Stolberg: Projektkurs besucht mehrere Gedenkstätten in der Region

Stolberg: Projektkurs besucht mehrere Gedenkstätten in der Region

Eine Gruppe von Schülern läuft durch den Hürtgenwald. „Wenn man sich vorstellt: Hier ist es matschig, es ist nass, es ist kalt. Links und rechts explodieren Granaten, die Leute sterben, und man muss kämpfen.“ Die Worte von Philipp Pletsch, Politik- und Geschichtslehrer des Goethe-Gymnasiums, lassen es den jungen Leuten kalt den Rücken herunterlaufen.

Zusammen mit einem Geschichtskurs des Heilig-Geist-Gymnasiums aus Würselen nimmt sein Projektkurs „Europa — Erleben, Erinnern, Gestalten“ an einer Busfahrt teil, die vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ (VDK) organisiert wird.

„Ziel des Projektes ist es, eine mahnende Erinnerungskultur zu schaffen“, sagt Frank Gilles, Geschäftsführer des VDK Stolberg. „Besonders Jugendlichen soll vermittelt werden, dass es bei einem Krieg nur Verlierer gibt.“ Begleitet werden die Schüler auch von der stellvertretenden Schulleiterin des Heilig-Geist-Gymnasiums, Maria Foerster, sowie von Dr. Franz Kerff vom VDK in Würselen. Corinna Schirmer ist ebenfalls dabei. Sie arbeitet beim Landschaftsverband Rheinland im Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, das Mitinitiator des Projektes ist.

Bei den Orten, die die Gruppe im Laufe des Tages aufsucht, wird sehr deutlich, dass es während des Zweiten Weltkrieges viele Verluste und viele Tote auf allen Seiten gegeben hat. Neben einer Besichtigung des Ehrenfriedhofes in Vossenack besuchen die Schüler den jüdischen Friedhof an der Lütticher Straße in Aachen, die dortige Synagoge und einen US-Ehrenfriedhof im niederländischen Margraten.

Das Interesse der Stolberger Gymnasiasten ist deutlich zu spüren. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Gedanken sie sich über das Thema machen, wie sie ihr Wissen von der Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft verknüpfen. Aufmerksam suchen sie die Grabsteine des jüdischen Friedhofs nach Jahreszahlen ab, die auf Opfer des NS-Regimes hindeuten, und diskutieren über das Heroisieren der US-amerikanischen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gestorben sind.

Beeindruckt ist Schüler Florian Sauer davon, welche Mühe man sich auf dem US-Ehrenfriedhof gibt, um der gefallenen Soldaten zu gedenken: „Jeder einzelne Gefallene hat ein Kreuz mit Namen und Division. Anders als in Vossenack“, sagt er und macht damit auf die großen Unterschiede in der Erinnerungskultur zwischen den beiden Ländern aufmerksam. Und Charlotte Zeller, 16, ergänzt: „Es ist wichtig, beide Friedhöfe nebeneinander zu sehen. Weil bei Krieg immer zwei Seiten beteiligt sind, muss man auch beide Seiten betrachten, um besser verstehen zu können.“ Eine Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit sieht Charlotte Zeller. Sie findet es „traurig“, dass Videokameras auf dem jüdischen Friedhof und ein Sicherheitsdienst in der Synagoge gebraucht werden.

Diese und weitere Gedanken haben die Schüler während der Fahrt bewegt. Doch mit der Bustour ist das Thema noch längst nicht beendet. Nach einem Tag des „Erlebens“ und „Erinnerns“ werden die Schüler des Projektkurses aus den Ergebnissen des Tages, aus Interviews mit Zeitzeugen und Besuchen zum Nachdenken anregende Erinnerungen in Form von Kurzfilmen gestalten.

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