Schimmel: Immer häufiger Streit zwischen Mietern und Vermietern

Verbraucherzentrale bietet Hilfe an : Wenn Schimmel für Ärger zwischen Mietern und Vermietern sorgt

Schimmel ist ekelhaft. Schimmel kann gesundheitsschädlich sein. Schimmel ist schambehaftet. Und Schimmel löst Konflikte aus. Gerhard Weiß hat das alles schon erlebt. Er könnte stundenlang Schimmel-Geschichten zum Besten geben.

Denn als Mitarbeiter der Verbraucherzentrale in Alsdorf ist er auch für die Beratung zum Thema Feuchte und Schimmel zuständig – und in dieser Funktion ein ausgesprochen gefragter Mann.

Im so langen und außergewöhnlich trockenen Sommer 2018 war das mal ein bisschen anders. „Aber mit dem Herbst hat jetzt wieder die Hochsaison begonnen“, ist die ruhigere Zeit für Weiß definitiv vorbei. Von Ruhe kann auch bei den vielen Menschen, die in der Städteregion von Schimmel betroffen sind, nicht die Rede sein. Oft sind es Mieter, die sich an die Verbraucherzentrale wenden und um Hilfe bitten, nur manchmal Vermieter. Und noch seltener beide gemeinsam.

Dabei handelt es sich bei letzterem Fall aus Sicht von Gerhard Weiß um den Idealfall. „In der Regel wird ein Schimmelbefall festgestellt, ohne die Ursache ausmachen zu können. Da macht es schon Sinn, wenn sich Mieter und Vermieter zusammen mit der Sache auseinandersetzen.“

Anderenfalls droht das, wovon Hans Knops berichten kann: „Wir stellen fest, dass es immer häufiger zu Rechtsstreitigkeiten kommt.“ Das ist, so der Vorsitzende des Mieterschutzvereins Aachen, der mit seinen Kollegen für die gesamte Städteregion zuständig ist, allerdings der schlechteste und mitunter auch der teuerste Weg. „Und eine Garantie, ans Ziel zu kommen, gibt es auch nicht.“

Theoretisch ist die Lage klar: „Mieter haben das Recht auf eine mangelfreie und somit auch schimmelfreie Wohnung“, betont Beate Schraven vom Verein „Altbau plus“. Und mit dem Wohnungsaufsichtsgesetz hat das Land Nordrhein-Westfalen 2014 ein Mittel geschaffen, Vermieter in die Pflicht zu nehmen. „Die Umsetzung hat sich aber als mangelhaft erwiesen, unter anderem, weil das erforderliche Personal fehlt“, kritisiert Hans Knops. „Deshalb ist es auch relativ schwierig, Unterstützung von den Behörden zu bekommen.“

Unterm Strich ist das ein weiteres Argument dafür, eine konfliktfreie Lösung zu suchen. Die Verbraucherzentrale ist dabei behilflich. „Wir schauen uns die Wohnung sehr intensiv an und nehmen Messungen der Luft und an den Baukörpern vor“, erläutert Gerhard Weiß.

Häufig gebe es nicht den einen einzelnen Grund für die Schimmelbildung, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Die Messungen könnten da einen guten Beitrag zur Ermittlung der Ursachen leisten. Und: „Wie so oft im Leben kann auch in solchen Fällen der Blick von außen Dinge offenbaren, die die Betroffenen in ihrer Gewohnheit nicht sehen.“

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, warum Schimmel in einem Haus oder in einer Wohnung auftritt. „Die einfachere ist, wenn es bauliche Mängel gibt. Beispielsweise undichte Stellen oder Probleme mit dem Grundwasser“, erklärt Weiß. „Solche Mängel kann man ganz gut herausfinden und auch beseitigen.“

In 90 Prozent der Fälle, so der Architekt, sei die Lage aber komplexer: „Immer dann, wenn das Verhalten der Nutzer nicht zur vorhandenen Bausubstanz passt.“ Falsches Lüftungsverhalten bei kalten Bauteilen beispielsweise führe zu Kondensat. „Und dann sind wir auch sehr schnell beim Schimmel.“ Ohnehin sei das richtige Zusammenspiel von Lüften und Heizen das A und O, um Schimmelbildung zu verhindern.

In ganz Europa verbreitet

Schimmel ist, auch wenn es die Betroffenen vermutlich wenig trösten wird, ein weit verbreitetes Phänomen. „Das ist in ganz Europa zu beobachten“, stellt Beate Schraven fest. „Und längst nicht nur in Altbauten. Auch in vielen neuen Häusern, die zu früh bezogen werden, bildet sich Schimmel“, weiß die Architektin. Das habe mit dem Druck auf dem Wohnungsmarkt zu tun. „Zum ausreichenden Austrocknen kommt es oftmals nicht mehr.“

Massiver wirkt sich das ungünstige Verhältnis von Angebot und Nachfrage allerdings auf gebrauchte Immobilien aus. „Es gibt einen derart großen Mangel an Wohnraum, dass immer mehr Wohnungen in einem ganz schlechten Zustand vermietet werden“, kritisiert Hans Knops. Das Wohnungsaufsichtsgesetz zeige da aus den bereits erwähnten Gründen wenig Wirkung.

Gerhard Weiß kann das bestätigen: „Ich hatte schon Fälle, in denen kranke Menschen in einer völlig verschimmelten Wohnung lebten.“ Manchmal müsse tatsächlich die Notbremse gezogen werden. „Dann gibt es von uns die Empfehlung, sich eine andere Wohnung zu suchen und auszuziehen.“

Mehr von Aachener Zeitung