Schriftsteller Dietmar Sous stellt in der Stadtbücherei „Lesebuch“ vor

Schriftsteller Dietmar Sous : Die große Literatur kommt vom Breinigerberg

Begriffe wie „Greatest Hits“, „Best of“ und „remastered“ sind eher aus der Musikbranche bekannt, angewendet werden können sie aber auch in der Literatur. Bestes Beispiel dafür: das jüngst erschienene „Lesebuch“ des Stolberger Autors Dietmar Sous.

Daraus las der Schriftsteller vom Breinigerberg nun in der Stadtbücherei, und den Gästen wurde dabei einiges deutlich. Zunächst die Besonderheiten der aktuellen Veröffentlichung. Das „Lesebuch“ ist von der „Kleinen Rheinischen Bibliothek“ im Auftrag der Nyland-Stiftung in Verbindung mit dem Rheinischen Literaturarchiv im Heinrich-Heine-Institut herausgegeben worden.

Zum 65. Geburtstag von Dietmar Sous hat Martin Willems Auszüge aus Romanen, Erzählungen, Essays und Buchkritiken des Stolberger Schriftstellers zusammengestellt, so dass das „Lesebuch“ als „Greatest Hits“ oder „Best of Dietmar Sous“ gelten kann. „Remastered“ sind die Texte nicht nur, weil die Schreibweisen an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst sind. Dietmar Sous nahm das Wiederlesen seiner Texte nach teils mehr als drei Jahrzehnten auch zum Anlass, diese zu überarbeiten.

Das Resultat zeugt davon, welchen Ausnahme-Autor die Kupferstadt beherbergt. Bei der Lesung in der Stadtbücherei konnten die Besucher sich von einer in Stolberg eher kaum bekannten Tatsache überzeugen: Am Breinigerberg entsteht große Literatur. Das „Lesebuch“ ist bereits das 16. Buch von Dietmar Sous, und aus dem Kontext seiner Romane losgelöst entfaltet seine Prosa eine spezielle Qualität. Vor allem die kurzen Auszüge brechen die Grenze zwischen Prosa und Lyrik auf und offenbaren Sous‘ großes – weil auch immer emotionales – sprachliches Vermögen.

Seine Bücher haben immer einen eigenen „Sous-Sound“, sie klingen und sie riechen, weil der Autor es meisterhaft versteht, den Leser in Situationen und in Stimmungen hineinzuziehen. Die Protagonisten sind eben deswegen Helden, weil sie Verlierer sind. Oft sind die Handlungen pointiert, erscheinen dem Leser dabei – wenn auch clever konstruiert – stets wie organisch gewachsen. Die Geschichten wie die Helden sind tragikomisch. Humor und Melancholie sind in Sous‘ Literatur keine Gegensätze, sondern miteinander harmonisierende Komponenten, die das Lesen seiner Bücher zu einem ernsthaften Vergnügen machen.

Ganz nebenbei ist die zeitgenössische Literatur von Dietmar Sous immer auch ein Zeitdokument. Dabei hält er der Gesellschaft nicht den Spiegel vor, sondern spiegelt vielmehr die Menschen in der Gesellschaft wider, wobei der Autor sich oftmals eines weiteren Kunstgriffs bedient und einen beileibe nicht zahnlosen, aber dennoch liebevollen Sarkasmus anwendet. Die großen literarischen Sujets wie Liebe, Tod, Schuld, Gesellschaft und Individuum ergänzt Sous in seinen Werken mit einer leichten Selbstverständlichkeit um Themen wie Musik und Fußball und nicht zuletzt Freundschaft, die Sous selbst viel bedeutet.

Davon zeugt spätestens der im Herbst 2017 erschienene Roman „San Tropez“, in dem der Schriftsteller dem Künstler und seinem besten Freund Win Braun ein literarisches Denkmal setzt, das wohl nur Stolberger Leser als solches erkennen werden. Tatsächlich erfindet Sous in seinen Büchern das Genre der Heimatliteratur neu. Denn die Dörfer und die in der Nähe befindlichen Städte seiner Romane können überall in Deutschland sein, doch bei genauer Lektüre ist die Stadt meist Aachen, und die Dörfer wie Breinig und der „Balkan“ Breinigerberg sind in Stolberg.