Stolberg: Realschule Mausbach und Sekundarschule werden umgewandelt

Stolberg: Realschule Mausbach und Sekundarschule werden umgewandelt

Die Kupferstadt richtet zum Schuljahr 2017/18 eine zweite Gesamtschule mit fünf Klassenzügen ein und erweitert die bereits bestehende Einrichtung an Sperberweg und Walther-Dobbelmann-Straße ebenfalls auf eine Fünfzügigkeit.

Das sind die Konsequenzen, die die große Koalition aus CDU und SPD aus der Schulentwicklungsplanung sowie der Ende Mai durchgeführten Befragung der Grundschuleltern der zweiten und dritten Klassen zieht. „Wir werden uns nach dem Elternwillen richten“, erklärten die beiden Parteivorsitzenden Jochen Emonds und Patrick Haas: „Und wir wollen die noch bestehenden Schulstandorte sichern“.

Aus zwei wird eins: Die Realschule Mausbach wird mit dem Schuljahr 2021/22 auslaufen. Die Sekundarschule erhält im nächsten Jahr ein Upgrade zur Gesamtschule. Foto: J. Lange

Bürgermeister Tim Grüttemeier und Beigeordneter Robert Voigtsberger haben bereits mit der Bezirksregierung über die Konsequenzen für die Novellierung der Stolberger Schullandschaft gesprochen. Am 29. Juni soll der Schulausschuss die Verwaltung mit den konkreten Vorbereitungen beauftragen.

Nachdem die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans einen Bedarf von zwei zusätzlichen Klassenzügen aufgezeigt hat, hat die Verwaltung die Eltern der Grundschulkinder in den zweiten und dritten Klassen nach ihren Wünschen zu den weiterbildenden Schulen befragt. „Der Rücklauf lag bei 822 von 1043 verteilten Fragebögen“, sagt Petra Jansen. „Mit einer Rücklaufquote von 78,8 Prozent kann man das Ergebnis fast schon repräsentativ nennen“, so die Leiterin des Schulverwaltungsamtes.

Demnach bevorzugen ein Anteil von 277 Antworten (33,7 ) ein Gymnasium und 230 (27,9 ) eine Gesamtschule in Stolberg. 73 (8,8) möchten ihr Kind auf eine Realschule und 26 (3,2 ) auf die Sekundarschule schicken. Drei (0,36 ) sprachen sich für Hauptschulen aus, die in Stolberg keine Eingangsklassen mehr bilden, 65 (7,9 ) der Eltern sind unentschlossen.

Deutlich ist der Anteil von Eltern, deren Kinder Schulen außerhalb der Kupferstadt besuchen sollen mit insgesamt 122 Nennungen: 61 (7,4) ein Gymnasium, 38 (4,6 ) eine Gesamtschule, 21 (2,5 ) eine Realschule und 2 (0,24 ) eine Hauptschule. „Dies liegt wohl an der geographischen Nähe oder weil Geschwisterkinder bereits außerhalb unserer Stadt beschult werden“, analysiert Voigtsberger.

Ganz eindeutig ist das Ergebnis, dass die „Erstwünsche für die Realschule und die Sekundarschule nicht ausreichen würden, um den Bestand der Schulformen zu sichern“, sagt Grüttemeier, dass eine Realschule mindestens zweizügig, die Sekundarschule mindestens dreizügig gebildet werden muss. „Dennoch wollen wir die bestehenden Schulstandorte in Stolberg nachhaltig sichern und möchten die Gebäudesubstanz bedarfsgerecht ausbauen und weiter nutzen.“

„Ebenso ist der bestätigte Bedarf nach einem erweiterten Gesamtschulangebot abzulesen“, bilanziert Emonds. „Und die Existenz der beiden Gymnasien ist nicht in Frage zu stellen“, analysiert Haas: „Sie sind weiterhin gesichert“. Resultierend aus Schulentwcklungsplanung und Elternbefragung „sind die Vorbereitungen zur Gründung einer zweiten Gesamtschule der richtige Schritt“, bringen Verwaltungs- und Fraktionsspitzen das Ergebnis ihrer Überlegungen auf den Punkt.

