Stolberg: Programm für Flüchtlinge: Fünf Millionen Euro zur Integration?

Stolberg : Programm für Flüchtlinge: Fünf Millionen Euro zur Integration?

Bereits im Januar hatten Rat und Verwaltung schnell reagiert, als das Land ein Sonderprogramm mit Hilfen im Städtebau zur Integration von Flüchtlingen angekündigt hatte. Sofort hat die Kupferstadt beschlossen sich zu beteiligen und schon einmal die finanziellen Voraussetzungen geschaffen.

Für die bis zu 5 Millionen Euro Projektkosten, die eine Stadt wie Stolberg vom Land erhalten kann, wurde ein Eigenanteil von 500.000 Euro in den Haushalt — verteilt bis ins Jahr 2020 — eingestellt. Konkrete Projekte konnten aufgrund des Zeitablaufes noch nicht benannt werden.

Drei Vorschläge ausgearbeitet

Dies soll der Hauptausschuss am Dienstagabend nachholen. Die Verwaltung schlägt der Politik drei konkrete Projekte vor, die zu einer Förderung beim Land angemeldet werden sollen. „Wir haben zunächst Vereine, Schulen und Träger freier Wohlfahrtspflege angeschrieben“, erläutert Robert Voigtsberger das Herangehen der Verwaltung an die Projektideen.

Die Anfragen zweier Vereine konnten jedoch nicht mit den Förderkriterien in Übereinstimmung gebracht werden, so der Erste Beigeordnete weiter. Dagegen konnte der Vorschlag einer Grundschule ebenso konkretisiert werden wie die Ideen aus zwei städtischen Ämtern. „Wir können somit mit drei detaillierten Projekten zur Integration von Flüchtlingen uns beim Land um eine Förderung bewerben“, so der Sozialdezernent weiter. Unter dem Strich summieren sich die kalkulierten Investitionen auf 4,974 Millionen Euro.

ENeubau Kita Spinnereistraße mit Quartiesbüro: Eigentlich liegt die Kupferstadt bestens im Rennen beim Ausbau der Betreuungsplätze; er wird im Kita-Jahr 2016/17 so abgeschlossen sein, dass eine Betreuungsquote von 35 Prozent erreicht werden kann. Allerdings erfordern nun die aktuellen und prognostizierten Zuweisungen von Flüchtlingen neue Anstrengungen über den alten Ausbauplan hinaus — sowohl zur Erfüllung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr wie auch zur Betreuung der Familien.

Dazu sind Beratungs- und Begleitungsangebote erforderlich. Das Jugendamt kalkuliert, dass pro Jahrgang 12 bis 15 Kinder zusätzlich zu beachten sind. Das bedeutet für die Betreuung der bis zu Sechsjährigen, dass jährlich mindestens 72 Kinder zu berücksichtigen sind. Es müssen zusätzliche Plätze geschaffen werden, um den Rechtsanspruch erfüllen zu können.

Als Standort für eine neue viergruppige Kindertagesstätte mit Quartiersbüro empfiehlt das Jugendamt ein städtisches Grundstück an der Spinnereistraße. Im Dreieck Unterstolberg, Münsterbusch und Atsch/Schneidmühle könne so im Kohlbusch eine besonders hohe und wohnortnahe Versorgung bei einem ausgesprochen hohen Bedarf auch angesichts der Sozialprofile aus dem Familienbericht erreicht werden. Die Kosten werden mit 2,9 Millionen Euro angegeben.

EBetreuungshaus an der Grundschule Hermannstraße: Zukünftig soll die Mehrheit der Kinder an der Grundschule die Möglichkeit haben, die Angebote des offenen Ganztags nutzen zu können. Das Betreuungshaus soll weiterhin ein „Cafe International“ beherbergen, das als Begegnungszentrum für Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer und Helferinnen sowie als Kantine genutzt werden kann. Der „Deutsch-Intensivkurs für Grundschüler“ der Städteregion, Sprachkurse für Jugendliche und Erwachsene, nachbarschaftliche Projekte, Beratungsarbeit für Neuankömmlinge in Deutschland könnten in den Räumen des Betreuungshauses realisiert werden.

Dieses Begegnungszentrum soll die Vernetzung der schulischen Elternarbeit, bereits vorhandene Strukturen (Schule, Helene-WeberHaus, Sozialkaufhaus andere Beratungsinstitutionen, Kinder- und Jugendperspektive der Stadt) sowie ehrenamtliches Engagement für eingewanderte Familien und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge fördern bzw. ermöglichen. Möglich wäre zwar ein Neubau mit Verbindung zum Schulgelände, aber präferiert wird von der Verwaltung insbesondere aus städtebaulicher Sicht die Sanierung einer angrenzenden Immobilie auf der Mühle. Die Kosten werden auf 1,342 Millionen Euro inklusive einer pädagogischen Halbtagskraft für eine einjährige Anlaufphase geschätzt.

EUmbau der Turnhalle Kogelshäuserstraße in eine Mehrzweckhalle: Mit diesem Vorschlag soll der Veranstaltungsrahmen sowohl für das schulische Angebot wie auch für die Projekte des Kultur- und Generationenhauses „Kugel“ ausgeweitet werden. Am Standort der auslaufenden Hauptschule und aufbauenden Sekundarschule werde bereits eine sehr gute Integrationsarbeit geleistet.

Seit Jahren werde mit drei internationalen Förderklassen für neu angekommener Schüler ohne deutsche Sprachkenntnisse Integration und Inklusion erfolgreich umgesetzt. Darüber hinaus halte die Begegnungsstätte „Kugel“ für den Raum „Soziale Stadt Velau“ ein breites Angebot zur Integration vor. Um die Angebote erweitern zu können, wäre eine Umwandlung der stark sanierungsbedürftigen Turnhalle in eine Mehrzweckhalle dringend erforderlich.

Zwar ist die notwendige Erweiterung der Sekundarschule im Haushalt 2016/17 eingeplant, aber der vorgesehene Finanzrahmen reiche nicht aus für die dringend notwendige Sanierung der Turnhalle. Das Projekt wird vom Hochbauamt mit 732.000 Euro kalkuliert.

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