Seit einem Jahr ist die Ampel an der Burgstraße in Stolberg in Betrieb

Ampel in der Altstadt : Geschichte der Burgstraße geht weiter

Seit einem Jahr ist nun die Ampel in der Altstadt in Betrieb. Die Belastung sinkt zwar, aber dennoch bleiben die Beschwerden der Anlieger.

Zu einem „running gag“ wird im September eine Station, die die Macher des ersten „StolRun“ gar nicht eingeplant haben: die Vogelsangstraße. Genauer gesagt die Ampelanlage mit Kennzeichenerfassung und Blitzer. Wer schnell genug die Anlage passiert, hat gute Chancen auf ein ungeplantes Erinnerungsfoto. Das ist die humorvolle Seite einer Einrichtung, die zum 1. März vergangenen Jahres in Betrieb genommen worden ist, um dem angeordneten Anliegergebot auf der verkehrsberuhigten Altstadtachse Nachdruck zu verschaffen. Doch nach einem Jahr hat die Medaille weiterhin mehrere Seiten.

Gelenkbusse ein Dorn im Auge

Die Geschichte ist alt, uralt. Sie reicht zurück in Zeiten, in denen die Burgstraße noch Hauptstraße hieß: 1972 war sie das de facto schon längst nicht mehr, aber mit zunehmendem Autoverkehr stieg auch die Belastung dieser Kreisstraße 6 im Altstadtquartier, das gleichzeitig immer mehr verfiel. Die Wende kommt 1981 mit dem Pilotobjekt an der Ecke von Eselsgasse, Luciaweg und Burgstraße: Die Altstadt wird saniert, für die K 6 entsteht eine neue Trasse durch den Burgholzer Graben, die 1985 zwar eingeweiht, aber eher wenig von den Autofahrern genutzt wird. Die meisten bevorzugen weiterhin die kürzere Route durch die Altstadt.

Und das, obwohl Durchgangsverkehr untersagt und mit dem bekannten blauen „Spielstraßenschild“ Schrittgeschwindigkeit geboten ist. Erste Protestaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Immer wieder machen Altstadtbewohner auf die eigentlich nicht tragbare oder zumindest widerrechtliche Situation aufmerksam. Nur bewegen konnten sie drei Jahrzehnte nicht viel. Gelegentlich versuchten sich die Behörden in Kontrollen oder zählten die Verkehrsbelastung. Es wurden Poller, Schranken und Einbahnstraßen vorgeschlagen und wieder verworfen. Nur der Verkehr floss weiterhin stetig und schnell über das Kopfsteinpflaster, auf dem sich im vergangenen Jahrzehnt neben den Bewohnern immer mehr Touristen gestört und gefährdet fühlen.

Die Wende kommt im September 2015, als sich der CDU-Ortsverband Mitte erneut an das Thema wagt und Bürgermeister Tim Grüttemeier Durchsetzungswillen zeigt. Der Weg zu einer Lösung ist freilich noch holprig und schwierig wie das Pflaster der Altstadt: Wie viel Verkehr haben wir? Wer ist Anlieger? Wem sind Umwege zuzumuten? Was darf eine Lösung kosten?

Definitiv kein Midi-Bus: Weiterhin verkehren Gelenkbusse auf der Altstadtachse, wie das Bild vom Donnerstag beweist. Foto: Herbert Bank

Um sachliche Diskussionen und politische Debatten abzukürzen: Nachdem Anfang 2017 das von Anliegern bemühte Verwaltungsgericht der Stadt die Pistole auf die Brust setzt, findet sich zum Herbst eine Mehrheit für einen Lösungsversuch, dessen Erfolg allerdings noch mit validen Zahlen belegt und genau unter die Lupe genommen werden muss. Letztlich soll es noch bis März 2018 dauern, dass der „checkpoint“ an der Vogelsangstraße oberhalb des Alter Markt seinen Dienst aufnimmt. Bis dorthin darf auf der 1,2 Kilometer langen Achse zwischen Lindchen und Steinweg jeder fahren. Die Durchfahrt ist aber nur den Anliegern dieses Quartiers sowie den Linienbussen gewährt. Sie erhalten anhand ihres Kfz-Kennzeichens Grün. Wer bei Rot fährt, wird geblitzt und erhält ein Knöllchen über 20 Euro wegen der Verletzung des Durchfahrtverbots.

