Seit 55 Jahren ist Rolf Meyer in der Ersten Großen KG aktiv

Interview der Woche : „Die größte Ehre war, Stolberger Prinz zu sein“

Seit närrischen 5x11 Jahren ist Rolf Meyer in der Ersten Großen KG aktiv und hat im Karneval viel erlebt. Jüngst wurde er im Düsseldorfer Landtag von dem Nordrhein-Westfälischen Landtagspräsidenten André Kuper geehrt, der Rolf Meyers ehrenamtlichen Einsatz für das Brauchtum Karneval würdigte. Dirk Müller sprach mit Meyer über sein jeckes Engagement.

Was verbirgt sich hinter den Funktionen, die Sie in der Ersten Großen ausüben?

Meyer: Als Schatzmeister kümmere ich mich um die Finanzen der KG, bin also der Kassenwart des Vereins. Mit Literat ist gemeint, dass ich für die Organisation von Prinzenproklamation, unserem Ordensfest, der Gala-Kostümsitzung und des Seniorenfests verantwortlich bin. Das bedeutet, ich kümmere mich um Programmzusammenstellung und Zeiteinteilung, Beschallung, GEMA-Abrechnung und Künstlergagen. Als Mädchen für Alles, mache ich, was sonst noch so anfällt, beschaffe zum Beispiel Orden, stelle Spendenquittungen aus und plane die Sitzeinteilung bei unseren Veranstaltungen.

War die Würdigung im Düsseldorfer Landtag die erste Ehrung, die Ihnen zu Teil wurde?

Meyer: Nein. Vom Bund Deutscher Karneval bin ich 2007 mit dem BDK-Verdienstorden in Gold ausgezeichnet worden. Im Jahr 2014 kam dann der BDK-Verdienstorden mit Brillanten hinzu, weil ich seit fünf Jahrzehnten im Karneval aktiv war.

Was bedeutet Ihnen die jüngste Ehrung vom Landtagspräsidenten?

Meyer: Das war schon toll. Vom BDK, also dem Dachverband der Karnevalisten, für den Einsatz im Karneval geehrt zu werden, ist die eine Sache. Dass aber auch die Politik auf Landesebene die ehrenamtliche Arbeit für das rheinische Brauchtum anerkennt und würdigt, empfinde ich als eine sehr gute Geste. Es war ein schöner Tag im Düsseldorfer Landtag und eine tolle Erfahrung für mich. Die höchste karnevalistische Ehre, die ich genießen durfte, war allerdings, dass ich 1986 Stolberger Prinz werden durfte. Diese Zeit ist für mich mit vielen unvergesslichen Erinnerungen verbunden. Es war eine einmalige Session.

Warum war Ihre närrische Regentschaft so einmalig?

Meyer: Ich war der 50. Stolberger Karnevalsprinz, und der Goldprinz Heinrich Holtz war als Präsident der Ersten Großen ebenso noch aktiv wie der Silberprinz Horst Reidt, der 1986 Schatzmeister unserer KG war. Dass Prinz, Silberprinz und Goldprinz alle gleichzeitig aktive Mitglieder der Ersten Großen sind, ist bisher einmalig. Außerdem durfte ich Prinz in einer Blütezeit des Stolberger Karnevals sein. Zum Beispiel hat die Erste Große damals ein Fest für ältere Karnevalisten organisiert – mit 860 Gästen in der Stadthalle. Zur Galasitzung der Ersten Großen sind mehr als 1000 Jecke gekommen.

Lang lang ist’s her: Rolf Meyer als Karnevalsprinz. Foto: Jürgen Lange

Und wie sieht es heutzutage mit den Besucherzahlen aus?

Meyer: Wenn heute 400 Gäste zur Gala-Kostümsitzung kommen, können wir zufrieden sein. Diesem Rückgang stehe ich größtenteils relativ ratlos gegenüber. Erklären kann ich mir aber, dass die älteren Karnevalsfreunde teils weggestorben sind und teils nicht mehr fit genug sind, um die Gala-Kostümsitzung zu besuchen. Und die jüngeren Leute sind, glaube ich, heutzutage schwerer zu motivieren, zu einer Sitzung zu gehen. Die Jugend hat heute eine riesige Bandbreite von Freizeitmöglichkeiten, sie ist mobiler als früher und fährt mitunter zum Beispiel lieber zu einer Karnevalsparty nach Köln, als in Stolberg eine Sitzung zu besuchen. Als Literat stellt mich das vor die Herausforderung, sowohl Programmpunkte für die älteren Generationen, als auch schmissige, moderne Auftritte für junge Leute auf die Bühne zu bringen. Das ist ein Spagat, den es zu meistern gilt.

