Rudolf Wagemann arbeitet die Geschichte der Shoa in Kornelimünster auf

Schreckliches Schicksal der Juden: Buch arbeitet die Geschichte der Shoa in Kornelimünster auf

Dr. Rudolf Wagemann aus Stolberg-Münsterbusch, Mitglied im Vorstand des Heimat- und Eifelvereins Kornelimünster, hat jetzt sein neustes Buch „Geschichte und Schicksal der Juden von Kornelimünster“ vorgestellt. Auf 302 Seiten bringt er die schreckliche Geschichte der Judenvernichtung (Shoa) in Erinnerung, die für alle Zeiten wach gehalten werden soll.

In Deutschland und in Europa werden Judenfeindlichkeit und Judenhass wieder spürbar. Es gibt zwar zahlreiche Gedenkstätten, Stolpersteine, aber wie antisemitisch ist Deutschland? Europa?

Groß war der Ansturm zur Vorstellung des Buches. Oliver Kaldenbach, Geschäftsstellenleiter, sagte, vor dem brisanten Thema, das Wagemann aufgegriffen habe, schließen. In die gleiche Kerbe schlug auch Alois Buller, Vorsitzender des Heimat- und Eifelvereins, der zahlreiche Vertreter befreundeter Heimatvereine begrüßen konnte.

Es sei gut, dass Dr. Wagemann diese Zeit lebendig halte, bemerkte Bezirksbürgermeister Jakob von Thenen, er sprach von einem Buch „zum Nachlesen.“ In seinem Vorwort schreibt der Autor: „Als vor 85 Jahren, am 30. Januar 1933, das NS-Regime, das personifizierte Böse, in Deutschland an die Macht kam, da hätten seine Anführer ihrem Volk zu keiner Frage ihres zukünftigen Handelns, bereits Jahre vorher, so reinen Wein eingeschenkt, wie zu dem Schicksal, das den Menschen jüdischen Glaubens in ihrem Vaterland zugedacht war.“

Wichtig sei auch, dass das dazugehörige Geschehen, von dem Heinrich Böll in der Widmung seines berühmten Aufsatzes „Die Juden von Drove“ feststellt: „Dass ich meinem Sohn nie erklären konnte, was auch mir unerklärlich blieb“, als immer währende Mahnung in den Köpfen und Herzen der Nachgeborenen präsent bleibt.

Dr. Rudolf Wagemann befasst sich in seinem Buch mit der „Jüdischen Präsenz in unserer Heimat vor der Franzosenzeit“, mit der „Erschwerten jüdischen Emanzipation links des Rheines“, und ausführlich mit der „Jüdischen Gemeinde von Kornelimünster.“ Einen breiten Rahmen nehmen die Kapitel „Jüdisches Leben und Schicksale unter dem NS-Terror“ sowie „Die jüdischen Familien und ihre Schicksale“ ein.

Den Bezug zur jüdischen Geschichte, so erzählt Wagemann, komme daher, dass seine Großeltern von Vaterseite in guter, unmittelbarer Nachbarschaft mit jüdischen Familien in der unteren Korneliusstraße, vor allem mit der Familie Hermann André, die bis auf Sohn Ernst alle im Holocaust ermordet wurden, gewohnt habe.

„Ich werde jetzt im Frühjahr 80 Jahre alt, darum habe ich versucht, alles, was ich als Ur-Einwohner an Kenntnissen zu dem Thema habe, an die Nachwelt weiterzugeben.“ Wagemann hat bereits im Rahmen des „Gedenkbuchprojekts für die Opfer der Shoah aus Aachen e. V.“ an den Biografien der Opfer aus Kornelimünster mitgewirkt. In seinem neusten Buch hat er die Schwerpunkte auf die „Entstehung der jüdischen Gemeinde in spätabteilicher Zeit“ (nach 1648); auf „Die Gemeinde im Jahrhundert der jüdischen Emanzipation“ (1800 bis 1900) sowie auf „Das Schicksal der Gemeinde in der NS-Zeit und ihr Ende im Holocaust“ gelegt.

Schon im Jahre 2013, als sich die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 zum 75. Male jährte, hatte sich Dr. Rudolf Wagemann intensiv mit dem Schicksal der letzten jüdischen Familien von Kornelimünster beschäftigt.

So wurde bereits am Fuße des Treppenaufgangs zu den Friedhöfen und St. Stephanus, mitten im Ortskern von dem damaligen Vorsitzenden des Heimat- und Eifelvereins, Hermann Wilms und Dr. Rudolf Wagemann, eine Gedenktafel angebracht.

Durch die Namensgebung sollen die Opfer zukünftig genau dort ihre Heimat wiederfinden, wo sie damals grausam vertrieben worden sind.

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