Notfalls gibt‘s eine Klasse mehr

Realisiert werden soll die zweite Gesamtschule mit fünf Zügen ebenso wie die erste an zwei Teilstandorten: Realschule Mausbach und Sekundarschule Kogelshäuserstraße sollen ab dem Schuljahr 2017/18 zu einer Gesamtschule zusammenwachsen. „Ebenso wie wir dies mit der Hauptschule Kogelshäuserstraße sowie der Realschule auf der Liester gemacht haben, wird der Realschule garantiert, dass alle Eingangsklassen bis zum Schulabschluss geführt werden“, betont Grüttemeier.

Anders verhält es sich bei der Sekundarschule: Weil sie bereits ein integriertes Schulsystem beherbergt, wird sie in die Gesamtschule umgewandelt. „Damit werden wir quasi automatisch dem Willen vieler Eltern gerecht, die ihre Kinder ursprünglich an der Gesamtschule anmelden wollten“, erläutert der Bürgermeister. Die Sekundarschule „erhält dann ein Upgrade“. Und mit dem Aufbau einer Gesamtschule in Mausbach werde in den südlichen Stadtteilen der Schulstandort nachhaltig gesichert, merkt Voigtsberger an und verweist darauf, dass im Stolberger Süden ein nachgefragtes und attraktives Angebot ortsnah aufgebaut werde.

Angedacht ist, die Eingangsklassen in Mausbach zu bilden und die oberen Klassenzüge an der Kogelshäuserstraße zu beschulen. Ob das machbar ist, muss erst eine detaillierte Analyse der vorhandenen und der benötigten Räume unter Berücksichtigung der pädagogischen Konzepte ergeben, erklärt der Schuldezernent.

„Aber die Vorteile liegen auf der Hand“, ergänzt Haas. So, wie es die beiden Gymnasien bereits praktizieren, könnten bei dieser Klassenaufteilung auch die beiden Oberstufen der Gesamtschulen zukünftig einfacher kooperieren“. Zudem bestehe voraussichtlich ein ausreichendes Raumangebot, um an den Gesamtschulen Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge anzusiedeln, prognostiziert Petra Jansen.

In diese Überlegungen spiele herein, dass für die Realschule eine zwei Millionen Euro kalkulierte energetische Sanierung aus einem Bundesprogramm sowie eine Modernisierung der Sporthalle der Sekundarschule mit 680 000 Euro Förderung aus dem Städtebau-Sonderprogramm des Landes zur Integration von Flüchtlingen geplant sind, erinnert Jochen Emonds.

Zudem soll die Gesamtschule auf der Liester von vier auf fünf Zügen aufgestockt werden. Koalition und Verwaltung rechnen damit, so den Bedarf der Stolberger Eltern abdecken zu können, da sie ja teilweise bewusst Kinder an auswärtigen Schulen anmelden. Sollte der Bedarf nicht abgedeckt sein, bestehe die Möglichkeit, eine Gesamtschule um einen sechsten Klassenzug zu erweitern.

Die Leitungen von Sekundar- und Realschule hätten bereits positive Rückmeldungen zu den Plänen abgegeben, berichtet der Bürgermeister. Der Schulausschuss am 29. Juni und der Stadtrat am 5. Juli sollen die Beschlüsse zu den vorbereitenden organisatorischen Maßnahmen treffen. Zudem soll zeitnah die Beteiligung nach dem Schulmitwirkungsgesetz eingeleitet werden, so dass der Stadtrat auf seiner Sitzung am 27. September die endgültigen Entscheidungen zur Neumodellierung der Stolberger Schullandschaft treffen kann.

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