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Stolberg/Aachen: Sehen und gesehen werden in der Soers

Stolberg/Aachen : Sehen und gesehen werden in der Soers

Nicht zu fassen. „Jetzt gibt es überall grüne Kappen”, hadert Ronny Franklin mit ihrem Schichsal. Im vergangenen Jahr hatte die Reiterin noch nach einer Reitkappe im geliebten Grün im „Village” des Aachener CHIO gesucht. Vergeblich. Als wäre der Wunsch der Büsbacherin erhört worden, hat sie jetzt die Auswahl. Zu spät.

Mittlerweile hat sich Franklin im heimischen Handel mit einer neuen Kappe eingedeckt - in Grau. Da locken auch die grünen Reitjackets nicht mehr.

Stammgäste

Diesmal ist Ronny Franklin im Ladendorf des besten Reitturniers der Welt auf der Suche nach einer Reithose. Tochter Elisa Franklin ist bereits fündig geworden. Die schmucken Sandaletten trägt sie bereits an diesem heiß-schwülen Tag in der Soers. ´

Die beiden Turnierreiterinnen aus der Kupferstadt sind Stammgäste unter den hunderttausenden Besuchern, die alljährlich zum CHIO strömen. Darunter sind auch zahlreiche Stolberger.

Die meisten sind dem mehr oder minder verbunden, haben eigens Urlaub genommen für das größte Event in der Region oder kommen nach der Arbeit zur allabendlichen Party, zum Sehen und Gesehen werden, um den großen Reitsport hautnah zu erleben, aber auch zum Shoppen.

Der CHIO ist ein Wirtschaftsfaktor, von dem auch die Kupferstadt profitiert. Die Hotelbetten sind voll, die Besucher aus aller Welt lassen ihr Geld auch in Stolberg und Stolberger nutzen das einmalige Flair der Turniertage in der Soers, um sich zu präsentieren. Beispielsweise Andreas und Barbara Kohler.

Das Stolberger Modehaus ist nun zum zweiten Mal hautnah dabei. Mit einem eigenen Stand präsentiert Kohler eine neue Kollektion und wirbt so auch für den Einzelhandelstandort Stolberg.

„Der CHIO ist beste Werbung”, schwärmt Andreas Kohler von „einem einmaligen Flair” und einem „tollen Publikum”. Die ungewohnte Hitze macht allerdings wenig Lust auf das Anprobieren von Kleidung, hadert Kohler wie auch viele Händler-Kollegen mit der Hitze an den ersten Turniertagen.

Feilschen lohnt sich

Aber die besten Tage stehen den Verkäufern noch bevor: heute und morgen, wenn zu den Turnierhöhepunkten neben den Pferdekundigen auch die besonders Einkaufswilligen unterwegs sind. Ohnehin gilt der Sonntag als bester Tag für ein Schnäppchen. Je weniger man von der Turnierkollektion wieder in den heimischen Laden bringen muss, um so besser. Feilschen lohnt sich also.

Ob sie um das ein oder andere Projekt feilschen, bleibt das Geheimnis der Politiker. Aber auch für die Entscheidungsträger aus der Region ist der CHIO ein wichtiger Kommunikationspunkt. Insbesondere der Mittwoch, an dem traditionell um den Preis des Kreises Aachen geritten wird, wimmelt es nur so von Politikern aller Parteien.

Gesellig stehen die dann beisammen, die in den Parlamenten hart um unterschiedliche Meinungen ringen. So mancher Kompromiss wurde in der Soers gefunden.

Da stehen beispielsweise Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram, der Aachener SPD-Fraktionsvorsitzende Heiner Höfken und CDU-Kreisvorsitzender Axel Wirtz beisammen und nehmen sich gegenseitig gehörig auf die politische Schippe. Dann folgen einige vertrauensvolle Minuten fürs harte politische Geschäft.

Dem kommen auch die Spitzenkandidaten für die Städteregion nach. Helmut Etschenberg, Uwe Zink und Dr. Günter Pfeil sind anzutreffen, suchen das Gespräch, werben für die neue Städteregion - so auch im Interview am Stand unserer Zeitung.

Nicht ganz so günstig fällt diese CHIO-Woche in den Terminkalender des Landtagsabgeordneten. Einerseits ist Axel Wirtz als Vorsitzender des Sportausschusses des Landtages gefragter Gast in der Soers, andererseits läuft im heimischen Gressenich die Turnierwoche im Fußball an.

Und als Vorsitzender der jungen Spielgemeinschaft Stolberg wartet jede Menge Arbeit auf ihn. „Da kann ich natürlich nicht nur beim CHIO sein”, erzählt Wirtz als just in dem Moment der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Klaus Dieter Wolf an den Warsteiner-Oxer kommt. Und schon ruft wieder die Arbeit.

Der Warsteiner-Oxer, das ist der große Treffpunkt auf dem Turniergelände für die, die einen suchen, oder die, die gefunden werden wollen. Zwischen dem Stand unserer Zeitung und dem Richterturm, zwischen Ladendorf und Springstadion gelegen, ist der Getränkestand der Dreh- und Angelpunkt für die meisten Besucher.

Seit sieben Jahren schon sorgt Helmut Rombach hiermit seinem Team dafür, dass die Gäste nicht durstig bleiben. Nach seiner Karriere im Sturm von Alemannia Aachen konzentriert Rombach sich nun auf die Durchführung von Events und betreibt seit zwei Jahren ein Eisgeschäft am Büsbacher Markt. Mehr als zwei Dutzend Mitarbeiter gehen ihm an seinem „Oxer” zur Hand, damit keine Kehle trocken bleibt.

Freundlicher Empfang

Alemannia ist auch das Thema am Eingang zum VIP-Bereich. Hier hadert Julia Keulen mit dem Ausgang der Präsidiums-Wahlen des Aachener Traditionsvereins. Vor einigen Tagen scheiterte Günter Reinartz. Und der ist ihr Chef beim Finanzamt, den die 25-Jährige nur zu gerne an der Spitze der Kartoffelkäfer gesehen hätte.

Doch in diesen Tagen sorgt die Hostess gemeinsam mit den Aachenerinnen Diana Salan, Nina Bloitzheim und Sarah Fronk aus Düsseldorf für einen freundlichen Empfang der honorigen Gäste.

Julia Keulen ist dabei nur eine von vielen Helfern aus der Kupferstadt unter den gut 1150 Mitarbeitern, die für einen reibungslosen Ablauf des Turniers sorgen. So auch die Stolberger Hanne Wagner bei der Presse-Akkreditierung, Karl-Heinz Klintworth als Stallmanager bei den Gespannen oder auch Oberst a.D. Hans-Joachim Schaprian.

Ronny Franklin hatte aber wieder einmal Pech: Die gewünschte Reithose hat sie nicht gefunden. Dann klappt´s damit bestimmt im nächsten Jahr - falls sie nicht zwischenzeitlich anderweitig fündig wird.