Stolberg: Schüler werden in die Steinzeit versetzt

Stolberg: Schüler werden in die Steinzeit versetzt

Der Kraftaufwand ist gering. Entscheidend ist die richtige Schlagtechnik. Denn Feuerstein lässt sich verglichen mit anderen Materialien relativ leicht spalten.

Diese Erfahrung machte jetzt Selim Kaya, der von dem Steinzeitexperten Hartmut Albrecht angeleitet aus einem Feuersteinbrocken scharfkantige Klingen herstellte. Ebenso Lekan Chefiu. Auch ihm gelang es ohne große Mühen, in kurzer Zeit mehrere Feuersteinabschläge herzustellen, die, wenn sie ein wenig nachbearbeitet würden, ohne weiteres als Pfeilspitzen oder Messerklingen zum Einsatz kommen könnten.

Die beiden elf und zwölf Jahre alten Jungen gehörten zu den drei fünften Klassen der Ganztagshauptschule Kogelhäuserstraße, die sich im Rahmen eines Projekttages mit dem Leben in der Steinzeit beschäftigten. Neben dem Erlernen von Techniken zur Waffen- und Werkzeugherstellung, beschäftigten sich die Jungen und Mädchen mit Höhlenmalerei, Ausgrabungsmethoden und dem Backen von Brot. „Der Projekttag ist nur der Abschluss einer intensiven Vorbereitungszeit. Denn schon seit Januar beherrscht das Thema Steinzeit den Unterricht”, sagt Lehrerin Helga Ohm, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen den Projekttag vorbereitet hat.

Experte ist zweifelsohne aber der 57-jährige Grafik-Designer Hartmut Albrecht. Denn er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren intensiv mit der Steinzeit und hat unter anderem beim Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland eine Ausbildung als Animateur und Freizeitpädagoge absolviert. Albrecht weiß, worauf es ankommt, um die Schüler in das Geschehen einzubeziehen. Gekleidet nach Steinzeitart in einer Felljacke und Lederleggins sitzt er inmitten der Gruppe und demonstriert in lockerer Form steinzeitliche Verarbeitungs- und Herstellungsmethoden. Dazu gehört auch, dass man weiß wie man ein Feuer ohne Streichhölzer anzünden kann. Die entsprechenden Materialien - Feuerstein, Markasit und Zunderschwamm - hat Albrecht gleich mitgebracht.

Funken erzeugt er, indem er mit dem Feuerstein das Stück Markasit bearbeitet. Als Albrecht die Funken auf den aus getrocknetem Baumpilz hergestellten Zunder fallen lässt und als Brandbeschleuniger Schilfpollen einsetzt, lodert innerhalb weniger Sekunden eine kleine Flamme. Damit alle Klassen in den Genuss der Albrecht-Vorführung kamen, wurden nach rund zwei Stunden die Gruppen ausgetauscht. Spannende Demonstrationen boten aber auch die anderen Gruppen. So konnte man beispielsweise aus natürlichen Materialien wie Ton oder Erde Farben herstellen und ein kleines Tierskelett freilegen, das sich in einer gipsähnlichen Masse befand. Weil Albrecht die Techniken so perfekt demonstrierte, verleitete es Selim Kaya zu der Frage: „Könnten Sie eine Woche in der Steinzeit leben?” „Ohne weiteres. Aber danach benötigte ich dringend eine heiße Dusche”, versicherte mit einem Lachen der Steinzeitexperte.

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