Sechs Stunden Deutsch täglich: Schüler lernen für ein neues Leben

Von: Laura Beemelmanns
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Wenn die Schüler der IK mal ein Wort nicht wissen, stellen sie es pantomimisch dar oder versuchen es zu beschreiben. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Betritt man Raum A.3.0 des Ritzefeld-Gymnasiums, dann fallen einem sofort jede Menge Zettel auf, die an den unterschiedlichsten Gegenständen im Raum befestigt sind. Auf ihnen steht „rot“, „grün“, „die Uhr“, „das Glas“ oder „das Fenster“. Sieben Schüler haben in diesem Raum Platz genommen. Sie werden heute von Bärbel Heyser unterrichtet.

Heyser lehrt jedoch nicht an irgendeiner Schulklasse, sondern an der Internationalen Klasse (IK), die im Februar dieses Jahres an dem Gymnasium eingerichtet wurde. Die Schüler, die sie unterrichtet, sind Flüchtlinge. Und die vielen Zettel dienen der Erklärung von Alltagsbegriffen. Die Lehrerin für Mathe, Bio und Deutsch hat sich zusammen mit vier ihrer Kollegen freiwillig gemeldet, um die Internationale Klasse zu betreuen und zu unterrichten. Heute steht – wie fast immer – Deutsch auf dem Stundenplan.

Es ist bald ein halbes Jahr her, als sich die ersten Schüler am Ritzefeld-Gymnasium zum Unterricht in der IK trafen. Elf waren es damals, allesamt Flüchtlingskinder aus Syrien, Ghana, Somalia, Afghanistan und vielen anderen Ländern. Heute sind es schon 17, Tendenz steigend.

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Diese jungen Menschen hatten sich auf die große Reise begeben, bei der Furcht und Hoffnung so nahe beieinander liegen. Jetzt hoffen sie auf einen neuen Start in der Kupferstadt. Dafür müssen sie die Schulbank drücken. Und das tun sie mit wachsender Begeisterung.

Denn einige der Schüler werden in Fächern wie Englisch, Französisch, Sport oder Kunst schon in den Regelklassen unterrichtet. Diejenigen, die neu dazugekommen sind oder noch ein bisschen mehr pauken müssen, bleiben stundenweise in der IK. Deutsch lernen sie dort jedenfalls den ganzen Schultag – sechs Stunden lang. Mal mit dem Schwerpunkt Grammatik, mal mit dem Schwerpunkt Lesefähigkeit. Und die Schüler machen enorme Fortschritte.

„Die erste Internationale Klasse hat sich gut etabliert“, sagt Petra Jansen, Schulamtsleiterin. So gut, dass bereits jetzt eine zweite IK in Planung ist. Sie wird ebenfalls am Ritzefeld-Gymnasium eingerichtet. Und Jansen sagt: „Mit Sicherheit wird das dann nicht die letzte Internationale Klasse sein, die wir eingerichtet haben.“

Mehrere Klassen ermöglichen auch, die Schüler besser in Altersstrukturen und nach Kenntnisstand einzuteilen. Dazu dient zudem die Zusammenarbeit der Schulen untereinander. „Bisher läuft der Austausch zwischen den Leitern gut. Für das nächste Schuljahr planen wir regelmäßige Treffen, um die Koordination noch besser zu gestalten“, sagt Jansen. Denn wenn ein Schüler am Berufskolleg oder an der Realschule besser zurecht kommen würde, dann solle er auch dorthin vermittelt werden können.

„Insgesamt klappt alles wirklich sehr gut“, sagt auch Heyser. Die Zusammenarbeit untereinander, die Arbeit mit den Schülern – all das sei zu Beginn ein Versuch gewesen. Einen Leitfaden gebe es für solche Situationen schließlich nicht. Doch der Versuch habe sich gelohnt. Heyser sagt, dass die Schüler schon Freunde gefunden hätten und gut integriert seien. Natürlich gebe es auch mal Konflikte aufgrund der unterschiedlichen Kulturen, doch das sei nur selten der Fall. Und so ein Disput könne auch immer schnell gelöst werden.

Wichtig sei nun, auf die traumatischen Erlebnisse der jungen Menschen einzugehen. „Das Unterrichten macht Spaß, aber wir sind nicht für alles ausgebildet. Daher haben wir eine Traumatherapeutin kontaktiert und arbeiten eng mit dem schulpsychologischen Dienst zusammen“, sagt Heyser. Denn ganz ohne Hilfe ließe sich dieses Projekt nicht realisieren. „Viele Eltern helfen uns und wir erhalten auch immer wieder Sachspenden wie Schulhefte oder auch Laptops.“ Davon könnten sie allerdings noch mehr gebrauchen. Hefte, Stifte, Blöcke und Wörterbücher nimmt die Schule gerne entgegen.

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