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Schöne Karten selbst machen mit „Handlettering“

Besonderes Hobby : Schöne Karten selbst machen mit „Handlettering“

Eine mit Brush-Pens gefüllte Federmappe und ein Stapel Druckerpapier. Das ist alles, was Michelle Conrads für ihr Hobby braucht. Die 19-jährige Studentin hat sich das sogenannte Handlettering, die Kunst des Buchstabenzeichnens, selbst beigebracht und gestaltet seit circa zwei Jahren Kommunions-, Hochzeits-, Geburtstags, Tisch- und Postkarten sowie Logos, Holzschilder und Ringkästchen.

„Nach meinem Abitur wollte ich eigentlich Design in Köln studieren“, erzählt die Mausbacherin. Für die Bewerbung sei jedoch eine Mappe notwendig gewesen, die sie sich damals nicht getraut habe, anzufertigen. Aus diesem Grund entschied sie sich für einen Zweifach-Bachelor in Niederländisch und Englisch an der Universität zu Köln. „Aber jetzt mit dem Handlettering will ich in einem Jahr noch ein duales Design-Bachelorstudium machen“, sagt Conrads.

Die Studentin entdeckte das Handlettering vor zwei Jahren auf Instagram. „Da dachte ich, ich versuch es einfach mal und habe einen Adventskalender für meine Mutter gestaltet mit einem Bild für jeden Tag.“

Für ihr Hobby braucht die 19-Jährige sogenannte Brush-Pens, Filzstifte mit flexibler Pinselspitze. Diese ermöglichen, die Dünne und Dicke des Buchstabens beim Zeichnen zu variieren. Um Handlettering zu lernen, empfiehlt Conrads für den Anfang Bleistifte oder normale Filzstifte. Denn: „Gute Brush-Pens sind zwar in jedem Kreativshop zu kriegen, kosten aber vier Euro pro Stift“, erklärt die Studentin ihr teures Hobby.

Der Unterschied zur Kalligrafie, der Kunst des Schönschreibens, sei, dass beim Handlettering nicht so akkurat gearbeitet werde. „Bei der Kalligrafie befinden sich die Buchstaben auf einer Linie und Höhe, sie sehen gleich aus“, sagt Conrads, wohingegen beim Handlettering „gebounced“ werde: Die Buchstaben können versetzt, mal größer, mal kleiner und schief geschrieben werden. Außerdem können verschiedene Schriftarten innerhalb eines Satzes kombiniert werden.

Als die 19-Jährige vormacht, wie die Neigung des Stifts sein und wie der Druck ausgeübt werden muss, sieht das Handlettering einfach aus. Doch beim Selbstversuch zeigt sich, dass die Kunst leichter aussieht, als sie ist. „Fester drücken, sonst funktioniert es nicht“, sagt die Studentin schmunzelnd. Wer sich intensiv mit Handlettering beschäftigt, lernt die verschiedenen Techniken. Auf Übungsblättern von Conrads wird zum Beispiel der Abstrich trainiert: Dabei wird der Stift von oben nach unten geführt und viel Druck für die Buchstabendicke ausgeübt – der Aufstrich funktioniert genau anders rum. „Die Besonderheit beim Handlettering ist, dass im Gegensatz zur Typografie, bei der jeder Schriftarten nachkaufen kann, alles handgeschrieben und individuell gestaltet ist“, sagt Conrads.

Der Trend habe seinen Ursprung in Japan und sei erst in den USA und schließlich in Deutschland angekommen, erläutert die Studentin. Mit der Applikation „Procreate“ fürs Tablet hat sie ihr Hobby auf die nächste Stufe gebracht: Mit einem Tablet-Stift, der wie ein Brush-Pen reagiert, funktioniert das Handlettering digital. Es gibt verschiedene Effekte zum Auswählen für den Stift wie zum Beispiel Druckbleistift, Wassertropfen sowie nasser oder trockener Pinsel. „Einzelstücke wie persönliche Postkarten mache ich immer noch per Hand, aber bei Einladungskarten über 25 Stück zeichne ich in der App und drucke dann aus“, erläutert Conrads.

Denn alleine schon für das Deckblatt einer Einladungskarte brauche sie sonst fünf Minuten. Ihre Leidenschaft für das Handlettering begründet sie mit dem Effekt des Abschaltens: „Es ist einfach beruhigend und hat meditative Züge“, sagt die 19-Jährige. Ihr großer Traum: Einmal ein Designstudio in Stolberg eröffnen und ihr Hobby zum Beruf machen.