Stolberg: Ritzefeld: „Unsere Schule bleibt ein wichtiger Standort“

Stolberg: Ritzefeld: „Unsere Schule bleibt ein wichtiger Standort“

Das Ritzefeld-Gymnasium wird mit nur zwei Eingangsklassen in das Schuljahr 2015/16 gehen. 57 Anmeldungen von zukünftigen Fünftklässlern liegen Armin Ochse vor. „Ich bin dennoch sehr optimistisch, dass wir mittelfristig die Schülerzahlen für eine Dreizügigkeit haben werden“, betont der Schulleiter.

Im Gespräch mit unserer Zeitung hat er sich zur Zukunft des „Ritze“, zu einem neuen Konzept, das ab dem Sommer umgesetzt wird, und zur Stolberger Schullandschaft insgesamt gesprochen.

Warum haben sich nicht mehr Kinder für das kommende Schuljahr bei Ihnen angemeldet?

Ochse: Das liegt sicherlich nicht am Ruf unserer Schule, der nach wie vor sehr gut ist. Es ist vielmehr so, dass der Donnerberg, Mausbach und die Innenstadt unser Kerneinzugsgebiet sind. Und dort gibt es einfach nicht mehr Kinder.

Bereitet Ihnen das nicht Sorge für die Zukunft?

Ochse: Nein, ich bin davon überzeugt, dass das Ritzefeld-Gymnasium eine gute Zukunft haben wird. Wir sind in Stolberg sicherlich anders aufgestellt als viele Großstädte, die mit erheblichem Zuzug rechnen können und deshalb — beispielsweise in Köln — neue Schulen und vor allem Gymnasien eröffnen.

Aber wir rechnen speziell für unsere Schule aufgrund des geplanten Baugebietes auf dem Donnerberg mit wieder steigendenden Schülerzahlen. Außerdem setzen wir zum Beginn des kommenden Schuljahres ein neues Konzept für die Sekundarstufe 1 um, das unsere Attraktivität weiter steigern wird.

Was sieht dieses Konzept konkret vor?

Ochse: Wir haben festgestellt, dass viele Eltern nicht so sehr begeistert sind vom Ganztagsunterricht. Sie wünschen sich stattdessen, dass ihre Kinder früher und damit länger zu Hause sind. Diesem Wunsch kommen wir mit unserem Konzept nach. Es sieht vor, dass es in der Sekundarstufe 1 nur noch einen sogenannten Langtag bis 15.45 Uhr gibt und die beiden anderen langen Schultage bereits um 15 Uhr enden.

In der Jahrgangsstufe 5 verzichten wir sogar gänzlich auf einen Langtag, um den Kindern die Umstellung und Eingewöhnung zu erleichtern. Die Schulpflegschaft hat im Vorfeld eine Elternumfrage zu diesem Thema gemacht, bei der es eine Zustimmung von 84 Prozent gab. Daraufhin haben wir das Konzept erarbeitet, das dann letztlich von der Schulkonferenz verabschiedet wird.

Wird nicht mit weniger Stunden auch die Qualität des Lernens eingeschränkt?

Ochse: Nein, auf keinen Fall. Wir nutzen lediglich die gesetzlichen Möglichkeiten, werden aber weder die Lernzeiten noch den Pflichtunterricht kürzen. Außerdem wird an allen drei Tagen die Betreuung sichergestellt. Es fallen lediglich einzelne AGs weg, die zum Teil aber dann in der Zeit nach 15 Uhr stattfinden. Wir wollen die Kinder nicht nur verwahren, sondern ihnen ein interessantes Angebot bieten. Insgesamt versprechen wir uns von dem neuen Konzept eine höhere Zufriedenheit von Eltern und Schülern und eine noch höhere Attraktivität unserer Schule.

Und mehr Schüler?

Ochse: Sicherlich auch. Ich bin da sehr zuversichtlich. Es wäre unklug, das Ritzfeld-Gymnasium in Frage zu stellen, weil wir im kommenden Schuljahr nur zwei fünfte Klassen haben werden. Unsere Schule wird auch mittelfristig ein wichtiger Standort in Stolberg sein. Und unser Angebot ist so attraktiv, dass wir eine Dreizügigkeit haben werden.

Viele junge Menschen finden auch das Abitur in 13 Jahren sehr attraktiv.

Ochse: Ich weiß, dass das weiter ein Thema ist, auch wenn G8 in den meisten europäischen Ländern Standard ist. Es gibt Eltern und Schüler, die beklagen, dass die Schule durch G8 anstrengender geworden ist. Was die erzielten Leistungen angeht, können wir nur betonen, dass kein Unterschied festzustellen ist und dass wir mit G8 keine schlechten Erfahrungen gemacht haben.

Ist eine Rückkehr zu G9 dennoch eine Option?

Ochse: Nein. Wir sollten G8 nicht noch einmal in Frage stellen, sondern es weiterentwickeln und verbessern. Die schlechteste Lösung wäre, eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 einzuführen. Das würde die Schullandschaft zerreißen.

Die Gesamtschule bietet G9 an, was viele Eltern bei der Anmeldung ihres Kindes als wichtigen Grund angeben. Auch deshalb steht sie hoch im Kurs. In diesem Jahr musste sie bei 203 Anmeldungen für die vier Eingangsklassen fast 100 Kinder ablehnen. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Ochse: Ich glaube, dass eine Aufstockung nötig ist. Das ist völlig unstrittig Eltern- und Kinderwillen. Hier ist die Politik gefordert.

Würden Ihnen bei einer Vergrößerung der Gesamtschule nicht Kinder verloren gehen?

Ochse: Eine Gesamtschule muss ja paritätisch besetzt werden mit Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialempfehlungen. Ich sehe für uns nicht die Gefahr, dass wir Schüler verlieren würden. Es würden stattdessen mehr Kinder in Stolberg verbleiben. Schauen Sie sich doch einmal die Zahlen der Stadtverwaltung an: Demnach verbleiben in diesem Jahr von 520 Kindern, die auf eine weiterführende Schule wechseln, nur 360 in Stolberg. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Schulen, sondern auch auf die Ausbildung und den späteren Wohnort. Somit könnte Stolberg auf diesem Wege nicht nur Schüler, sondern auch Einwohner verlieren.

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