Stolberg: Schöne Kleider machen Leute, Leute machen aber auch Kleider

Stolberg: Schöne Kleider machen Leute, Leute machen aber auch Kleider

Prima gemacht, Professor Dr. Roland Fuchs: Dieses Prädikat verdient ein Vortrag, den der Vorsitzende des Fördervereines „Torburgmuseum“ jetzt in den Räumen der zuvor genannten Museums hielt.

Schließlich hatte Roland Fuchs rund 40 Besuchern unter dem Motto „Kleider machen Leute - Leute machen Kleider“ einen spannenden Einblick in die Geschichte der Stolberger Textilproduktion vermittelt.

Untermalt hatte der Mediziner und Lokalhistoriker seinen Vortrag mit zahlreichen Bildern, die er in Form einer Power-Point-Präsentation zeigte. Bilder, die sich unter anderem auch mit der Gestaltung des Treppengeländers des Roten Hauses in Monschau beschäftigen.

Denn das Schnitzwerk dieses Geländers - das Rote Haus entstand Mitte des 18. Jahrhunderts und war der Sitz der Tuchdynastie Scheibler - enthält zahlreiche Szenen, die eindrucksvoll und detailliert die einzelnen Arbeitsschritte der damaligen Tuchherstellung erläutern. Szenen, die auch für die Produktionsprozesse der Stolberger Textilindustrie stehen, die Anfang des 18. Jahrhunderts von Matthias von Asten im ehemaligen Kupferhof Schart begründet wurde.

Denn das Wasser der Vicht wurde laut Fuchs zum Antrieb der Walkmühlen genutzt und diente dem Waschen, Färben und Veredeln sowohl der Wolle und des fertigen Tuches.

Überwiegend Feintuch

Ebenso wie in Monschau wurden auch in Stolberg überwiegend Feintuche hergestellt. Standorte und Zentren der Stolberger Tuchindustrie, die Blütezeit war von der Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts, waren neben dem Kupferhof Schart, die Höfe Krone und Offermann in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Willy-Brandt-Platzes.

Ein weiteres Zentrum der örtlichen Textilherstellung hatte sich in der Nähe der alten Ellermühle an der Rathausstraße befunden. Dort lag einst die so genannte „Sayette-Spinnerei“. Außerdem hatte der Kupferhof Grünenthal unter der Familie Lynen-Dumont zeitweise der Tuchproduktion gedient. Diese Standorte wurden von Fuchs eingehend und übersichtlich dargestellt.

Außerdem vermittelte er den Besuchern auch Einblicke in die Geschichte der Familien Offermann und Stoltenhoff, die einst neben den Unternehmern Schmitz, Färber, Scheibler und Maaßen das Stolberger Textilgewerbe dominiert und gestaltet hatten. Den Besuchern gefiel der zweistündige Vortrag. Lang anhaltender Applaus war der Dank für Roland Fuchs, der sich im Vorfeld der Veranstaltung intensiv dem Thema gewidmet und viele Quellen gesichtet hatte.

Abgeschlossen wurde das Abendprogramm zum Thema passend mit einer Diskussionsrunde. Fortsetzen wird Roland Fuchs seinen Vortrag, am Donnerstag, 7. Juli, 19.30 Uhr im Torburgmuseum, Luciaweg. Dann steht Teil zwei auf dem Programm. Schwerpunkt wird dann die Geschichte der Textilherstellung in dem einst von der Reichsabtei Kornelimünster beherrschten Münsterbachtal sein.

(dö)