Projekt „Demokratie-Werkstatt“ mit Diskussionsrunde im Kulturzentrum

Demokratie-Werkstatt : Engagement für friedliches Miteinander

Von Demokratie reden viele – die Organisatoren von Volkshochschule (VHS), Landeszentrale für politische Bildung und Nell-Breunig-Haus (NBH) machen da lieber etwas Konkretes.

„Demokratie-Werkstatt“ heißt das ehrgeizige Projekt, das am Dienstagabend mit einer Diskussion im Kulturzentrum an der Frankentalstraße offiziell vorgestellt wurde.

Erst mal in diesem, vielleicht auch noch im nächsten Jahr geht es um etwas im Grunde recht Simples: Demokratie auf Basisniveau zu den Menschen bringen, hin zu denen, die sie leben sollen: Darum geht es in dem Gemeinschaftsprojekt. Die praktische Umsetzung liegt dabei bei Dr. Christina Herrmann vom NBH, einer in Herzogenrath ansässigen Bildungseinrichtung mit katholischer Herkunft, und Elfriede Lechthaler von der Stolberger VHS. Ziel der Aktion: „Wir wollen Viertelgestalter und Brückenbauer gewinnen.“

Dabei geht es nicht nur darum, alteingesessene Kupferstädter fit für den politischen Gestaltungsprozess auf Grassroots-Level, rund um den Häuserblock, in dem sie leben, zu machen. Migranten, Stolberger mit türkischem, marokkanischem oder anderem Hintergrund sind mindestens ebenso willkommen. Es geht schlicht um alle Stolberger, um Hans wie um Hüseyin.

Maria Springenberg-Eich, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung, richtete ein Grußwort an die Anwesenden. Foto: Christoph Hahn

Es geht um einen Prozess, um gemeinsames Reden und Handeln mit dem Ziel, die Stadt und was zu ihr gehört, zu einem besseren Ort zu machen. Aber eines ist auch klar: „Demokratie ist nie ganz fertig“, schärfte Christina Herrmann ihren Zuhörern ein. Selbst wenn das Projekt eines Tages nicht mehr verlängert wird: Es geht trotzdem weiter. Ein Harmoniegebot gibt es dabei nicht: „Wir werden nicht immer einer Meinung sein“, prophezeite Beigeordneter Robert Voigtsberger. Maria Springenberg-Eich, die Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung, schwor die rund 150 Menschen im Kulturzentrum derweil auf noch etwas ein: „Demokratie ist fragil; Demokratie lebt davon, dass es Demokraten gibt.“ Will sagen: Ohne Mittun läuft rein gar nichts.

Das Ziel, niedrigschwellig wie es nun mal ist, steckt die prominente Gastrednerin ebenso ab: „Wir wollen erreichen, dass sich Menschen für ein friedliches Zusammenleben engagieren.“ Da sieht Springenberg-Eich eine direkte Verbindung zu ihrer eigenen Arbeit: „Politische Bildung muss sich auf den Weg machen, hin zu den Menschen.“ Und sie sprach die Männer und Frauen auf den gut gefüllten Rängen vor ihr direkt an und rief sie auf, „das Viertel zu einem Ort zu machen, wo Menschen ihre Interessen wahrnehmen.“

Begrüßten das Publikum im Kulturzentrum: Dr. Christina Herrmann und Elfriede Lechthaler. Foto: Christoph Hahn

Damit die guten Absichten bei den Stolbergern, um die es dabei geht, ankommen, wurde bei der Auftaktveranstaltung nicht nur über sie, sondern auch mit ihnen gesprochen. Sonja Essers, Redakteurin dieser Zeitung, hatte sich die „Brückenbauer und Viertelgestalter“, um die schon Christina Herrmann geworben hatte, zu einer ersten Talkrunde auf die Bühne geholt. Ahmet Ekin, den Vorsitzenden des Integrationsrates, zum Beispiel. Der hielt ein leidenschaftliches Plädoyer und zeichnete dabei auch klare Perspektiven für die Zukunft: „Wenn wir als Demokraten daran arbeiten, Menschen gleichwertig zu behandeln, könnten wir Stolberg zu einer schönen Oase machen.“

In einer zweiten Runde erhielten die drei Bürgermeister-Kandidaten Andreas Dovern (CDU), Patrick Haas (SPD) und Bernd Engelhardt (FDP) das Wort. Alle spielten sie ihre Rolle und versuchten, sich gut es geht ihren potenziellen Wählern zu empfehlen. Dass Stolberg eine Heimat für alle sein soll und dieses Alle Menschen jedweder Nationalität einschließen soll: Das war zwischen ihnen allen unstrittig.

Derweil nahm Patrick Haas seine Mitstreiter und sich selbst in die Pflicht: „Um dem Projekt zur Akzeptanz zu verhelfen, müssen wir es in alle Stadtteile tragen.“ Was aus dieser Breitenwirkung wird: Die kommenden Monate müssen es weisen.

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