Neulich war in einem Artikel unserer Zeitung zu lesen, dass Sitzungen für die gastgebenden Vereine Zuschussgeschäfte sind, die die Karnevalsgesellschaften also draufzahlen müssen. Wie ist das in Stolberg?

Meyer: Die Gala-Kostümsitzung der Ersten Großen kann definitiv nicht von den Eintrittsgeldern gegenfinanziert werden. Wir zahlen aus der Vereinskasse dazu, und das ist wohl bei allen Stolberger Karnevalsvereinen so, glaube ich. GEMA-Gebühren und Beschallung schlagen zu Buche, und die Künstler sind in Stolberg teurer als in Köln, weil sie durch die Hin- und Rückfahrt Zeit für weitere Auftritte verlieren. Wenn man aber keine bekannte Namen im Programm hat, nicht mit Karnevalsgrößen aus dem Kölner Raum aufwarten kann, bleiben die Gäste fern. Andererseits können wir in Stolberg auch nicht 40 oder 50 Euro für eine Eintrittskarte verlangen wie in Köln, denn dann wären die Säle auch wieder leerer. Große Sitzungen mit hochwertigem Programm können heute praktisch nicht mehr gegenfinanziert werden. Wir können den Karnevalsfreunden solche Veranstaltungen nur anbieten, weil Sponsoren, Gönner und Spender uns unterstützen, und wir auf die Vereinskasse, also auf die Mitgliederbeiträge zurückgreifen.

Prinz Meyer feierte seinne Regentschaft genüsslich. Foto: Jürgen Lange

Ein anderes Thema, das im Karneval zusehends zur Sprache kommt, ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Ist der Fastelovend immer noch eine Männerdomäne, und wie verhält es sich bei der Ersten Großen?

Meyer: Die Prinzengarde der Ersten Großen, der Elferrat und die Ehrenhut sind traditionell männlich. Das ist ein althergebrachtes Brauchtum bei der Ersten Großen, das meiner Meinung nach auch so erhalten bleiben soll. Dennoch verstehen wir uns als nicht als reinen Männerverein. Die Tanzgarde und die Marie der Prinzengarde sind weiblich, und grundsätzlich haben wir unsere Frauen gerne dabei. Schließlich wären einige von uns in der Session ohne ihre Frauen völlig verloren...

Wir befinden uns mitten in den Tollen Tagen. Wie hat sich der Straßenkarneval in den 5x11 Jahren, seit Sie aktiv sind, entwickelt?

Meyer: Beim Straßenkarneval zeigt sich eine Tendenz, mit der viele Vereine ganzjährig zu kämpfen haben. Der Beruf geht vor, und Berufstätige haben heute nicht mehr die Freiheiten wie früher, sich für ihr ehrenamtliches Engagement in Vereinen oder zum Feiern des Straßenkarnevals freizunehmen. Altweiberball beziehungsweise Fettdonnerstag, der Karnevalssamstag, Rosenmontag und Veilchendienstag sind ja auch keine gesetzlichen Feiertage, so dass viele Menschen arbeiten müssen. An den Tollen Tagen kommt hinzu, dass es in Stolberg weniger attraktive Anlaufstellen für junge Leute gibt als früher. Die Kneipen sind weniger geworden, und zentrale Party-Stellen wie das Zelt auf dem Kaiserplatz gibt es auch nicht mehr.

Was erwarten Sie vom Rosenmontagszug des Komitees in der Stolberger Innenstadt?

Meyer: Der Stolberger Rosenmontagszug wird in erster Linie ein fantastischer Triumphzug für Prinz Ecki I. und seinen Hofstaat. Der große Zug in unserer schönen Stadt ist immer ein großartiges Erlebnis für die Zuschauer, die Tollitäten im Zug und alle Aktiven, die in dem Zug mitgehen oder -fahren. Zahlreiche friedlich feiernde Jecken säumen die Straßen, grüßen freundlich, rufen fröhlich „Alaaf“ und freuen sich, die Tollitäten, die Wagen und die Fußgruppen in originellen Kostümen zu sehen. Das alles macht den Rosenmontag zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle Aktiven.