Stolberg: Reisende stranden zu Pfingsten in Stolberg

Stolberg: Reisende stranden zu Pfingsten in Stolberg

„Ich versteh nur Bahnhof” - das oft bemühte geflügelte Wort bringt absolutes Unverständnis bezüglich komplexer Inhalte und Zusammenhänge zum Ausdruck. Und genau so erging es vielen Bahnreisenden in der Region, die am reisefreudigen Pfingstwochenende ihre Wege auf Schienen zurücklegen wollten.

Was die Züge RE 1, RE 9 und RB 20 anbelangt, war dies nämlich nur bedingt möglich, da 4,5 Kilometer Gleise saniert werden zwischen Stolberg und Aachen - vornehmlich an den Wochenenden. Zusätzlich werden im Stolberger Hauptbahnhof die Fahrleitung umgebaut und 55 neue Oberleitungsmasten aufgestellt. So wurden die Fahrgäste vom Aachener Hauptbahnhof bis Stolberg und auch Eschweiler mit Bussen befördert, was nicht immer reibungslos funktionierte.

Große Ratlosigkeit herrschte am Samstag zum Beispiel bei Angelika Müller. Die Aachenerin wollte über Eschweiler nach Köln gelangen und teilte dies um kurz nach 11 Uhr einem Busfahrer mit, der sie daraufhin einlud, gerne Platz nehmen zu können.

Scheinbar war aber der freundliche Fahrer nicht sonderlich gut informiert, denn er steuerte auf direktem Wege die Kupferstadt an, um anschließend seine gesetzlich vorgeschriebene Pausenzeit einzuhalten. Nun stand Müller um 12.15 Uhr auf dem Stolberger Hauptbahnhof, statt um 12.04 Uhr in Eschweiler den Zug nach Köln zu nehmen.

Als sich die verzweifelte Reisende an eine Bahnangestellte wenden wollte, entgegnete diese sehr bestimmt, sie habe gerade Pause und verweigerte jedes Gespräch. Schließlich half ihr einer der aufmerksamen sogenannten Reisenden-Lenker.

Nicht in den falschen Bus gestiegen war André Duffe, der gerne mit der Bahn nach Marienheide reisen wollte. Dennoch saß er 35 Minuten auf dem Bahnsteig vor seinem Zug, der aufgrund der Bauarbeiten eine Zwangspause einlegen musste. „Der Zeitverlust tut schon weh bei dem schönen Wetter. Ich wüsste wirklich Besseres mit meiner Zeit anzufangen”, ärgerte sich Duffe, der zuvor bereits 45 Minuten mit dem Bus von Aachen nach Stolberg unterwegs war. Der nächste ankommende Bus trug auf den hinteren Türen die Werbung „Nach Köln ohne Wartezeit” und Duffe war nicht der Einzige, der dies mit einem Kopfschütteln quittierte.

Gleich nach Düren

Wesentlich mehr Glück hatte da eine 43-Jährige Stolbergerin, die zu früher Stunde eigentlich via Bahn von der Kupferstadt zum ihrem Abflug nach Frankfurt wollte, und bei ihrer Planung die Bauarbeiten nicht berücksichtigt hatte. Der Ehemann chauffierte sie gleich zum Dürener Hauptbahnhof, wo die Regionalbahn nach Siegen zwar fünf Minuten Verspätung hatte, aber der Anschluss an den ICE in Köln und damit an den Flieger in Frankfurt klappte.

Alles in Allem sei es dennoch ganz gut gelaufen, meinte ein „Reisenden-Lenker”, der namentlich nicht erwähnt werden will. „Leider war ein Bus in einen Unfall verwickelt, und der Straßenverkehr sorgt hin und wieder für kleine Probleme mit Abfahrtzeiten. Ansonsten kommt es nur zu den üblichen Missverständnissen, wenn die Fahrgäste nicht richtig zuhören”, kommentierte der junge Mann mit orangener Warnweste. Auch die Reisenden hätten sehr verständnisvoll und gelassen reagiert, und Beschimpfungen wären größtenteils ausgeblieben. „Solche Situationen haben wir schon viel schlimmer erlebt”, lächelte der Helfer, der vielleicht erst am Dienstag wieder eine verdiente Pause machen kann.

Denn es werden noch einige Wochenende folgen, an denen die Deutsche Bahn in Stolberg an ihrer Gleisstrecke arbeiten muss.

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