Die Stadtverwaltung kontrolliert die Aufnahmen der Verkehrssünder auf ihre Richtigkeit, die Rechnung schickt die Städteregion.

Der erste Eindruck kurz nach der Testphase belegt: Es fahren deutlich weniger Autos durch die Altstadt. Erste Zahlen legt die Stadt im vergangenen Mai vor. Wurden zuvor im Tagesschnitt 2500 Fahrzeuge gezählt, so„schaltet die Ampel an einem normalen Werktag etwa 670 Mal auf Grün“, berichtete seinerzeit Pressesprecher Robert Walz. Alleine für die erste Mai-Woche verhängte die Städteregion 46 Verwarngelder.

Diese Zahlen sprechen für sich, können aber die Beschwerden der Altstadtbewohner nur zu einem Teil entkräften. Denn weiterhin wird zu schnell durch die verkehrsberuhigte Zone gefahren – darunter einige viel zu schnell. Weiterhin wird verbotenerweise geparkt, wo das Auto schnell zu einem Verkehrshindernis wird.

Und weiterhin ist der Busverkehr ein Dorn im Auge: Vor allem, weil einige Fahrer ihren tonnenschweren Kasten mit einem Rennwegen verwechseln und weil weiterhin Gelenkbusse in den engen Gassen unterwegs sind, die sich verkehrsbedingt immer wieder festfahren. Das gilt heute wie zu Beginn der Testphase, ist regelmäßig im Quartier zu hören.

Dabei sollten laut Verwaltung spätestens nach dem jüngsten Fahrplanwechsel nur noch Midi-Busse eingesetzt sein. Doch immer noch sind Gelenkbusse unterwegs. Und pikanterweise werden sie eingesetzt von privaten Busunternehmen bei Fahrten im Schülerspezialverkehr, den eigentlich die Stadt selbst beauftragt.

Derweil hat sich aus Sicht der Aseag, die das Viertel mit der Linie 72 bedient, die „neue Regelung bewährt“, so Unternehmenssprecher Paul Heesel: „Aus unserer Sicht gibt es keine Probleme.“

Zwar arbeitet das Ordnungsamt noch an einer genauen Analyse des ersten „Ampeljahres“, aber erste Erkenntnisse belegen, dass die zahlenmäßige Verkehrsbelastung der Altstadt weiter gesunken ist. „Stichpunktartigen Prüfungen zufolge passieren rund 550 Fahrzeuge pro Tag die Ampelanlage“, berichtet Walz. Dabei sind „insgesamt 743 zugelassene Fahrzeuge von Anwohnern“ beim Ordnungsamt registriert. Für sie schaltet die Ampel an der Kontrollstelle also automatisch auf Grün. Geblitzt werden dort pro Tag durchschnittlich zehn Verkehrssünder – ein seit den Anfängen konstanter Wert. Dabei kann der „checkpoint“ sogar ausgetrickst werden, wissen die Anlieger.

Klagen vor Verwaltungsgericht

„442 Verstöße im vergangenen Jahr geahndet hat die Städteregion“, sagt Behördensprecher Detlef Funken. Offensichtlich wurden die Verwarngelder akzeptiert, denn „davon ist kein Verfahren vor einem Gericht gelandet.“

Was nicht bedeuten soll, dass sich die Justiz nicht mehr mit der Burgstraße befasst. Im Gegenteil. Zwei Klagen (Az.: 2 K 176/18 und 2 K 2093/18) zum Komplex Verkehrsberuhigung sind beim Aachener Verwaltungsgericht noch anhängig, bestätigt Pressedezernent Dr. Frank Schafranek. Auf Wunsch seiner Mandanten möchte vor den Verhandlungen Rechtsanwalt Dr. Werner Pfeil noch nicht in die Details gehen. Die Geschichte der Burgstraße wird weiter geschrieben.

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