Schützenfest Stadtmitte

Mit Kirnes : Schützenfest Stadtmitte

Seit wann es die Kirmes in Stolberg gibt, ist leider nicht genau zu datieren, aber um die zweihundert Jahre werden es sicherlich sein. Traurig wäre es daher gewesen, wenn dieses alte Brauchtum im vergangenen Jahr, als der Schaustellerverband der Städteregion Aachen sich aus der Organisation des Kupferstädter Volksfestes zurückzog, ein Ende gefunden hätte.

Glücklicherweise widersprach diese Tatsache dem Traditionsbewusstsein der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft 1659 Stolberg-Mitte, die sich deswegen kurzerhand entschloss die Ausrichtung der diesjährigen Kirmes zu übernehmen.

Eine große Aufgabe, in die die Vereinsmitglieder, so der erste Brudermeister Stefan Doncks, „in den vergangenen Monaten viel Zeit und Arbeit investieren mussten“ – aber sie haben es geschafft. Am Freitag konnten sie auf dem Kaiserplatz eine kleine aber feine „Schützenkirmes“ – so die neue, offizielle Bezeichnung - eröffnen. „Natürlich können wir uns nicht mit den großen Volksfesten im Umkreis messen, aber das war und ist auch gar nicht unser Anspruch. Wir wollten einfach, dass für jeden etwas dabei ist und das haben wir, davon bin ich überzeugt, erreicht“, erklärt Doncks und fügt lachend hinzu: „Man hat mir eben noch versichert, dass wir das gesamte Stromkontingent der Örtlichkeit ausgeschöpft haben, mehr wäre also eh nicht gegangen.“

Und tatsächlich sollte sich jeder Besucher in dem abwechslungsreichen Programm wieder gefunden haben. Wem die Hauptattraktion „Mr. Beat“, bei der man bei fast 90 Grad Schräglage in Gondeln durch die Luft gewirbelt wurde, zu aufregend war, der konnte sich, ganz klassisch, einen leckeren Backfisch oder bunte Zuckerwatte schmecken lassen und anschließend an den weiteren Ständen vorbeischlendern. Die kleinen Besucher düsten im „Mini-Jet“ durch die Lüfte.

Nicht vernachlässigen darf man jedoch, dass es an diesem Wochenende – genauer von Freitag bis Montag - nicht nur um die Kirmes ging. Eingebettet war diese nämlich in das alljährliche Schützenfest der Bruderschaft, die in diesem Jahr ihren dreihundertsechzigsten Geburtstag feiern konnte, und das Bezirksschützenfest. Nachdem die Kirmes bereits Freitagnachmittag eröffnet worden war, luden die Schützen am frühen Freitagabend zum Fassanstich des gespendeten 20-Liter-Fasses.

Unter den wachsamen Augen des Festwirtes und zweiten Brudermeisters, Christian Bensch, und des diesjährigen Schirmherrn und langjährigen Vereinsmitglieds, Michael Wirtz vom Hof Grünthal , sowie zahlreicher weiterer Gäste, meisterte Bürgermeister Patrick Haas diese Aufgabe bravourös. Bevor er zur Tat schritt, vor der er „auch schon ein bisschen Angst“ hatte, bedankte er sich bei der versammelten Schützengemeinschaft, dafür, „dass durch ihren Einsatz die Kirmes in Stolberg erhalten werden konnte“.

Nachdem man sich bei einem Freibier abgekühlt hatte, konnte man auf der 80er-90er Party mit DJ Jörg Giesen noch lange das Tanzbein schwingen. Das Jubiläumsfest anlässlich des 360. Geburtstages der St.-Sebastianus-Schützen am Samstagabend, eröffnete Michael Wirtz mit einer anerkennenden Rede, bevor der Alleinunterhalter HaPe (Hans-Peter) Jonen aus Baesweiler mit seiner Trompete und Liedern zum Mitsingen und -tanzen sowie die junge Gressenicher Band „ De Kättestrüsch“ den Auftakt zu einem langen „Kölschen Abend“ bildeten.

„Bei der Auswahl der Mitwirkenden haben wir bewusst darauf geachtet, Kräfte aus der Umgebung zu engagieren, denn das Fest soll ja regional sein“, erklärte Doncks zur Auswahl der Künstler. Am Sonntag, dem dritten Festtag, feierte man in diesem Jahr gleich zwei Höhepunkte: die Inthronisierung der neuen Majestäten der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft 1659 Stolberg-Mitte, die Christi Himmelfahrt ermittelt worden waren, und gleichzeitig das Bezirksschützenfest der sieben im Bezirksverband Stolberg zusammen geschlossenen Schützenbruderschaften.

Während der Messe in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt, mit der man in den Tag startete, wurden die neuen Majestäten in ihr Amt eingeführt. Neuer Schützenkönig ist Siggi (Siegfried) Heinze, der diese Würde von seiner Frau Gabi, der Schützenkönigin des vergangenen Jahres, übernahm, das Amt des Jungprinzen hat sich Philipp Rzepecki „erschossen“ und bei den Bambinis, bei denen mit einem Korkgewehr auf einen Legovogel geschossen wird, setzte sich der vierjährige Simon Bensch durch und ist daher neuer Miniprinz des Jahres 2019/2020.

Erstmalig seit der Einführung dieses Amtes, dessen erster Träger der heutige erste Brudermeister Stefan Doncks war, konnte man keinen Schülerprinzen ehren, denn obschon der Verein, der zur Zeit etwa 75 aktive und inaktive Mitglieder zählt, noch über genügend Nachwuchs aus den eigenen Reihen verfügt, gab es in der Alterklasse bis 15 Jahren in diesem Jahr keinen Anwärter.

Das Interesse von Jungschützen außerhalb des Vereins zu wecken, scheitert oftmals daran, so die 1. Schießmeisterin, Anita Nießen, „dass vor allem in den Grundschulen die Mitgliedschaft in einem Schützenverein mittlerweile verpönt ist. Das Benutzen von Schusswaffen hat einen faden Beigeschmack bekommen. Dabei geht es im Verein gar nicht ausschließlich ums Schießen, sondern vor allem auch um die Förderung von Gemeinschaft und Zusammenhalt.“

Im Anschluss an den Gottesdienst zogen die neuen Majestäten, unterstützt von den angeschlossenen Bezirksbruderschaften und Musikcorps, in einem festlichen Zug von der Mühle aus, vorbei am fröhlich sprudelnden Wasserspiel im Bastinsweiher und mit einem kleinen Schlenker vorbei am „Samaritanerheim“ quer durch die Innenstadt in Richtung Kaiserplatz, wo die Feierlichkeiten mit Ansprachen, Königstanz, Preisverteilung aus dem Bezirksehrenschießen und mit viel Tanz und Unterhaltung fortgesetzt wurden.

Nach so ausgiebigen Feieraktivitäten ließ man dann das Festwochenende am Montag mit einem Familientag etwas ruhiger ausklingen und zog folgendes Fazit: „Die Vorbereitung, die Durchführung und jetzt zum Schluss das Aufräumen, waren zwar anstrengend und es brachte uns zeitweise an unsere Grenzen, aber das ist es uns wert gewesen unser Brauchtum weiter nach vorne zu bringen.“

(abu)