of Regeneration“ von Alan Wilson gehören natürlich dazu.

Wie war das für Sie, als Ihr Mann Chorleiter in Büsbach war?

Drees: Das war für mich kein Unterschied, da ich Privates von anderem durchaus gut trennen kann.

Welche Messen oder Konzerte sind Ihnen in guter Erinnerung geblieben?

Drees: An die „Krönungsmesse“ von Wolfgang Amadeus Mozart unter Leitung von Jo Schulte und an den „Messias“ von Georg Friedrich Händel unter Joachim Neugart denke ich gerne zurück. Zu den kleineren Aufführungen zählen die Mitgestaltung der Messfeier im hiesigen Bethlehem-Krankenhaus, in der Justizvollzugsanstalt Aachen und das Singen im Marienheim in Büsbach.

Welche Ereignisse verbinden Sie mit dem Kirchenchor St. Hubertus Büsbach sonst noch?

Drees: Die jährlichen Ausflüge mit jeweiliger Mitgestaltung der Messen am Zielort gefallen mir immer noch sehr gut. Auch die Proben-Wochenenden im Kloster Steinfeld und in der Abtei Rolduc verbinde ich immer mit guten Erinnerungen.

Was hat Ihnen im Jubiläumsjahr zum 150-jährigen Bestehen besonders gefallen?

Drees: Das Festkonzert am 21. Mai 2017 mit Werken von Bach, Händel, Mozart und Haydn sowie die Auftritte der Gastchöre.

Stimmt es, dass das Chorsingen glücklich macht und fit hält? Wenn ja, inwiefern?

Drees: Ja, ich freue mich immer auf jede Probe und Aufführung. Musik erfreut Geist und Seele und rückt manche körperliche Beschwerde in den Hintergrund. Ich wäre froh und dankbar, wenn ich, falls es meine körperliche und stimmliche Situation erlaubt, trotz meines hohen Alters, noch eine Weile mitsingen dürfte.

Wie hat sich die Kirchenchorszene in den vergangenen Jahren verändert?

Drees: Früher gestaltete der Kirchenchor einmal im Monat eine Messe, während an den drei anderen Sonntagen die Choralschola sang. Aufgrund veränderter Altersstruktur und durch die Situation der Chorleiter, die mehrere Kirchenchöre leiten, ist dies nicht mehr der Fall.

Wie kann der Kirchenchor in Zukunft überleben?

Drees: Es wäre wünschenswert, wenn sich jüngere Menschen oder auch ältere entschließen würden, mit uns zu singen und auch zu feiern.

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