Nur lachende und weinende Augen: Reaktionen auf Robert Voigtsbergers Kandidatur

Nur lachende und weinende Augen : Reaktionen auf Robert Voigtsbergers Kandidatur

Die Überraschung ist Robert Voigtsberger (SPD) gelungen. Die Nachricht, dass der Erste Beigeordnete heute Favorit bei der Wahl des Dezernenten für Bildung, Jugend und Sport in Köln ist, schlug im Rathaus und in den Parteien nach unserer Berichterstattung ein wie eine Bombe.

Nur die allerengsten Vertrauten und Freunde waren über den beabsichtigten Fortgang eingeweiht – und selbst das erst seit wenigen Tagen.

Ohne der Wahl durch den Kölner Stadtrat vorweggreifen zu wollen, sind die ersten Stimmen zu Voigtsbergers Entscheidung, sich in der Domstadt zu bewerben, vergleichbar: Sein Weggang aus Stolberg wird bedauert, ihm persönlich wird Glück gewünscht für die neue Herausforderung. In diesem Sinne kommentiert auch Tobias Röhm „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so der Technische Beigeordnete.

„Er leistet die Vertretung des Bürgermeisters souverän“, bewertet Bernd Engelhardt. Voigtsbergers Wahl in Köln wäre „ein schwerer Verlust für Stolberg“; aber für ihn ein schöner Erfolg. Der FDP-Fraktionsvorsitzende hat durchaus Verständnis, wenn der 37-Jährige diese Karrierechance nutzen möchte.

„Robert Voigtsberger ist an seiner Aufgabe in Stolberg gewachsen und hat sich als geschätzter Beigeordneter etabliert“, würdigt Jochen Emonds. „Es ist schade, dass er seine Wahlperiode in Stolberg nicht komplett ausfüllen will“; so der CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende. Tobias Röhm (CDU) als Technischer Beigeordnete stehe für Kontinuität in der Verwaltungsführung. „Es bleiben viele wichtige Aufgaben, die wir noch umsetzen müssen, um unsere Stadt weiter voranzubringen.“ Gleichwohl zeigt Emonds Verständnis für Voigtsbergers Karriereplanung und wünscht ihm viel Erfolg.

SPD will Stelle wieder besetzen

Für Patrick Haas, der Voigtsberger auch „menschlich eng verbunden ist“, verlässt ein „enger Vertrauter“ Stolberg, mit dem er als SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzender viele wichtige Projekte eingestielt habe. „Er ist ein toller Dezernent“, so der sozialdemokratische Bürgermeisterkandidat weiter, der „kompetent und fundiert hier gearbeitet hat“ – so gut, dass ihn der Ruf aus Köln ereilt habe. „Solch eine Chance, Karriere zu machen, bekommt man nur einmal im Leben“, sagt Haas und sieht die Kupferstadt ein wenig wie den SC Freiburg. Die Kupferstadt bringe viele gute Leute für herausragende Aufgaben hervor. Der Bürgermeisterkandidat blickt in die nahe Zukunft. „Wir von der SPD werden nach der Wahl zügig nach einem Nachfolger suchen und die Stelle wieder besetzen“, so Haas.

Nicht Stellung beziehen möchte zum jetzigen Zeitpunkt der Betroffene selbst mit Blick auf die ausstehende Einscheidung in Köln: „Kein Kommentar“, antwortet Robert Voigtsberger – aus gutem Grund.

Denn die Besetzung der Dezernentenstelle in Köln hat eine Vorgeschichte. Dort hatte der Stadtrat am 14. Februar beschlossen, die ursprüngliche Suche nach einer Nachfolgerin für Amtsinhaberin Agnes Klein (SPD) durch eine neue zu ersetzen, der Stadtrat folgte damit mehrheitlich dem Vorschlag von Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), so berichtet es die Kölnische Rundschau. Demnach hatte Reker das laufende Verfahren gestoppt, weil noch vor den entscheidenden Bewerbungsgesprächen der Name einer Kandidatin in der Presse öffentlich wurde: Brigitte Meier (SPD) aus München soll als aussichtsreichste Kandidatin gehandelt worden sein.

Platz zwei auf der Bestenliste

Bei der Neuausschreibung bewarb sich Meier erneut. Auf der Bestenliste, die ein Personalberater erstellte, tauchten ihr Name und Annette Berg (SPD/Gelsenkirchen) an der Spitze auf, berichtet die Rundschau weiter. Der deutlich jüngere Voigtsberger habe auf Platz zwei rangiert. Meier sei aber weder bei Reker noch der Koalition aus CDU und Grünen durchsetzbar gewesen, so dass sich die SPD, der die Besetzung der Position zugestanden wird, auf Voigtsberger geeinigt habe, der bei den Vorstellungsgesprächen gepunktet habe. „Die mutmaßliche, überraschende Einigung auf den jungen Mann lässt verschiedene Deutungen der Entscheidungsprozesse der vergangenen Tage im Kölner Rathaus zu“, schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger und titelt: „Der neue Dezernent kommt aus der Provinz“.

Gleichwohl soll in der Rheinmetropole am Donnerstag nichts anbrennen, wie es am Abend aus den Fraktionen hieß. Die Wahl Voigtsbergers dürfte mit breiter Mehrheit erfolgen. Die Pressestelle der Domstadt präsentierte ihn am Mittwoch offiziell als einzigen Kandidaten für das Amt.

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