Stolberg-Schevenhütte: Schevenhütte liegt auf dem Kontinent Avalonia

Stolberg-Schevenhütte: Schevenhütte liegt auf dem Kontinent Avalonia

„Wissen Sie eigentlich, dass wir hier streng genommen nicht in Europa stehen, sondern auf dem Kontinent Avalonia”, fragt Dr. Irma Schmid von der paläontologischen Abteilung der Universität Bonn.

Damit erregt die Diplom-Geologin vollends die Aufmerksamkeit der interessierten Besucher am Infostand an der Nideggener Straße in Schevenhütte. Sie berichtet von Kontinentalplatten, die vor Abermillionen von Jahren über unseren Planeten drifteten.

„Wenn diese Platten nicht sanft, sondern heftig zusammenstießen, entstanden Gebirge, wie es bei dem Aufeinandertreffen von Ur-Amerika und Ur-Europa geschah”, erklärt Schmid. „Avalonia” indes sei später in zwei Teile gespalten worden, der Atlantische Ozean entstand, und die Kontinente Europa und Amerika wie wir sie heute kennen waren geboren.

Während Schmid theoretische Informationen vermittelt, widmet sich Katrin Wellnitz, Geologiestudentin im zehnten Semester, der Praxis. Sie zeigt an der Schevenhütter Straßenböschung die Wechselfolge der stark verfalteten Schichten aus dunkelgrauen bis graugrünen Sandsteinen und Tonschiefern. „Diese Gesteinsschichten führen uns zurück in das Erdaltertum, genau in das Erdzeitalter ?Ordovizium. Die Steine, die Sie hier sehen, sind etwa 500 Millionen Jahre alt”, erläutert Wellnitz.

Tatsächlich gleicht die Beschäftigung mit den Gesteinsschichten unserer Region, in der die Geologen lesen können wie in einem Buch, einer Zeitreise in die Geschichte unseres Planeten. Dieser geologischen Bedeutung Stolbergs und der Nordeifel wird die zehnte „Georallye” der Bonner Universität gerecht und macht auf insgesamt zehn Stationen mit den Zeitzeugen bekannt, die unsere Erde lange vor Beginn des Menschengedenken „erlebten”. Etappen der Rallye im Hürtgenwald, in der Teufelsley bei Vossenack und im Steinbruch Sötenich erinnern ebenso an das „Devon” wie die Klucken-steine im Wald bei Vicht.

Die bis zu fünf Meter aus dem Boden hervorragenden Steinpfeiler sind rund 395 Millionen Jahre alt. Das Erdzeitalter „Karbon” bezeugen die zirka 340 Millionen alten schräg gestellten Kalksteinbänke des Kohlenkalks im Hof der Stolberger Burg. Jünger sind der Buntsandstein in Kall und die Ablagerungen des Muschelkalkmeers im Steinbruch bei Bürvenich, beide dem „Trias” des Erdmittelalters zuzuordnenden. Die letzten Stationen der „Georallye” führen mit der Braunkohle im Tagebau Inden (Tertiär) und der etwa 300 000 Jahre alten Felsformation im Kartstein bei Eiserfey (Quartär) schließlich in die Neuzeit.