Stolberg-Büsbach: Praktikaten unterstützen die Lehrer in der Büsbacher Grundschule

Stolberg-Büsbach : Praktikaten unterstützen die Lehrer in der Büsbacher Grundschule

Grundschullehrerin wollte Alisha Steffens nie werden. Eigentlich hatte die 19-Jährige nach dem Abitur geplant, Soziale Arbeit zu studieren. Eine Voraussetzung dafür: ein dreimonatiges Praktikum. Das absolvierte Alisha Steffens in der Grundschule Bischofstraße in Büsbach. Aus drei Monaten wurde allerdings schnell ein ganzes Schuljahr.

Mittlerweile plant die junge Frau sogar Grundschullehrerin zu werden. Zum Wintersemester soll ihr Studium beginnen. Alisha Steffens gehört damit allerdings eher zu den Ausnahmen. Denn der Beruf des Grundschullehrers ist alles andere als beliebt. Das macht auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen deutlich.

Allein in Nordrhein-Westfalen sollen, laut Landesregierung, in den nächsten zehn Jahren rund 3400 Grundschullehrer fehlen. Ende Januar veröffentlichte auch die Bertelsmann-Stiftung eine neue Studie zur Entwicklung des Lehrermangels an Grundschulen. Ende 2017 war rund jede zehnte Leitungsstelle an Grundschulen in Deutschland unbesetzt. Neben rund 1000 Schulleitern fehlen nach Angaben des Lehrerverbandes aktuell bundesweit etwa 20.000 Fachkräfte. In Stolberg sieht das etwas anders aus. Unbesetzte Stellen gebe es dort derzeit nicht. Erst am Montag wurden fünf neue Stellen vom Schulamt der Städteregion genehmigt, teilte man auf Nachfrage mit.

Zusätzliche Studienplätze

Dennoch soll sich in NRW an der Gesamtsituation etwas ändern. Aus dem Angebot, Arbeitslose mit Lehramt für die Sekundarstufe II zwei Jahre lang an einer Grundschule unterrichten zu lassen, seien seit dem vergangenem Herbst erst 73 Verträge hervorgegangen, bilanzierte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erst kürzlich. Helfen soll ein Ausbau der Studienplätze. Ab dem Wintersemester 2018/19 soll es in NRW mindestens 200 zusätzliche Studienplätze für angehende Grundschullehrer geben.

Ein erster Schritt, der die Zukunft für angehende Studenten erleichtern könnte. Schließlich sei die Zulassungsbeschränkung oft ein Hindernis, meint Alisha Steffens. In der Regel lag der sogenannte Numerus Clausus für das Grundschullehramt an den Hochschulen in den vergangenen Jahren zwischen 1,4 und 2,0 — je nach Fächerkombination. „Das ist einfach tierisch hoch“, sagt Steffens.

Sie und ihr Kollege Simon Reuters, der an der Büsbacher Grundschule seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert, sind der Meinung, dass gute Noten für den Beruf des Grundschullehrers nur eine untergeordnete Rolle spielen. „Gerade die Grundschulzeit ist für Kinder prägend. Wir verbringen den ganzen Tag mit ihnen und tragen so maßgeblich zu ihrer Erziehung bei“, sagt Reuters.

Nach dem Abitur stand für den 18-Jährigen schnell fest, dass er sich für den Bundesfreiwilligendienst entscheiden würde. Er landete an der Büsbacher Grundschule und fühlte sich dort von Beginn an besonders wohl. Der Beruf des Grundschullehrers ist für ihn in Zukunft allerdings keine Option — auch wenn ihm die Arbeit mit den Kindern viel Spaß macht. „Mir war es wichtig, dass ich vor dem Studium noch einmal etwas ganz anderes mache“, sagt Reuters. Nach dem Schuljahr will er sich für einen Studiengang im Bereich Rettungsingenieurwesen oder Katastrophenschutz einschreiben.

Nicht nur Kollegin Alisha Steffens bedauert diese Entscheidung, sondern auch Schulleiterin Susanne Thieves. Schließlich seien männliche Kollegen eher Mangelware. Auch an der Büsbacher Grundschule gibt es beispielsweise keine männliche Lehrkraft. „Man merkt schon, dass die Jungs auch den Kontakt zu Simon suchen. Mehr Männer wären schon eine Bereicherung“, ist sich Alisha Steffens sicher.

Besondere Förderung

Für Schulleiterin Susanne Thieves und ihre Kolleginnen seien Steffens und Reuters kaum noch aus dem Schulalltag wegzudenken. Am Vormittag unterstützen die beiden ehemaligen Schüler des Ritzefeld-Gymnasiums die Lehrer bei ihrer Arbeit. Ab und zu bereiten sie — mit der Hilfe der Kollegen — eine eigene Unterrichtsstunde vor. Vor allem kümmern sie sich aber um die Kinder, die eine gesonderte Betreuung brauchen. „Wir kümmern uns um die Kinder, die vielleicht ein bisschen mehr Hilfe brauchen und gehen mit ihnen oder in kleinen Gruppen dann den Stoff noch einmal etwas langsamer durch. Wie soll ein Lehrer, der allein ist, das machen?“, meint Steffens. Simon Reuters kümmert sich zudem um einen Schüler, der an Diabetes leidet. Er hat sich fortgebildet und weiß, wie im Notfall gehandelt werden muss.

Nach dem Unterricht arbeiten Steffens und Reuters im offenen Ganztag, betreuen die Kinder während der Hausaufgaben und bieten Arbeitsgemeinschaften an. Während Steffens mit den Kleinen Zumba tanzt, bietet Reuters eine Experimentier-AG an.

Auch wenn ihr Jahr an der Grundschule an der Bischofstraße bald vorbei ist, den Kontakt wollen Steffens und Reuters zu Kindern und Lehrern weiterhin halten. „Wir haben eine sehr enge Bindung zu den Kindern aufgebaut und auch wenn es manchmal anstrengend war, die Kinder geben einem unheimlich viel zurück“, sind sich die beiden sicher.

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