„Das Grauen kann viele Gesichter haben“: Schriftstellerin Elke Haut präsentiert Passagen aus neuem Buch

„Das Grauen kann viele Gesichter haben“ : Schriftstellerin Elke Haut präsentiert Passagen aus neuem Buch

Dienstagabend war Lesetag des Fördervereins in der Stadtbücherei. Das bedeutete eine Autorenlesung mit der in Stolberg lebenden Elke Koch, die in der unteren Etage der Bücherei in der Frankentalstraße aus ihrem neuen Buch „Club der Geschichtenerzähler“ vorlas.

Die Schriftstellerin, die unter dem Pseudonym Elke Haut schreibt, hatte signifikante Textstellen ausgewählt und vermittelte den Zuhörern einen guten Eindruck von ihrem Werk. Dabei geht es um die Maske des Grauens, die viele Gesichter kennt. Wo sie sich versteckt und wie sie Schrecken verbreitet, kam in diversen Erzählungen zum Ausdruck.

So handelt der Prolog von einem Sonntagnachmittag im April, an dem Olga an einer Theke nette Leute kennenlernt, die sich von da ab regelmäßig zum Gedankenaustausch treffen, wobei sie auch nicht Ausgesprochenem Raum geben. Als Mutter des kleinen Antons gibt sich die schrullige Krankenschwester Erna. Sie steht vor dem Kinderbett des leukämiekranken Dreizehnjährigen, der nie Besuch bekommt.

„Der Mord in den Ardennen“ spielt in der tiefsten Wallonie, wo der Protagonist eine neue Harley einweiht. An einer moosbewachsenen Friedhofsmauer steht ein verlassenes Damenfahrrad, das ihn neugierig werden lässt. Was die Krähen auf der Mauer zu bedeuten haben, lässt sie offen. Elke Haut hört immer da auf zu lesen, wo es gerade spannend wird. Ihre zum Teil skurrilen und makabren Geschichten schreibt sie in einer Art Rolle, ähnlich wie sie der Schauspieler spielt.

Die Eigenarten, Besonderheiten und Charakteristika der fiktiven Figuren hat sie beeindruckend heraus gearbeitet und berührt damit die Leser. Die Menschen spüren, dass die teils kurzen und prägnanten Geschichten authentisch sind und Tiefgang haben, weil sie bei den wirklichen Dingen im Leben bleibt. Das Grauen ist schwer zu durchschauen, weil es mehr im Hintergrund bleibt. Der Autorin ist wichtig, dass der Leser mitarbeitet und über eine Lösung nachdenkt. Zwischen den einzelnen Geschichten erklingt Flötenmusik von Elke Kochs Bruder Fritz, während ihre Schwester das Mignon-Lied „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“, ein Lied voller Sehnsucht nach dem Geliebten und Beschützer, singt.

Zeitlebens war Elke Koch im kreativen Bereich tätig. Als examinierte Grafikerin mit Design-Studium in Krefeld arbeitete sie 25 Jahre bei Mäurer & Wirtz, hatte dreißig Jahre lang eine eigene Heilpraktiker-Praxis inne und war parallel dazu als bildende Künstlerin unterwegs. Jetzt im Alter hat sie das Schreiben für sich entdeckt, das ihr unglaublichen Spaß macht. Dank ihrer reichen Lebenserfahrung und guten Beobachtungsgabe gehen ihr die Ideen nicht aus. Im Anschluss an die Lesung beantwortete Elke Haut, die 1941 in Berlin geboren, dort und in Düsseldorf lebte und seit fünfzig Jahren in Stolberg Rheinland wohnt, gerne Fragen aus dem Publikum und signierte die gekauften Bücher, während die Leser sich noch bei einem Umtrunk unterhielten.

(mlo)
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