Stolberg: Schleichende Eskalation geht unter die Haut

Stolberg: Schleichende Eskalation geht unter die Haut

Zu sehen ist auf der Bühne des Kulturzentrums Frankentalstraße nicht viel. Eine sparsame Szenerie gibt den äußerlichen Rahmen her für die Aufführung des Stücks „Und dann kam Alex“ von Karl Korn, mit dem das „Ensemble Radiks“ auf Einladung der Kinder- und Jugendperspektive der Stadt junge Leute aus den Klassen 7, 8 und 10 verschiedener Schulen für den Kampf gegen Mobbing und Gewalt sensibilisieren wollte.

Es ist ein sehr intensives Spiel, das die beiden Akteure Anna-Lisa Fink und Alex Abramyan da entfalten. Alex ist eigentlich ein netter, und Jeannette will eigentlich mit ihm Mathe pauken — und noch etwas mehr. Doch Alex hat noch eine dunkle Seite: Vor einige Zeit hat er, der seit Jahren gemobbt wird, einen alten Mann zusammengeschlagen, wohl vor allem, um so Anerkennung zu finden. Seine Mitschüler haben davon ein Video gedreht, mit sie ihn jetzt erpressen. Irgendwann platzt es aus Alex heraus: Er schießt auf die Schulsekretärin. Und das Schicksal lässt sich nicht mehr aufhalten.

Plädoyer gegen Gewalt

Anna-Lisa Finke und ihr Kollege Abramyan leisten in der rund 50-minütigen eigentlichen Spielzeit viel — nicht zuletzt deshalb, weil zumindest die weibliche Protagonistin ständig in neue Rollen schlüpfen muss. Vor allem aber gelingt es ihnen, die Geschichte einer nachgerade schleichenden Eskalation mit allen ihren seelischen Schaltstufen und ihrem allmählichen Vorwärtsschreiten so zu spielen, dass sie den Zuschauern unter die Haut geht — oder eigentlich gehen müsste, denn über weite Strecken ist es im Saal nicht gerade leise und die Aufmerksamkeit eher so lala.

Finke und Abramyan lassen sich jedoch nicht beirren, bieten eine feinnervige Darstellung und zeigen schauspielerischen Einsatz — nicht nur beim eigentlichen Gastspiel, sondern auch bei der Nachbesprechung im Anschluss.

Da gibt es Fragen aus ständig wechselnden Richtungen. Dass Alex Abramyan Lampenfieber ganz nützlich findet, um Energie für seine Rolle aufzubauen, erfahren die Stolberger Junioren, dass der Weg zur Schauspieler-Laufbahn über eine Schauspielschule führt und auch wie es um die materielle Seite steht: „Wir werden davon nicht reich, aber wir können davon leben“, wie Alex Abramyan versichert. Im Gedächtnis bleibt aber vor allem der Appell von Anna-Lisa Funke, bei Mobbing und Gewalt nicht tatenlos zuzusehen, denn: „Jeder kann etwas tun!“

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